Neben einem brillanten Zusammenschnitt bildungsnotwendiger Wissensbereiche von Geschichte, Literatur über Kunst, Musik und Philosophie bis hin zur Sprache unternimmt er in diesem Buch jedoch auch einen vernichtenden Exkurs in die Unterwelt des nicht notwendigen Wissens, oder wie er es nennt, „Was man nicht wissen sollte“. Er schreibt darin: „Ein geradezu vermintes Wissensgelände stellt das Fernsehprogramm dar. Seine Kenntnis verrät viel über das intellektuelle Niveau und das Interessensprofil einer Person und wie sie ihre Zeit verbringt.“ Als Ausdruck besonderen Schwachsinns nennt er die vielen nachmittäglichen Talkshows, Ratesendungen und alle Variationen von Reality-TV, Serien für emotionale Voyeure mit Tränengarantie, Shows mit Appellen zur Rückkehr entlaufener Kinder, Betteln um Vergebung, Hochzeiten und Zusammenführung lange getrennter Familienmitglieder und die vielen anderen endlosen Anstrengungen, die „das Fernsehen im harten Dienst der Volksverblödung“ Tag um Tag unternehme.
Bei der Lektüre dieses Kapitels kamen mir unweigerlich auch solche Ratgebersendungen in den Sinn – ob auf VOX, RTL, WDR, ARD oder BR –, in denen sogenannte Hundeflüsterer ihr nicht vorhandenes „Expertenwissen“ feilbieten und ihre haarsträubenden Ratschläge erteilen dürfen. Ein sehr beliebtes Thema in diesen Dokumentationen sind Anleitungen, wie man vermeintlich erfolgreich einen „verhaltensauffälligen“ Hund von seinen „Macken“ befreien oder einen Leinenrüpel erziehen könne. Und ich nehme hier kaum jemanden aus, sei er auch noch so medienpräsent. Die hier getroffenen Scheinanalysen hündischen Verhaltens und deren Gründe sowie die erteilten Ratschläge insbesondere zur Erziehung eines Hundes, der sich nicht so verhält wie er sich verhalten sollte, zeugen größtenteils eben nicht von einer fundierten Fach- und Sachkunde der sich hier selbstinszenierenden Pseudoexperten, sondern eher von einer hanebüchenen Unwissenheit. Aber offensichtlich genügt allein deren Medienpräsens für eine vertrauensselig unterstellte Expertise und Glaubwürdigkeit.
Nicht nur in meinen Fachbüchern, sondern auch in einer Reihe von Fachartikeln versuche ich seit vielen Jahren sachlich und fachlich fundiert nachzuweisen, dass die in solchen Ratgebersendungen gegebenen Ratschläge größtenteils ungeeignet sind, das soziale Verhalten eines Tieres im Allgemeinen und das eines Hundes im Besonderen zu beeinflussen, geschweige denn nachhaltig zu verändern. Dies tue ich ausdrücklich nicht – wie ich es bereits mehrmals betont habe – mit der Absicht, die erwähnten „Experten“ zu diskreditieren, sondern ausschließlich, um den vielen oftmals schon verzweifelten oder frustrierten Hundehalterinnen oder -haltern eine Stimme aber auch Hoffnung zu geben, die nicht selten schon ein „kleines Vermögen“ in Hundeschulen oder bei Hundetrainern lassen mussten, ohne dass ihnen tatsächlich geholfen wurde. Der Einfluss der oben erwähnten Sendungen und des dort feilgebotenen “Expertenwissens“, das oftmals auch dem in den Hundeschulen entspricht, auf viele Hundetrainer sollte nicht unterschätzt werden. In vorherigen Artikeln habe ich bereits versucht, eine Begründung zu geben, warum so viele Hundetrainer ein und dieselben Fehler begehen und bei der Hundeerziehung regelmäßig versagen, denn sie sind größtenteils durch ein und dieselbe Lehrmeinung von „Experten“, die für sich die alleinige Deutungshoheit in Anspruch nehmen, beeinflusst. Gleiches gilt nämlich auch für die Ausbildung von Hundetrainern allgemein, denn auch sie ist größtenteils durch solche als Axiome geltenden Dogmen beeinflusst.
