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31. WARUM EINE HUNDEERZIEHUNG MISSLINGT

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oder

die Macht der Basalganglien

Ein einfaches Experiment: Verschränken Sie Ihre Arme vor der Brust. Nach wenigen Sekunden tauschen Sie die Positionen der Arme, so dass sich der zuvor obenauf liegende unten befindet.

Was sagt Ihr Gefühl? Komisch, oder?

Ihr Gehirn musste soeben seinen gewohnten Pfad verlassen und produzierte deshalb dieses komische Gefühl. Wenn es stattdessen Routinehandlungen ausführen lässt, belohnt es sich selbst mit endogenen (körpereigenen) Opioiden, was zu einem angenehmen Gefühl des Geborgenseins führt. Deshalb fühlt der Mensch sich wohl, wenn alles seinen „gewohnten“ Gang geht. Selbiges fand aber beim gerade beschriebenen Experiment nicht statt, im Gegenteil.

Wenn Sie jetzt schätzen sollten, wie viele Wiederholungen oder wie lange Sie brauchen würden, um das Verschränken Ihrer Arme in der korrigierten Variante zur Gewohnheit werden zu lassen und das Gehirn dann statt des komischen Gefühls wieder das Wohlfühlhormon ausschüttet, lägen Sie bestimmt daneben. Bei manchen Gewohnheiten sprechen Experten von mehreren Monaten, bis eine Handlung in eine Routine übergegangen ist. Essgewohnheiten können schon mal locker 3 Jahre in Anspruch nehmen, bis sie stabil sind.

Mag sein, dass dieses Experiment im ersten Moment weit hergeholt erscheint; aber ich habe gerade eine der Ursachen beschrieben, warum gelegentlich die Therapie eines „Problem“-Hundes im ersten Anlauf scheitert.

Ich bekam nämlich kürzlich eine nicht wirklich lieb gemeinte Mail eines offensichtlich von mir enttäuschten Kunden, in der er seinem Frust unüberlesbar Ausdruck verlieh und äußerte, dass sich mittlerweile das Problemverhalten seines Hundes in genau der gleichen Art wieder eingestellt habe, wie es vor meinem „sogenannten Training“ der Fall gewesen sei. Ich konnte mich auch sofort an diesen Fall erinnern; auch daran, dass wir relativ schnell einen Erfolg erzielt hatten und er recht zufrieden war.

Nachdem ich ihm dann mit viel Zureden nochmal einen auf Kulanz kalkulierten Besuch nahelegen konnte – denn einerseits tun mir solche Fälle natürlich weh und andererseits war ich mir sicher, wo die Lösung lag – haben wir das Problem auch im zweiten Anlauf aus der Welt schaffen können.

Es ärgert mich schon, wenn mich KundInnen kontaktieren müssen, um mir enttäuscht mitzuteilen, dass sich der anfängliche und relativ schnell eingestellte Erfolg unserer Therapie sozusagen in Luft aufgelöst habe und ihr Liebling die gleichen Verhaltensauffälligkeiten zeige wie zuvor. Das ist zwar nur selten der Fall, aber es kommt vor. Und mir ist auch bewusst, dass alle, die an dem schnellen Erfolg eines solchen Trainings zweifeln, solche Misserfolge zu gerne auf den sogenannten Trainereffekt reduziert wissen wollen. Aber dem widerspricht die Erfolgsrate, die man in solchen Fällen durch eine einzige Wiederholung des Trainings erzielt. Auch aus dem Grunde werde ich in einem meiner nächsten Beiträge auf diesen offensichtlich in aller Munde befindlichen „Trainereffekt“ einmal eingehen und eine wahrscheinlich verblüffende Erklärung des Sozialpsychologen bringen und den Mythos ein wenig relativieren. Es gibt aus meinen Erfahrungen nur einen einzigen Grund, wann ein Erziehungstraining scheitern muss und trotz richtigen Verhaltens des Menschen, der Hund sein Verhalten nicht ändert: Wenn ein pathologischer Befund vorliegt.

Zum besseren Verständnis weise ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich darauf hin, dass ich in diesem Kontext mit der Begrifflichkeit Therapie bzw. Erziehung des Hundes nicht seine Ausbildung meine. Eine solche ist wahrhaftig nicht in kurzer Zeit erfolgreich realisierbar, weil sie u.a. auf Wiederholungen basiert und allein schon deshalb, neben dem Anwenden teilweise völlig anderer Mittel und Methoden, mehr Zeit in Anspruch nimmt. Aber davon rede ich hier nicht, sondern von der Erziehung, die im Grunde genommen nicht mehr und nicht weniger ist als die Entbindung des Hundes von irgendeiner Verantwortung, die ihm – meistens unbewusst – durch ein falsches Verhalten der HundebesitzerInnen übertragen wurde. Und da dies in der Regel nichts anderes ist, als die Unterweisung der HundebesitzerInnen mit einer gleichzeitigen Korrektur ihres bisherigen Verhaltens dem Hund gegenüber, ist es eigentlich auch in relativ kurzer Zeit machbar.

Das klingt allerdings einfacher als es ist. Denn die Voraussetzung für den Erfolg dieses Unterfangens ist, dass mir als Trainer zwei Dinge gelingen (was nicht selbstverständlich ist):

  1. Ich muss nicht nur vermeintlich, sondern tatsächlich mit meiner Analyse des hündischen Fehlverhaltens und ihrer Erklärung das Bewusstsein der KundInnen erreichen. Dass mir das nicht zwingend gelungen sein muss, selbst wenn sie mir verbal zu verstehen gegeben haben, dass sie es verstanden hätten, habe ich bereits in einem meiner vorherigen Beiträge erläutert. Und – wie ich es auch in dem Beitrag bereits beschrieben habe – liegt die Verantwortung für das Scheitern dieses Vorhabens in der Regel nicht bei den EmpfängerInnen meiner Nachricht, sondern bei mir.
  2. Es muss mir als Trainer gelingen, Herrchen oder Frauchen zu motivieren, ihr gewohntes Verhalten dem Hund gegenüber tatsächlich zu korrigieren.

Und damit sind wir beim Problem. Wie das zu Beginn beschriebene Experiment zeigt, bedarf eine Gewohnheit, bis sie zu einer solchen wird, mehr oder weniger viele Wiederholungen eines erfolgreichen Handelns. Allerdings ist diese Anzahl von Wiederholungen noch relativ harmlos im Vergleich zu den Wiederholungen, die notwendig sind, um eine Gewohnheit wieder zu “löschen” und durch eine neue oder alternative erfolgreich zu ersetzen.

Welche Prozesse im Gehirn ablaufen, wenn Gewohnheiten entstehen, hat Ann Graybiel, Professorin für Neurowissenschaften am Brain and Cognitive Sceinces Department des Massachusetts Institute of Technology erforscht. Sie ließ Ratten in einem Labyrinth nach einem versteckten Stück Schokolade suchen. Dies wiederholte sie mehrmals und maß währenddessen mittels angeschlossener Elektroden ihre Gehirnaktivitäten. Anfänglich waren alle Gehirnareale beteiligt, die für komplexe Denkprozesse und Entscheidungen zuständig sind und eine erhöhte Aufmerksamkeit bedürfen und dadurch wichtige Bereiche des Gehirns sozusagen in Beschlag nehmen. Je öfter die Tiere aber übten und den Weg zur Belohnung immer sicherer fanden, umso inaktiver wurden diese Bereiche, bis sie ganz aufhörten zu feuern. Aber ein Zellhaufen im Gehirninneren, den man bisher nur mit motorischen Aktivitäten in Verbindung brachte, blieb weiterhin aktiv: Sie werden als Basalganglien bezeichnet, eine Gruppe von Neuronenhaufen, die unterhalb der Großhirnrinde liegt und zum Großhirn gezählt wird. Heute geht man davon aus, dass sie eine Art Handlungsgedächtnis sind, das alle Bewegungsmuster speichert, die sich einmal als erfolgreich bewährt haben. Während sie aktiv sind, kann das restliche Gehirn quasi schlafen, oder steht für wichtigere Dinge zur Verfügung, die das Nachdenken erfordern.

Ein weiterer Effekt von Gewohnheiten ist, neben der guten Energiebilanz, das mit ihnen einhergehende angenehme Gefühl der Sicherheit, welches sie vermitteln. Aber damit entsteht auch das „Problem“, nämlich ihre Macht, die Macht der Gewohnheit. Fluch und Segen zugleich. Der Segen ist die Entlastung des Gehirns von Banalitäten, die in einer komplexen Umwelt erheblich sein können und das Gehirn sehr schnell an seine Kapazitätsgrenzen führen würden, wenn sich das Gehirn in Form von Aufmerksamkeit und Bewusstheit um sie kümmern müsste. Aber was ist der Nachteil?

Der Nachteil von Gewohnheiten wird uns bewusst, wenn wir einmal schlechte Routinen, falsche oder uns nicht guttuende Gewohnheiten ablegen und durch neue ersetzen wollen. Gewohnheiten lotsen uns zwar sozusagen durch das Labyrinth des Lebens und schützen uns vor Überforderung durch Details im Alltag. Aber diese Form der Energieeinsparung ist auch der Grund, warum wir uns so schwer tun mit dem Verändern. „Gewohnheiten sind kleine Süchte“, sagt Professor Wolfram Schultz, Neurowissenschaftler an der University of Cambridge. Das Gehirn trickst sich quasi selbst aus, indem es erfolgreiches Handeln zur Routine werden lässt und dann jedes Mal, wenn die Routine angewendet wird, wieder zusätzlich belohnt, indem es Botenstoffe ausschüttet, die das erwähnte angenehme Gefühl begründen, wie bei einem Junkie. Ohne dass wir es merken, grenzen uns Gewohnheiten ein. Sie führen sogar dazu, dass wir neue Informationen gar nicht mehr wahrnehmen, selbst dann nicht, wenn die neue Information vernünftig klingt und die Lösung eines Problems verspricht. Nach dem Motto: „Wer einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“ „Achtsamkeit, Spontaneität und Neugierde sind die Gegenpole zur Gewohnheit“, sagt auch der bekannte Therapeut Nicolas Hoffmann.

Gewohnheiten sind also dann gut, wenn sie uns von unnötigem kognitivem Aufwand befreien; sie sind aber schlecht, wenn sie uns hindern, notwendige Änderungen vorzunehmen. Und genau das trifft zu, wenn ich von Herrchen oder Frauchen verlange, von ihren bisherigen Verhaltensgewohnheiten im Umgang mit ihren Lieblingen Abstand zu nehmen und stattdessen eine andere Verhaltensweise zu ihrer Gewohnheit zu machen.

Grundvoraussetzung für das Gelingen dieses Unterfangens ist natürlich erst einmal das tatsächliche Erkennen und Begreifen des Falschen an der bisherigen Gewohnheit, um überhaupt eine innere Bereitschaft zur Änderung zu erlangen. Erst dann kann der aufwendige Mechanismus zur Etablierung einer neuen Gewohnheit starten. Insofern ist es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass es eine neue Gewohnheit gar nicht schafft, zu einer solchen zu werden, wenn es mir als Trainer nicht gelingen sollte, beim Erklären der Kausalitäten des hündischen Verhaltens einen Aha-Effekt zu erreichen, der sich beispielsweise in Herrchens oder Frauchens Aussage wie folgt offenbaren würde: „Mensch, das ist ja völlig logisch, was sie da sagen!“ Erst wenn Herrchen und Frauchen den Sinn und die Richtigkeit des neuen Verhaltens tatsächlich verstanden und auch akzeptiert haben, sind sie mental bereit, ihr gewohntes Verhalten zu ändern.

An dieser Stelle will ich nochmal auf den eingangs genannten Fall zurückkommen, bei dem ein Hundebesitzer mir seine Enttäuschung mitteilte. Ich konnte ihn – trotz seiner Frustrierung – dazu bewegen, mir eine kurze Videosequenz zuzuschicken, die sein erneutes Problem beim Spaziergang mit dem Hund dokumentiert. Und siehe da: Genau das, was ich ihm zu Beginn unseres damaligen Trainings als Ursache der hündischen Verhaltensauffälligkeit  beschrieben hatte, nämlich die dem Hund übertragene Verantwortung für ihre beider Sicherheit und das Revier, war auf dieser Videosequenz in genau gleicher Weise wieder zu erkennen, obwohl er mir seinerzeit glaubhaft versichert hatte, meine Analyse verstanden zu haben. Der Hund lief jetzt wieder wie zuvor – und von mir als Indiz für eine ihm übertragene Verantwortung identifiziert – an straffer Leine vor ihm her, mit der Nase am Boden, alle „feindlichen“ Informationen inhalierend und den Schwanz steil nach oben gerichtet. Aber von einer sofortigen Korrektur dieses Verhaltens, die ich ihm seinerzeit angeraten hatte, einhergehend mit der demonstrativen Entbindung des Hundes von dieser Verantwortung, war allerdings nichts zu erkennen. Herrchen war offensichtlich wieder in seine alte und „Dopamin produzierende“ Gewohnheit zurückgefallen und ließ den Hund nicht nur gewähren, sondern verlangte von ihm, wie zuvor, das feindliche Revier aufzuklären und sich und Herrchen vor allen Gefahren zu bewahren.

Die Frage, die sich daraus stellt, lautet: Wer trägt dafür die Schuld? Ich als Trainer? Oder er als Hundebesitzer, der das, was ich ihm als Therapieansatz vermittelt habe, nicht anwendet?

Die Antwort, die der Kommunikationswissenschaftler oder Sozialpsychologe darauf geben, lautet: Mache nicht den Empfänger für das Misslingen deiner Wissensvermittlung verantwortlich.