Auch wenn ich mich wiederhole, es geht mir in meinen Analysen ausdrücklich nicht um eine Kritik an den Methoden zur Ausbildung eines Hundes, wenn ihm also in den Hundeschulen Sitz, Platz & Co. beigebracht wird. Hier gehe ich sogar von einer relativ hohen Erfolgsquote aus. Denn die Methoden der Konditionierung bzw. operanten Konditionierung, die bei der Ausbildung angewendet werden, gehören in der Regel zum beherrschten Handwerkszeug eines vernünftig ausgebildeten Hundetrainers.
Meine Kritik bezieht sich vielmehr und ausschließlich auf die ungeeigneten Methoden zur Erziehung des Hundes. Denn bei der Erziehung sind Methoden beispielsweise der Konditionierung, wie sie bei der Ausbildung sogar den Königsweg darstellen, absolut fehl am Platz, werden hier aber immer wieder und oftmals ausschließlich angewendet.
Deshalb will ich in diesem Artikel erneut einen weiteren Versuch unternehmen, die Ungeeignetheit von Methoden zur Erziehung eines sich sozial unverträglich verhaltenden Hundes zu beweisen, die ein solches Mittel der Ablenkung, das mit dem Ziel der Konditionierung eingesetzt wird, nutzen.
Ich bitte den geneigten Leser – sollte er sich einmal solche „Ratgebersendungen“ anschauen – darauf zu achten und zu versuchen, zu analysieren, was eigentlich der Grundtenor ist, der sich quasi wie ein roter Faden durch den Großteil aller gegebenen Empfehlungen und Ratschläge zieht, wenn es darum geht, einen Hund von seinem unerwünschten sozialen Verhalten abzubringen, was bekanntlich das erklärte Ziel einer Erziehung ist. Mit sozial unverträglichem Verhalten meine ich hier alle Variationen des agonistischen Verhaltensrepertoires nicht nur gegenüber Artgenossen, sondern auch gegenüber Menschen, die das harmonische Zusammenleben mit einem Hund und insbesondere das entspannte Bewegen in der Öffentlichkeit stört oder manchmal sogar unmöglich macht. Angefangen von A wie alle Arten der Aggression bis hin zu Z wie das nervende Zerren oder Pöbeln an der Leine.
Für diesen Artikel habe ich mir diesmal Anregungen geholt bei einem der bedeutendsten deutschen Philosophen, Arthur Schopenhauer. Er entwarf in seinem Manuskript „Eristische Dialektik“ („Eristik“ – Lehre vom Streitgespräch) nämlich eine ganze Reihe von Grundprinzipien der Disputation (lateinisch „disputatio“ – Streitgespräch), das er selbst aber nie veröffentlichte, denn wie er selbst sagte, die hier aufgezeigten Methoden seien nicht nur erlaubte, sondern auch unerlaubte Mittel. Also auch Mittel, die weniger der Wahrheitsfindung dienen würden, als vielmehr, lediglich Recht zu haben. Und insofern kamen ihm offensichtlich Gewissensbisse. Erst nach seinem Tode wurden sie dann aber doch veröffentlicht.
Selbstreden, dass ich mich hier natürlich ausschließlich auf diejenigen beziehe, die er als „erlaubt“ charakterisiert. Darin enthalten ist eine umfassende Anleitung zur Widerlegung einer „gegnerischen These“, die man selbst als falsch ansieht – in unserem Fall also die unisono anzutreffende Behauptung vieler Hundetrainer, man könne den Hund mit Hilfe von Leckerli & Co. oder anderer Varianten der Ablenkung erziehen.
Dabei sollte man aber bedenken, dass die Vertreter dieser These oftmals das simple Locken oder Ablenken mit Hilfe des Darreichens oder in Aussichtstellens eines Leckerlis oder sonstiger Tricks durch Schlagwörter oder Floskeln versuchen zu verbrämen. Dazu nutzen sie oftmals sogenannte „Buzzwords“ (Modewörter, Schlagworte, inhaltsleere Floskeln), die keinen anderen Zweck verfolgen, als lediglich Kompetenz oder fachliche Fundiertheit vorzugaukeln wie beispielsweise solche Begriffe wie „Markersignale“, „Aufmerksamkeitschecks“, „doppelter Ankereffekt“ oder ähnlich gelagerter Firlefanz.
Aber mit Ablenkung meine ich nicht ausschließlich das Nutzen von Leckerlis, sondern vielmehr alle Varianten, mit denen die Aufmerksamkeit des Hundes erzwungen und vom eigentlichen Auslöser seines unerwünschten Verhaltens abgewendet werden soll.