Mir ist es offensichtlich nicht gelungen, mit meiner Analyse zu den Ursachen, warum sich der Hund so verhält wie er sich verhält, das Bewusstsein des Kunden zu erreichen, auch wenn er mir verbal eigentlich bestätigt hatte, es verstanden zu haben. Es ist mir nicht nur nicht gelungen, mit meiner Botschaft bei ihm eine solche Überzeugtheit zu erlangt, dass er bereit gewesen wäre, von seiner alten gewohnten Umgangsform mit seinem Hund Abstand zu nehmen. Es ist mir erst recht nicht gelungen, ihn zum mühsamen Anlegen einer neuen Gewohnheit zu animieren.

Der Unternehmensberater Dr. Reinhard Springer sagt dazu so treffend: „Die Macht der Gewohnheit ist der härteste Klebstoff der Welt.“ Als Trainer bin ich also nur dann erfolgreich, wenn es mir gelingt, für diesen Klebstoff ein Lösungsmittel zu finden.

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30. DAS FEHLINTERPRETIEREN HÜNDISCHEN VERHALTENS

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oder

Ein kleiner akademischer Exkurs in die Crux mit der Komplexität

Über das leidige Problem des Fehlinterpretierens hündischen Verhaltens sowie seinen Ursachen und Folgen habe ich mich ja schon ausführlich geäußert. Dabei muss aber nicht nur das von mir erwähnte Vermenschlichen der Kreatur Hund und die dadurch bedingte unzulässige Deutung seines Verhaltens die Ursache sein, sondern es kann auch etwas völlig anderes „die Finger im Spiel haben“. Etwas, was im ersten Moment vielleicht ein wenig weit her geholt erscheint, aber bei genauerer Betrachtung doch als Begründung für so manch eine Fehlinterpretation und als Ursache falschen Verhaltens des Menschen dem Hund gegenüber zu taugen scheint, nämlich: Die Komplexität der Ursachen und Einflussfaktoren auf das hündische Verhalten in einer konkreten Situation, in der sich der Hund in einer bestimmten Art und Weise verhält; und die durch sie bedingte Unfähigkeit des Menschen, das Verhalten des Hundes korrekt zu interpretieren und dann folgerichtig zu reagieren.

Was ist damit gemeint? Für ein besseres Verständnis macht es Sinn, einen kleinen Exkurs in die Theorie des menschlichen Fehlverhaltens oder auch menschlichen Versagens zu unternehmen. Die Wissenschaft befasst sich seit langem mit den kognitiven Fehlern und ihren evolutionsbiologischen Grundlagen. Dabei untersucht man eine ganze Reihe von sogenannten Fehlerfamilien; die nicht nur negativ zu bewerten sind, sondern evolutionsbiologisch sogar Sinn machten und dem Menschen eben auch Vorteile im Überlebenskampf brachten, indem er dadurch in hoch komplexen Situationen überhaupt handelte, anstatt vor Angst oder Ehrfurcht zu erstarren. Pro Sekunde treffen auf die menschlichen Sinnesorgane mehr als eine Million Informationen. Diese zu verarbeiten, ist für die begrenzte Kapazität des Säugetiergehirns ein Ding der Unmöglichkeit. Also galt und gilt es, herauszufiltern und zu simplifizieren. Eine sich daraus ergebende Fehlerfamilie nennt sich Schnelligkeit und Vereinfachung durch Reduktion, die wiederum in zwei Bereiche unterteilt ist, nämlich in den Umgang mit Komplexität und in die Heuristiken.

Letzteres ist die Fähigkeit des Gehirns, in hoch komplexen Situationen, ohne Kenntnis aller Zusammenhänge, durch starke Vereinfachung eine halbwegs brauchbare Entscheidung zu treffen. Diese ist dann zwar hin und wieder falsch, aber in der Gesamtsumme wirkt es sich eben als Überlebensvorteil aus, überhaupt zu handeln, statt zu erstarren.

Ein Beispiel, dass auch Hunde diese Fähigkeit nutzen, kennt jeder: Wer hat sich nicht schon mal gefragt, wie es sein kann, dass sein Liebling die Frisbeescheibe, die man ihm zuwirft, mit relativ hoher Zuverlässigkeit auch tatsächlich fängt. Und das sogar selbst dann, wenn man sie ihm nicht direkt ins Maul schmeißt, sondern im hohen Bogen in eine völlig andere Richtung. Sein Fangversuch wird zwar nicht immer von Erfolg gekrönt, aber immerhin auffallend oft. Und das Ganze, ohne dass er wie unsereins im Physik- und Mathematikunterricht gesessen und schon mal etwas von Newtons Gravitationsgesetz oder Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie gehört und die Formel zur Berechnung einer Flugbahn auswendig gelernt hätte. In diesem Falle müsste er sogar nicht nur die Parabelfunktion mit all ihren zu berücksichtigenden Variablen wie Abwurfgeschwindigkeit, Abwurfwinkel, Gewicht, Gravitation usw. im Kopf haben, wie es „nur“ notwendig wäre, wenn man ihm einen Tennisball zuwerfen würde; sondern im Falle der Frisbeescheibe müsste er zusätzlich noch deren Auftriebskraft unter Berücksichtigung von Luftdichte, Flug- und Drehgeschwindigkeit, Auftriebsbeiwert, Auftriebsfläche, Staudruck sowie den Wind mit Stärke und Richtung  mit in seine Berechnungen einbeziehen, um den Ort vorauszuberechnen, an den er sich zu begeben hat. Obwohl Bello diese Berechnungen nicht anstellen kann, läuft er trotzdem zielgenau dorthin, wo die Scheibe ihm quasi direkt ins Maul fällt oder er nur noch zuzuschnappen braucht. Wie kann das sein?

Die Antwort liefert die Heuristik: Weil Bello und Co. sich nicht des hochkomplexen Mittels zur Berechnung der Flugbahn bedienen, aus der sich der Ort ergeben würde, an den sie sich begeben müssen, um erfolgreich zu sein, sondern stattdessen eines wesentlich simpleren: Sie laufen einfach nur mit ständigem Blick zur Scheibe so, dass ihr Blickwinkel immerfort konstant bleibt. Das ist eine Fähigkeit des Säugetiergehirns, welches ihm evolutiv einen Vorteil brachte, indem es für hochkomplexe Entscheidungssituationen einen verblüffend einfachen Lösungsansatz wählt.

Das klingt natürlich erst einmal nach einem Segen. Aber wie so oft hat das Ganze auch seine Kehrseite, den Fluch. Und der kommt zum Tragen, wenn man Heuristiken dann und dort anwendet, wenn und wo sie gar nicht angebracht sind und die Protagonisten noch nicht einmal unter Zeitdruck handeln, sondern nur nicht willens oder in der Lage sind, sich alle notwendigen Kenntnisse für eine vernünftige Entscheidung anzueignen. Bei der Beurteilung des hündischen Verhaltens haben wir diese Zeit zur Aneignung notwendiger Kenntnisse aber eigentlich. Trotzdem neigen wir immer wieder zur Vereinfachung der Gründe, warum Bello und Co. sich so und nicht anders verhalten.

Für unseren Versuch, das Fehlinterpretieren hündischen Verhaltens durch den Menschen besser zu verstehen und zu erklären, macht aber die Betrachtung des erstgenannten Bereiches der erwähnten Fehlerfamilie noch etwas mehr Sinn, der sich da nennt: Umgang des menschlichen Gehirns mit Komplexität.

Zwei Fragen, die sich daraus im hiesigen Kontext ergeben, lauten: Was ist eine komplexe Situation bzw. wodurch ist sie gekennzeichnet? Und inwiefern trifft dies auf die Situation des hündischen Verhaltens und ihrer menschlichen Interpretation zu?

Auf die erste Frage gibt die Psychologie eine Antwort, indem sie die Merkmale einer komplexen Situation beschreibt:

„(…) Intransparenz, Dynamik, Vernetztheit und Unvollständigkeit oder Falschheit der Kenntnisse über das jeweilige System (…)“ (Dörner 1989, S. 59).

Eine komplexe Situation ist demnach daran zu erkennen, wenn es eine Vielzahl von Einflussfaktoren oder Merkmalen gibt, von denen noch nicht einmal alle bekannt sind, die sich obendrein auch noch verändern können und sich dadurch untereinander beeinflussen. Und noch schlimmer wird es, wenn der Mensch die wenigen Merkmale, die er kennt, obendrein auch noch falsch bewertet. Mit anderen Worten, der Mensch mit seinen begrenzten kognitiven Fähigkeiten, solche Situationen zu durchschauen, ist kaum in der Lage, bei seiner Entscheidungsfindung alle Merkmale zu berücksichtigen, die aber notwendig wären, berücksichtigt zu werden, wenn man eine vernünftige Entscheidung treffen will.

Auf die Situation mit einem hündischen Verhalten bezogen bedeutet dies, dass die Einflussfaktoren, warum ein Hund sich in einer konkreten Situation so und nicht anders verhält, vielseitig und gegenseitig beeinflussbar sind und eine Reihe von Ursachen haben können, von denen nicht alle bekannt sind oder falsch eingeschätzt werden.

Ein schönes Beispiel liefert eine Situation unmittelbar vor dem Gassi-Gehen, die sich auszumalen, sicherlich jeder im Stande sieht: Bello liegt dösend, ruhig und sichtbar entspannt auf seiner Decke, während Frauchen auf der Couch liegend höchst gelangweilt in einer Zeitschrift blättert und ab und zu an ihrer Tasse Tee nippt. Der Kreislauf beider ist heruntergefahren und der Parasympathikus des vegetativen Nervensystems hat alle Systeme auf Entspannungslevel gefahren.

Aber nun kommt Frauchen auf die Idee – wie es in einer nach Beamtendeutsch klingenden Quelle so schön heißt – den Hund zum Versäubern ins Freie zu führen. Dazu steht sie auf, was Bello zumindest zum Heben der Augenlider veranlasst, aber anschließend eine ganze Reihe von kausal verschlüsselten Aktivitäten auslöst, sowie für ihn Frauchens wahre Absicht aus konkreten Handlungsequenzen abzuleiten ist. Dazu zählen zum Beispiel nonverbale Indizien wie ihr Gang in Richtung Flur, das Rascheln ihrer Kleidung, das Klimpern mit dem Schlüsselbund oder der Griff zur Leine. Nahezu unmittelbar werden reflexartige Aktivitäten des Hundes sichtbar wie Gähnen, Hecheln und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein wildes Rotieren der Rute. Simultan beginnt Bello aber auch, auf und ab zu trappeln, und das nicht nur zur Tür hin, sondern auch von ihr wieder weg.

Wenn ich in solchen gestellten Situationen Frauchen oder Herrchen frage, wie sie diese Situation und das hündische Verhalten bewerten, höre ich prompt ebenso mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: „Der Hund freut sich“ oder „er ist aufgeregt und freut sich.“ Wenn ich dann weiter bohre, woran konkret man denn meine, insbesondere die Freude festzumachen? Dann kommt in der Regel wie aus der Pistole: „Na gucken Sie doch mal, wie er hechelt und mit dem Schwanz wedelt!“

Aber ist es das wirklich? Ich behaupte: Mitnichten grundsätzlich. Nur diese kurze Sequenz des hündischen Verhaltens kann nämlich durch eine ganze Reihe unbekannter Einflussfaktoren begründet sein. Und zwar durchaus auch hervorgerufen durch Einflussfaktoren weit weg von Freude und sonstigen angenehmen Gefühlen. Wenn Bello mit der Rute wedelt, ist das ein sicheres Indiz dafür, dass er zumindest psychisch angespannt ist und die weitere Entwicklung der Situation nicht sicher voraussehen kann. Das kann durchaus mit Freude korrelieren, muss es aber nicht. Im Extremfall ist es sogar ein Zeichen von purem Stress, welcher sich dann ergibt, wenn Bello für das Problem keine Lösung hat oder glaubt, die Situation nicht beeinflussen zu können und daraus eine potentielle Gefahr für seine Sicherheit ableitet. Die äußerlich identische Reaktion zeigt der Hund beispielsweise nicht nur aufgrund der Aktivierung seines vegetativen Nervensystems, indem der Sympathikus seinen Körper auf die bevorstehende physische Belastung vorbereitet und ihn mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt; deshalb das Gähnen und Hecheln und Herumlaufen. In diesem Falle also eine zunächst harmlos einzuschätzende Situation. Aber wie sieht es aus, wenn der Auslöser dieser Reaktion ein vor der Tür stehender Besucher ist, den er als Gefahr ausmacht. Dann wäre die Situation nämlich gar nicht mehr so harmlos. Und Herrchen oder Frauchen müssten sich fragen lassen, ob diese Revierverantwortung oder Verantwortung für die Sicherheit des „Rudels“, der er hier offensichtlich gerecht werden will, ihm willentlich und bewusst übertragen wurde, oder ob es das Ergebnis einer unzulänglichen Erziehung ist.

Noch anders sieht es aus, wenn Bello in der Vergangenheit bei seinen „Spaziergängen“ böse Erfahrungen gemacht haben sollte, weil ihm – meistens unbewusst – die Beschützerfunktion übertragen wurde, indem ihm im Rahmen seiner Erziehung diese Aufgabe nicht demonstrativ und konsequent abgenommen wurde. Wenn er also weiß, dass jetzt wieder einmal ein Streifzug durch vermintes Feindesland bevorsteht, welches er aufzuklären und jeden Feind sich und Frauchen vom Leibe zu halten hat. Das bedeutet, die jetzt gleichen wie zuvor beschriebenen und in Vorbereitung des Verlassens der Wohnung gezeigten Reaktionen, die durch das vegetative Nervensystem veranlasst wurden, haben keinen nur harmlosen, sondern einen Stress verursachenden Auslöser. Und dem sollte völlig anders begegnet werden als einem freudigen.