Schopenhauer sagt, es gebe zwei Wege zur Widerlegung einer aufgestellten These:
- die direkte Widerlegung und
- die indirekte.
„Die direkte greift die These bei ihren Gründen an, die indirekte bei ihren Folgen: die direkte zeigt, daß die These nicht wahr ist, die indirekte, daß sie nicht wahr sein kann.“
Ich will mich hier aufgrund des begrenzten Umfangs auf die indirekte Widerlegung beschränken.
Doch bevor ich dazu komme, sollten wir vorab ein von Schopenhauer formuliertes Grundprinzip berücksichtigen, das besagt, ein Streitgespräch, in dem man klären wolle, wer denn nun Recht habe, würde überhaupt erst und nur dann Sinn machen, wenn man sich zuvor überhaupt über etwas einig sei: „Contra negantem principia non est disputandum (Mit jemandem, der jedes Prinzip bestreitet, kann man kein Streitgespräch führen)“.
In diesem Sinne sollten wir uns zunächst dahingehend verständigen, dass einerseits das unerwünschte soziale Verhalten des Hundes ein Erziehungs- und kein Ausbildungsproblem ist und andererseits, was denn eigentlich der Gegenstand und das Ziel einer Erziehung ist. Denn ohne darüber Einigkeit erzielt zu haben, macht es keinerlei Sinn, sich darüber zu streiten, wie und mit welchen Mitteln dieses Ziel zu erreichen wäre:
Die Wissenschaft geht sinngemäß von folgender Definition aus: Gegenstand der Erziehung ist die Einflussnahme auf das soziale Verhalten des Educandus (des zu Erziehenden) mit dem Ziel, dieses in seinem Dispositionsgefüge begründete Verhalten nachhaltig im Sinne von allgemeingültigen Konventionen zu verändern.
In der Humanwissenschaft spricht man dabei auch vom Erreichen der Einsicht in die Notwendigkeit. Der zu Erziehende sieht ein, dass es Sinn macht, sich sozial so zu verhalten wie er sich verhalten soll. Dies setzt allerdings neben einem Bewusstsein auch das Vorhandensein einer Vernunft voraus. Letzteres jedoch kann – zumindest nach heutigem Wissen – dem Hund nicht zugestanden werden, so dass man hier gezwungen ist, einen alternativen Weg zu beschreiten.
Und dieser Weg führt über die Einflussnahme auf seine Bedürfnisse, so dass der Hund sich nach der Erziehung sozusagen aus ureigenem Interesse (Bedürfnis) so verhält wie er sich zu verhalten hat. Mit anderen Worten: Nach der Erziehung darf es für den Hund im Rahmen seiner Bedürfnisbefriedigung keinerlei Sinn mehr machen, sich so zu verhalten wie er sich zuvor verhalten hat. Oder noch anders ausgedrückt: Nach einer erfolgreichen Erziehung muss der Grund bzw. Auslöser für das unerwünschte Verhalten praktisch verschwunden bzw. nicht mehr existent sein, weil sich seine diesbezügliche Bedürfnissituation verändert hat.
Was notwendigerweise zu der Frage führt, was denn solch ein Grund bzw. Auslöser für das unsoziale oder störende Verhalten sein kann? (Abgesehen natürlich von pathologischen Gründen, die es in Ausnahmefällen durchaus geben kann, aber im hiesigen Kontext keine Rolle spielen soll). Die Antwort finden wir in seinem erwähnten Dispositionsgefüge, zu dem seine Bedürfnisse zählen, die da wären, Stoffwechsel, Fortpflanzung und Sicherheit. Da wir wohl getrost davon ausgehen können, dass für diejenigen Haushunde, die hier in Rede stehend, das Bedürfnis nach Nahrung als weitestgehend befriedigt und das nach Fortpflanzung eher als temporär wirkend gelten kann, bleibt lediglich das Bedürfnis nach Sicherheit, und das nicht nur für seine eigene, sondern ebenso für das seiner Bezugspersonen oder Ressourcen wie Haus und Hof. Woraus folgt, dass der Grund bzw. Auslöser für ein unsoziales Verhalten nur eine Bedrohung, in welcher Form auch immer, für dieses Sicherheitsbedürfnis sein kann.