Hätte man in solchen Situationen das Mittel der Cortisol-Messung zum Nachweis des Stressniveaus zur Verfügung, wäre die Klärung der Verhaltensursachen natürlich einfach. Nur, das ist in der Alltagssituation nicht machbar. Es wäre aber möglich nachzuweisen, dass die äußerlich sichtbaren Indikatoren u.U. völlig identisch sind, obwohl sich die eigentlichen Auslöser in ihrem Charakter erheblich unterscheiden. Ein probates und alltagstaugliches Mittel zur Identifizierung der tatsächlichen Auslöser der Indikatoren bzw. Verhaltensmerkmale habe ich bereits im Beitrag unter dem Titel „Der Wandel in der Mensch-Hund-Beziehung“ genannt, indem Herrchen oder Frauchen sich in allen Verhaltenssituationen, die ihnen als auffällig oder störend vorkommen, die beiden in dem Artikel am Ende genannten Fragen beantworten.

Mit anderen Worten: Die Auslöser und Ursachen eines bestimmten Verhaltens des Hundes dürfen nicht nur losgelöst und isoliert in der unmittelbar aktuellen Situation gesucht werden, die vielleicht sogar, oberflächlich betrachtet, eine einleuchtende Rechtfertigung oder Erklärung hergeben, sondern können durchaus auch in solchen Dingen wie den gemachten Erfahrungen des Hundes in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen und den sich daraus für ihn in diesem Moment ergebenden Assoziationen und Erwartungshaltungen liegen, oder in seiner Ausbildung und seinem Erziehungsgrad, bis hin zu seinen sich aus der Rasse ergebenden Veranlagungen und der Zuchthistorie. Und ein weiterer wichtiger Faktor bei der falschen Beurteilung konkreten Verhaltens ist das Fehlinterpretieren einzelner Gesten oder Indikatoren in diesem Kontext, wie Wedeln mit der Rute, insbesondere deren Richtung; Nase und Maul Lecken; Kopfschütteln; dem Blickkontakt ausweichen und Wegdrehen usw.

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29. KANN MAN EINEN “PROBLEMHUND” DURCH AUSLASTUNG VOM STRESS BEFREIEN?

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oder

Die Mär vom Mobbingopfer und seiner wundersamen Heilung!

Immer wieder höre oder lese ich, dass ein „Problemhund“ ein solcher sei, weil er nicht ausgelastet ist und er deshalb beschäftigt werden müsse.

Wenn das so wäre, müsste man ja jedem älteren und gebrechlichen Menschen davon abraten, sich einen Hund anzuschaffen. Und im Umkehrschluss würde es sogar bedeuten, man könne einen verhaltensauffälligen Hund durch Joggen oder Stöckchen-Werfen therapieren.

Aber Entwarnung für alle gehbehinderten Rentner: Das ist Quatsch.

Auch auf dieses Thema  bin ich in meinem Buch eingegangen und habe zwar empfohlen, mit einem Hund, der Stresssymptome zeigt oder sonstige Merkmale einer psychischen Belastung – also verhaltensauffällig ist – erst einmal durch Wald und Flur zu rennen, bevor man ihn versucht zu erziehen. Aber dabei kann das Joggen selbst weder die Therapie sein noch die Beseitigung der Ursachen bewirken, sondern nur das Vorbereiten des therapeutischen Terrains, indem ein psychisch hoch belasteter Hund durch eine physische Auslastung anschließend mental besser „ansprechbar„ erscheint, weil dadurch seine Stresssymptome – zumindest kurzzeitig – reduziert wurden. Die eigentliche Ursachenbeseitigung muss dann aber erst noch erfolgen.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wie kommt jemand auf solch eine Idee, zu behaupten, ein Hund, der sich nicht so verhält, wie Herrchen oder Frauchen es möchten, sei physisch – oder vielleicht sogar psychisch – unterfordert? Denn etwas anderes kann es ja nicht bedeuten, wenn die Behauptung lautet, dass ein Problemhund einer ausreichenden Belastung entbehrt. Und es stellt sich mir in solchen Fällen noch eine ganz andere Frage: Warum fallen solche Behauptungen immer wieder auf fruchtbaren Boden und werden sogar noch geglaubt?

Ich denke, die Antwort findet sich wieder einmal in der Vermenschlichung der Kreatur Hund; oder anders gesagt, im falschen Anwenden laienhaften humanpsychologischen Pseudowissens auf die hündischen Verhaltenskausalitäten.

Warum? Weil viele Menschen bei solchen Behauptungen sicherlich sofort eine Assoziation entwickeln vom gestressten Banker oder von der gemobbten Managerin, die zu ihrer psychischen Entspannung abends nach dem Heimkommen in die Joggingschuhe schlüpfen und eine Stunde durch die City rennen oder wie Wahnsinnige auf einen Sandsack einprügeln; und anschließend entspannt mit einem Gläschen Wein am Kamin sitzend anscheinend alle Probleme hinter sich gelassen oder zumindest verkleinert zu haben. Und befördert wird diese Vorstellung noch dadurch, dass es uns, durch die Evolution mitgegeben und deshalb von jedem sofort nachvollziehbar ist, sozusagen noch in den Genen steckt, uns bewegen zu wollen, wenn wir Stress oder Angst haben. Es wird ja auch kein Mensch sich ruhig in die Ecke setzen wollen, wenn er ein psychisches Problem mit sich herumträgt. Zumindest rennt er einem unruhigen Tiger gleich grübelnd hin und her.

Aber Vorsicht vor falschen Schlüssen: Jede Psychologiestudentin im ersten Semester wird allen, die an einen solchen falschen Therapieansatz glauben, mit wenigen Worten glaubhaft machen können, dass eine physische Belastung im Falle von Stress zwar Linderung verspricht, aber nichts anderes ist, als das Lindern der Symptome. Denn an den Ursachen der psychischen Belastung oder des Stresses ändert das Joggen gar nichts.

Ansonsten könnte man ja metaphorisch behaupten: Wenn dich jemand mobbt und du deshalb Stresssymptome oder Verhaltensauffälligkeiten zeigst, renne abends einen Marathon durch den Wald; und du wirst sehen, der Bösewicht hört auf zu mobben.

Ich kann mir auch vorstellen, dass die irrige Annahme, ein Hund könne durch seine physische Auslastung therapiert, also von den Ursachen seiner Verhaltensauffälligkeiten befreit werden, auch dadurch befördert wird oder wurde, dass aufmerksame Fernsehkonsumenten einen Cesar Millan mit seiner Hundemeute durch die Gegend rennen sehen; und anschließend die zuvor gewesenen Bestien nach der Heimkehr zahm wie die Lämmer in einem friedlichen Rudel beieinander kuscheln. Aber auch hier sei Vorsicht vor falschen Schlüssen geboten: Nun bin ich zwar kein großer Kenner seiner Fernsehsendungen, weil ich eine gewisse Skepsis zu solchen Fernsehbeiträgen und ihren wahren Absichten pflege und man deshalb von einem Cesar Millan halten mag, was man möchte, aber ich glaube nicht, dass er jemals behauptet hätte, dadurch seine Bestien gezähmt zu haben. Er spricht – glaube ich jedenfalls, irgendwo von ihm einmal gelesen zu haben – stattdessen von einer imaginären Energie, die die gestressten Hunde angestaut hätten und von der er sie durch das Auslasten befreien wolle. Nun sei einmal dahingestellt, dass es so eine imaginäre Energie nicht geben kann, weil ansonsten Albert Einstein sich im Grabe herumdrehen oder Stephen Hawking ihn für diese Entdeckung für einen Nobelpreis vorschlagen würde. Er meint damit sicherlich nichts anderes, als den bereits erwähnten Bewegungsdrang eines gestressten Säugetiers.

Den Grund dafür, dass ein Hund vermeintlich verhaltensauffällig wurde oder dass er als Problemhund gilt, kann durch seine Auslastung oder physische Belastung mitnichten beseitigt werden. Allenfalls kann man dadurch kurzfristig und kurzzeitig seine Stresssymptome lindern und die Anzeichen durch seine physische Auslastung oder Erschöpfung überlagern. Früher oder später tauchen sie aber wieder auf.

Wenn man stattdessen den wahren Grund des hündischen Problemverhaltens suchen und dann beseitigen will, wird man ganz woanders fündig und muss ganz woanders aktiv werden. Und das ist sicherlich auch bei einem Cesar Millan nicht anders. Auch er hat offensichtlich erkannt – vorausgesetzt man kann dem Glauben schenken, was in seinen Fernsehsendungen gezeigt wird – dass die Lösung der Probleme seiner „Bestien“, nicht in ihrer physischen Auslastung zu finden ist, sondern in der durch ihn initiierten Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse. Und zu nichts anderem sind auch seine regelmäßigen hündischen „Sportausflüge“ geeignet; nämlich der Unterstützung seines eigentlichen Erziehungsansatzes, indem er die Hunde veranlasst, sich in der Struktur eines Rudels seiner Führerschaft unterzuordnen und seinen Anweisungen zu folgen. Allerdings ist dies gepaart mit einer alles entscheidenden Maßgabe: Er und kein anderer dieses Rudels trägt die Verantwortung für die Befriedigung der Grundbedürfnisse aller Tiere und stellt diese sicher. Und dabei steht das Bedürfnis nach Sicherheit an vorderster Stelle. Keiner seiner Hunde muss sich um seine eigene Sicherheit oder die des Rudels kümmern bzw. darf dies auch gar nicht.

Und schon gar nicht sollte eine gute Führungspersönlichkeit, die der Mensch für den Hund nun einmal zwingend sein muss, wenn er ihn von einem Problemverhalten befreien will, zulassen, dass der Hund eine Verantwortung für irgendeine Ressource, wie beispielsweise das Revier, übernimmt. Jegliches Markieren, welches ein untrügliches Indiz für eine solche Absicht wäre, muss durch ihn sofort unterbunden werden. Für die Sicherheit der Hunde und des Rudels sorgt sie, die Leitfigur Mensch, an der sich alle Hunde zuverlässig orientieren können.

Und nur deshalb, weil der Mensch dem Hund sein Bedürfnis nach Sicherheit gewährleistet und dieser sich nicht selbst darum zu kümmern hat, ordnet er sich dem Menschen willentlich und bedingungslos unter und zeigt ein völlig entspanntes Verhalten. Ein Hund, dessen Grundbedürfnis nach Sicherheit sich für ihn als befriedigt darstellt, wird – außer in pathologisch begründeten Fällen – keine Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Und ein solcher Hund wird auch stundenlang völlig entspannt, ohne ein Problemverhalten oder Stresssymptom zu entwickeln, still in der Ecke liegen. Er wird es seinem Herrchen oder Frauchen dann zwar auch nicht übel nehmen, wenn sie mit ihm auf die Wiese gehen und Stöckchen werfen spielen, weil er zu gerne mit ihnen gemeinsam Spaß hat; aber beim Ausbleiben solch einer physischen Belastung beleidigt oder bockig zu sein, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

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28. DEPRIVATION

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oder

eine der Ausnahmen von der Regel

Eine auch mir immer wieder gestellte Frage ist die nach der richtigen “Quelle” für den Erwerb eines Hundes. Ich glaube, dass kaum eine Frage die Gemüter derart zerreißt und in unterschiedliche Lager spaltet wie die, ob man einen Hund beim Züchter, im Tierheim oder vielleicht sogar auf einem osteuropäischen Trödelmarkt erwerben sollte, um diesen armen Kreaturen noch ein würdiges Leben zu ermöglichen. Jüngst begegnete mir eine Kundin, die mir mit einem schier unübersehbar zur Schau gestellten Altruismus und nach Anerkennung buhlenden Stolz erklärte, dass sie – mit Blick auf das sich hinter ihr zitternd verkriechende Häufchen Unglück – ihren Liebling aus einer Tierversuchsanstalt (ihre Worte) in Süditalien durch Kauf „befreit“ habe.

Da es auf die oben gestellte Frage kaum eine „richtige“ Antwort gibt – denn jedes Lager hat vermeintlich unschlagbare Argumente, die zwischen sachlich begründeter Vernunft und tierliebender und die Kreatur achtender Moral tendieren – will ich hier auch gar kein Diskussionsforum aufmachen, sondern aus dem vielschichtigen Komplex dieses Themas ein einzelnes Problem herausgreifen, welches man bedenken sollte, wenn man einen Hund nicht bei einem zugelassenen und kontrollierten Züchter seines Vertrauens erwirbt.

Ich bin in meinem Buch „Problemhunde und ihre Therapie“ unter anderem auch auf die sensiblen Phasen der hündischen Entwicklung eingegangen, die wie kurze Zeitfenster verstanden werden sollten, in denen wichtige psychische Entwicklungen stattfinden und das Anlegen wichtiger und überlebensnotwendiger Verhaltensmuster geschieht; oder eben auch nicht, wenn diese Entwicklungsfenster nicht „genutzt“ werden. Die negativen Folgen für letzteres sind schwerwiegend. Und das sollte jeder bedenken, der einen Hund erwirbt oder erwerben möchte, dessen Vorgeschichte er nicht wirklich kennt. Sollte er trotzdem mit dem Gedanken spielen, einer solchen Kreatur eine Chance zu geben, sollte er – auch im Interesse des Tieres – sehr kritisch die Rahmenbedingungen hinterfragen, die er diesem Tier überhaupt bieten kann. Denn die gemeinsame Lebensgestaltung mit einem solchen Hund kann durchaus mit einem „Fulltime-Job“ verglichen werden, oder im negativsten Falle sogar eine Gefahr darstellen, insbesondere gegenüber Kindern.

Ich behaupte zwar, dass beinahe alle Verhaltensauffälligkeiten bei einem Hund durch eine einzige Trainingseinheit beseitigt werden können, wenn Herrchen oder Frauchen anschließend eine gute Compliance – also Therapietreue – an den Tag legen. Diese Behauptung begründe ich damit, dass nahezu alle Verhaltensauffälligkeiten in Wirklichkeit gar keine echten, sondern nur vermeintliche sind. Denn diese vermeintlichen Verhaltensauffälligkeiten, die mir in meiner Praxis als Hundetrainer bisher überwiegend begegnet sind, sind in Wirklichkeit nichts anderes, als das unbewusste Fehlverhalten der Hundebesitzer(innen) dem Hund gegenüber, was meistens durch das Fehlinterpretieren des hündischen Verhaltens oder seiner Bedürfnisse durch Herrchen oder Frauchen begründet ist. Woraus resultiert, dass im Grunde genommen und stark vereinfacht nur die Ursache – also das menschliche Fehlverhalten – beseitigt werden muss. Und das ist in der Regel innerhalb einer einzigen Trainingseinheit machbar bzw. erklärbar. Trotzdem bleibt natürlich das Wörtchen „beinahe“; was bedeutet, dass es Ausnahmen gibt, die eben nicht in einer einzigen Trainingseinheit therapiebar sind. Diese sind zwar selten, aber immerhin, es gibt sie. Und zu diesen Ausnahmen zählen pathologische Ursachen hündischer Verhaltensauffälligkeiten.