Wir können also festhalten, dass sämtliche unerwünschten agonistischen Verhaltensweisen eines Hundes (von Aggressionen bis Zerren) darin begründet sind, dass der Hund sich in seinem Sicherheitsbedürfnis bedroht sieht und dieses durch sein Verhalten befriedigt wissen will.
Was uns zu dem Schluss führt, dass das Ziel der Erziehung darin bestehen muss, dem Hund sein Sicherheitsbedürfnis als gewährleistet erscheinen zu lassen, so dass er sich selbst nicht mehr genötigt sieht, selbst für seine und die Sicherheit seiner Bezugspersonen bzw. Ressourcen sorgen zu müssen. Potenzielle Bedrohungen oder Gefahren für diese Sicherheiten, die den Grund bzw. Auslöser für sein unerwünschtes Verhalten darstellen, dürfen ihm dann als solche nicht mehr erscheinen. Ein deutliches Indiz dafür, dass dies erreicht wurde, ist übrigens bei solchen Hunden zu erkennen, die gegenüber ihren Artgenossen ein regelrechtes Desinteresse zeigen und den Eindruck hinterlassen, vermeintlich in sich selbst zu ruhen. Die unabdingbare Voraussetzung dafür ist jedoch, dass dem Hund die Verantwortung für diese Sicherheiten genommen und stattdessen demonstrativ von seiner Bezugsperson übernommen wurde. Denn wir müssen bedenken, dass gerade der Eigenschutz und der Beschützerinstinkt ihm über Tausende von Jahren im Rahmen der Domestikation in sein Dispositionsgefüge „geschrieben“ wurde.
Um nun Schopenhauers Methode der indirekten Widerlegung der zuvor genannten These, die ich als falsch ansehe, zu nutzen, schauen wir uns zunächst einmal an, was er zur Anwendung dieser Methode sagt:
„… wir nehmen einen Satz als wahr an; und nun zeigen wir, was daraus folgt, wenn wir in Verbindung mit irgendeinem andern als wahr anerkannten Satze selbigen als Prämisse zu einem Schlusse gebrauchen, und nun eine Konklusion entsteht, die offenbar falsch ist, indem sie entweder der Natur der Dinge, oder den andern Behauptungen des Gegners selbst widerspricht, also … falsch ist: folglich auch der Satz falsch war …“
Mit anderen Worten: Man konfrontiert den Verfasser der falschen These mit den Konsequenzen bzw. Schlussfolgerungen aus seiner These, die der Wahrheit widersprechen, und führt so die These selbst ad absurdum. Denn aus einer falschen These kann keine wahre Konklusion (Schlussfolgerung) gezogen werden.
Woraus sich für uns ergibt: Wenn wir – wie zuvor vereinbart – davon ausgehen können, dass die Erziehung des Hundes die Einflussnahme auf sein Dispositionsgefüge ist, mit dem Ziel, ihm sein Bedürfnis nach Sicherheit als gewährleistet erscheinen zu lassen, indem man ihm demonstrativ die Verantwortung für selbige nimmt und statt seiner die Bezugsperson für ihn deutlich wahrnehmbar für beider Sicherheit sorgt, folgt aus der falschen These, dass es möglich sei, dies mit Hilfe einer Ablenkung – beispielsweise durch das Darreichen eines Leckerlis – zu erreichen. Es sei demzufolge möglich, dem Hund die Verantwortung für seine Sicherheit mit Hilfe von „Markersignalen“, „Aufmerksamkeitschecks“, „social walks“ und ähnlichen Ablenkungs- oder Gewöhnungsaktivitäten zu nehmen bzw. für ihn potenziell wirkende Bedrohungen aus der Welt schaffen zu können. Man könnte es auch fabulös so formulieren: Mit Hilfe von Belohnungen könne man Bedrohungen wie von Zauberhand verschwinden lassen.
Ich denke, spätestens jetzt sollte dem Abergläubigsten, der immer noch an die erzieherische Wirkung von Konditionierungsmaßnahmen glaubt, klar geworden sein, dass die Konditionierung zwar für die Ausbildung (Sitz, Platz & Co.) den Königsweg darstellt, für die Erziehung, bei der es um die Einflussnahme auf das Dispositionsgefüge des Educandus geht, absolut ungeeignet ist. Leckerlis oder sonstiger Firlefanz dienen lediglich der Profitmaximierung, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der Erziehung eines sich sozial unverträglich verhaltenden Hundes.