Eine dieser pathologischen Ursachen ist die als Deprivation bezeichnete Störung. Der Begriff der Deprivation wird nicht nur in der Psychologie sondern auch in der Soziologie verwendet und beschreibt sowohl den Zustand als auch die Folgen eines Verlustes oder Mangels. In unserem Kontext ist damit gemeint, dass der Hund aufgrund fehlender oder mangelnder Stimuli in den entscheidenden und sensiblen Phasen seiner Persönlichkeitsentwicklung später unter den daraus folgenden Mangelerscheinungen leidet. Wenn ein Welpe beispielsweise in seiner prägenden Phase, in der er seine soziale Kompetenz entwickeln muss, keinerlei Kontakt zu anderen Mitgliedern seiner Spezies oder zu anderen sozialen Wesen hat, wird es diesbezüglich zu Defiziten in seinen Fähigkeiten kommen, die später entweder nur sehr mühsam oder sogar gar nicht mehr kompensiert werden können.

Will meinen, wenn ein Hund beispielsweise durch Isolation in den entscheidenden Prägephasen keinen für seine Entwicklung zwingend notwendigen Reizen ausgesetzt ist, wird er im späteren Leben mit solchen Reizen ungeschützt und unvorbereitet konfrontiert sein und u.U. ein irrationales Verhalten an den Tag legen. Als scheinbar harmloses Beispiel nenne ich immer gerne das zu frühe Trennen der Welpen von der Mutter und seinen Geschwistern. Und im Falle der völligen Isolation mit einem nahezu vollständigen Entzug von sozialen als auch Umweltreizen, bildet sich eine nicht mehr kompensierbare Deprivation heraus. Dann ist eine Erziehung des Hundes im Sinne seiner intraspezifischen, intersprezifischen oder umweltspezifischen Sozialisation so gut wie unmöglich.

Die überwiegende Mehrheit meiner bisherigen durch mich behandelten „Problemhunde“ konnten dadurch therapiert werden, dass entweder ihnen ihr verlorengegangenes Sicherheitsgefühl zurückgegeben wurde oder sie von der Verantwortung für ihre Sicherheit bzw. die ihres „Rudels“ oder für die Sicherheit einer ihnen übertragenen Ressource entbunden wurden. Dies ist aber nur möglich, wenn der Hund im Rahmen seiner Prägephasen schon einmal gelernt hat oder überhaupt mit der Möglichkeit konfrontiert wurde, dass auch irgendjemand anderes außer er selbst für seine Sicherheit sorgen kann. Ist ihm dieser Aha-Effekt verwehrt geblieben, wird er natürlich sehr widerwillig sein Schicksal in die Hände eines anderen Wesens legen wollen. Und dann ist viel Zeit und Geduld gefragt, dem Tier immer und immer wieder zu demonstrieren, dass die Anwesenheit von Frauchen oder Herrchen für ihn nur eines bedeutet: Die Sicherstellung seines Grundbedürfnisses nach Sicherheit. Und das mit dem Ziel, sein Vertrauen zu gewinnen.

Eine solche Situation ist durchaus damit vergleichbar, eine nicht vorhandene Veranlagung entwickeln zu wollen. Ist eine Veranlagung da, ist ihre Ausprägung „nur“ davon abhängig, ob sie gefördert oder gehemmt wird. Ist sie aber gar nicht vorhanden, kommt ihre Ausprägung einer Unmöglichkeit gleich. Ich will damit auch darauf hinweisen, dass trotz eines scheinbaren Erfolges in der Therapie solcher Hunde, immer ein Restrisiko des irrationalen Verhaltens einkalkuliert werden sollte. Insbesondere sollten diese Hunde niemals allein mit Kindern gelassen werden.

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27. DER WANDEL IN DER MENSCH-HUND-BEZIEHUNG

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oder

Eine weitere Quelle von Missverständnissen

Dass das Missverstehen oder falsche Interpretieren des hündischen Verhaltens durch den Menschen letztendlich dazu führt, dass der Hund sich vermeintlich auffällig verhält bzw. der eigentliche Grund für das aus Sicht des Menschen hündische Fehlverhalten ist, habe ich in meinem Buch bereits ausführlich beschrieben. Ich habe dabei versucht, die Spirale des Missverstehens zwischen Hund und Mensch und die sich daraus ergebenden Verhaltensweisen des Hundes zu beschreiben: Wenn nämlich der Mensch das Verhalten des Hundes falsch deutet (Stichwort Vermenschlichung), führt dies in der Regel zu einem falschen Verhalten oder Reagieren des Menschen dem Hund gegenüber, indem er ihm nicht nur falsche und aus hündischer Sicht missverständliche Signale sendet, sondern sogar solche Anweisungen erteilt. Auf diese reagiert der Hund dann zwar adäquat und objektiv logisch, was der Mensch aber aufgrund seines Missverstehens als solches nicht nur nicht erkennt, sondern sogar als Fehlverhalten oder Verhaltensauffälligkeit erneut missinterpretiert.

Insofern ist das Verhalten des Hundes, welches der Mensch als auffälliges oder Fehlverhalten bewertet, in Wirklichkeit gar kein solches und wird von mir deshalb auch immer nur als vermeintlichesFehlverhalten bezeichnet. Denn eine echte Verhaltensauffälligkeit liegt in der Regel nur vor, wenn es dafür pathologische oder medizinisch-klinische Ursachen gibt, die aber verhältnismäßig selten sind.

Wenn  beispielsweise ein Hund aggressiv ist – hier meine ich ein aggressives Verhalten, welches über das gewöhnliche und situationsbedingte normale agonistische Verhalten hinausgeht – finde ich die Ursache in der Regel immer im falschen Verhalten des Menschen dem Hund gegenüber, was dem Menschen in diesem Falle aber nicht bewusst ist. Insofern findet sich auch der Therapieansatz meistens in der Unterbrechung dieser Spirale des Missverstehens, indem der Mensch sein falsches Verhalten korrigiert. Die ultimative Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er das hündische Verhalten überhaupt erst einmal korrekt interpretiert und seinen Hund vor allem nicht mehr durch die menschliche Verhaltensbrille und dadurch artfremd betrachtet, sondern ihn als Hund mit seinem ihm arteigenen Verhaltensrepertoire wahrnimmt, welches sich sowohl aus seinen Bedürfnissen als auch aus seinen Veranlagungen ergibt. Das klingt recht einfach, ist es aber gar nicht. Denn wir Menschen neigen oftmals dazu, den Hund in der Rolle eines kleinen Kindes wahrzunehmen und all sein Verhalten instinktiv auch mit diesem Maßstab zu interpretieren.

Ich will in diesem Beitrag eine weitere Ursache für das Missverständnis zwischen Mensch und Hund benennen, was dann in der Regel zum falschen Verhalten des Menschen führt:

Der Wandel in der Beziehung zwischen Hund und Mensch oder die neue Rolle des Hundes im Zusammenleben mit dem Menschen.

Ich unterscheide gerne zwei Therapie- oder Trainingsansätze bei Hunden mit so genannten Verhaltensauffälligkeiten, die aber in der Regel immer gemeinsam, möglichst simultan bzw. zueinander sehr zeitnahe angewendet werden sollten:

  1. Die sofortige und unmittelbare Korrektur des konkreten unerwünschten Verhaltens des Hundes durch Sanktionen mit dem Ziel, diesbezüglich das dem Hund angeborene Meideverhalten zu aktivieren. Der Vorteil dieser Methode findet sich in dem schnell zu erreichenden Erfolg. Allerdings hängt dieser und insbesondere seine Nachhaltigkeit wesentlich davon ab, ob der Hund sowohl den kausalen Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Korrektur erkennt als auch die Sinnhaftigkeit. Letztere erkennt er aber nur, wenn ihm der Grund für sein Verhalten genommen wird. Und das ist der zweite Therapieansatz aber alles entscheidende:
  2. Die Beseitigung des Grundes bzw. des Motivs für das „Fehlverhalten“ des Hundes.

Und gerade im Letzteren liegt der Schlüssel zum Erfolg. Viele Erziehungserfolge bleiben gerade deshalb aus, weil zwar der Hund in seinem Verhalten richtigerweise und sofort korrigiert wird, der Grund für sein Verhalten aber nicht beseitigt wird und damit für ihn weiterhin existent bleibt. In Folge dessen kommt der Hund in einen Konflikt, weil er aus seiner Perspektive für ein Verhalten “bestraft” wurde, welches völlig korrekt ist, oder für das er sogar eine anerkennende Geste erwartet hätte.

Genau an dieser Stelle muss Frauchen oder Herrchen sich bewusst machen, dass es offensichtlich einen Grund für das hündische Handeln geben muss, weil er sich ansonsten nicht so verhalten hätte wie er sich verhalten hat. So lapidar es auch klingen mag, aber um dem Hund den Grund für sein Verhalten zu nehmen, muss der Mensch diesen erst einmal selbst tatsächlich erkennen. Und das ist offensichtlich nicht selbstverständlich.

In der Regel liegen dieser und das Motiv in den Grundbedürfnissen des Hundes begründet. Und dabei wiederum vorwiegend im Bedürfnis nach Sicherheit. Hierzu habe ich mich in anderen Beiträgen bereits ausführlich geäußert, indem ich die Bedeutung des Grundbedürfnisses nach Sicherheit im engeren wie im weiteren Sinne und sein Einfluss auf das hündische Verhalten beschrieben habe.

Aber ähnlich bedeutungsvoll wie seine Grundbedürfnisse sind die konkreten Veranlagungen, die dem Hund sozusagen durch die Züchtung seiner Rasse mit in die Wiege gelegt wurden.

Denn daraus kann man relativ gut die so genannten Sekundärbedürfnisse ableiten, zu denen ich gerne das Streben des Hundes nach Erfüllung seiner ihm ursprünglich zugedachten Rolle im Zusammenleben mit dem Menschen zähle.

Ich empfehle deshalb jedem Frauchen oder Herrchen, wenn sie das Verhalten ihres Hundes zumindest irritiert, oder sogar schon, wenn sie sich einen Hund anschaffen wollen, einmal einen Blick in die Historie seiner Rasse zu werfen und beides, die eigenen Interessen und die möglicherweise genetisch veranlagten “Interessen” des Hundes, wie eine Blaupause übereinander zu legen und sich zu fragen, ob beides denn überhaupt zusammenpasst? Dies wird so manch einem die Augen öffnen und zumindest helfen, das konkrete Verhalten des Hundes besser deuten und verstehen zu können. Wenn ich beispielsweise einem Staffordshire Bullterrier in die Historie schaue, weiß ich, dass er eigentlich zum Töten von Ratten gezüchtet wurde. Aber was viele wohl kaum vermuten, ist sein angedachter “Job” zum Bewachen der Kinder, wenn die Eltern im Bergbau schufteten. Ein Rottweiler wiederum ist ein gezüchteter Beschützer und Treiber. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt er offiziell als Polizeihund. Zugespitzt könnte man bei ihm von einer Art „Waffe“ sprechen. Und eine solche „Waffe“ ist eben in den richtigen Händen ungefährlich, in anderen aber auch nicht. Oder wenn wir an den Irish Red Setter denken, dann müssen wir von seiner „Vorliebe“ zum Apportieren ausgehen. Und ein Irish Terrier ist der geborene Wachhund; und ein Schipperke ist ein Treiber, Hüter und Jäger usw. usw.

Was ich damit sagen will, ist die bei der Erziehung des Hundes zwingend zu beachtende Tatsache, dass jede Hunderasse in der Regel – mit einigen Ausnahmen – ursprünglich im Zusammenleben mit dem Menschen irgendeine ganz spezielle Aufgabe zu erfüllen hatte und ausschließlich zu diesem Zwecke gezüchtet wurde. Und das Streben nach Erfüllung dieser Aufgaben liegt ihnen sozusagen in den Genen. Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass man diesen Hunden nichts Besseres antun könnte, als ihnen genau diese Aufgabe zu übertragen, die sie dann auch mit Enthusiasmus und einem schier unvorstellbaren Eifer erfüllen würden. Wie anders wäre es ansonsten zu erklären, dass ein Siberian Husky wie einer, der sich im Rausch befindet, stundenlang einen über achtmal so schweren Schlitten wie er selbst wiegt durch die Schneewüste Sibiriens oder Alaskas zu zerren.

Wenn ich mir aber den Alltag vieler meiner „Patienten“ anschaue, herrscht hier eher eine unverkennbare Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Kaum jemand meiner Kund(inn)en hat ihrem Hund bewusst eine adäquate Aufgabe übertragen und deren Erfüllung abverlangt, die seiner Zuchthistorie entspricht. Im Gegenteil, wenn ich frage, zu welchem Zweck denn ihre Wahl genau auf diesen und auf keinen anderen Hund gefallen sei, kommt es eher einem reinen Zufall gleich, wenn beides einmal stimmig sein sollte: Die tatsächliche Rolle und die dem Hund eigentlich durch seine Genetik zugedachte. Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit aller heute angeschafften Hunde in erster Linie als Begleithunde, teilweise sogar als sozialer Ersatz gedacht sind; also weit weg von ihrer ihnen im Rahmen der Züchtung eigentlich zugedachten Aufgabe.

Wenn jemand sich einen American Pitbull Terrier oder Bullterrier anschafft, sollte er wissen, zu welchem Zweck diese