Es ist unstrittig, dass die Aufmerksamkeit eines Hundes kurzzeitig durch Ablenkungen aller Art erzwungen werden kann. Das Leckerli ist dafür aufgrund der Bedürfnishierarchie ein probates Mittel, denn das Bedürfnis nach Nahrung überragt in seiner Wertigkeit für den Hund alle anderen – weshalb er für seine Futtermaximierung schon mal Kopf und Kragen und sogar seine Sicherheit riskiert. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein agonistisches Verhaltensrepertoire, aus denen sich alle unerwünschten sozialen Verhaltensweisen speisen, in erster Linie in seinem Sicherheitsbedürfnis, welches er befriedigt wissen will, begründet sind. Und dieses Sicherheitsbedürfnis lässt sich nachhaltig definitiv nicht mit Hilfe einer Ablenkung auslöschen, sondern ausschließlich durch eine demonstrative Entbindung von dieser Verantwortung und zuverlässige Übernahme derselben und Gewährleistung seiner Sicherheit durch die Bezugsperson.
Vor diesem Hintergrund würde ich jedem, der sich einmal der Mühe unterzieht, sich eine solche Ratgebersendungen anzuschauen, in denen es vorgeblich um die Erziehung vermeintlich verhaltensauffälliger Hunde geht, empfehlen, sehr kritisch zu hinterfragen, ob es tatsächlich möglich oder realistisch erscheint, mit Hilfe der dort empfohlenen Tipps und Tricks, den Hund von der Verantwortung für seine Sicherheit zu entbinden und ihm demonstrativ zu zeigen, dass Frauchen oder Herrchen ab sofort für seine Sicherheit sorgen werden. Ich habe den Mut zu behaupten, dass nicht eine einzige dazu geeignet erscheint.
Somit stellt sich berechtigt die Frage nach dem „Warum?“. Warum wird in solchen Ratgebersendungen inkompetenten Pseudoexperten eine solche Bühne geboten, auf denen sie ihre fachlich untauglichen „Weisheiten“ präsentieren dürfen?
Die Antworten auf diese Frage sind sicherlich vielschichtig. Eine der möglichen habe in einem meiner vorherigen Artikel bereits gegeben; das ist das fragwürdige Niveau der Hundetrainerausbildung in Deutschland, was ich hier nicht wiederholen möchte. Und auf eine weitere bin ich in meinen Fachbüchern ausführlich eingegangen; das ist die Rolle, die das Fachwissen für einen erfolgreichen Hundetrainer spielt; es ist nämlich nicht weniger als sein schützenswertes Know-how, mit dem er schließlich sein Geld verdienen muss. Gleichwohl wie kein Unternehmen dieser Welt ohne triftigen Grund sein unter Schutz stehendes Know-how preisgeben würde, von dem es sich einen Wettbewerbsvorteil verspricht, wird auch kein erfolgreicher Hundetrainer dieses ohne Not tun.
Insofern kann man von den erwähnten Ratgebersendungen aber auch kaum erwarten, dass ein solches Know-how hier zum Besten gegeben wird, vielmehr lediglich ein solches, dass nicht schützenswert erscheint bzw. bereits ein Allgemeingut darstellt. Wozu eben auch gehört, was jeder Laie kennen sollte, spätestens seit Pawlows berühmten Versuchen, nämlich die Methoden der operanten Konditionierung. Bedauerlicherweise wird dies aber dann von solchen „Pseudoexperten“ für etwas gehalten und als solches ausgegeben, was es in Wirklichkeit aber gar nicht. Die operante Konditionierung ist nun mal keine geeignete Methode der Erziehung.
Einen Hund auszubilden, will meinen, ihm das halbwegs zuverlässige Befolgen einer Reihe von Kommandos beizubringen, wozu solche wie Sitz, Platz & Co. zählen oder das gewünschte Zick-Zack-Laufen durch Frauchens Beine, Purzelbäume schießen oder ähnliches, das sollte eigentlich jeder minimal ausgebildete Hundetrainer hinkriegen, denn das ist kein Hexenwerk. Aber etwas völlig anderes ist es, dem Hund im Rahmen seiner Erziehung, die sein Sozialverhalten betrifft, ihm die Verantwortung zur Gewährleistung seines Sicherheitsbedürfnisse zu nehmen; das verlangt nach einem Know-how, das offensichtlich nur wenige beherrschen, wie jede dieser Ratgebersendungen – sicherlich ungewollt – unter Beweis stellt.

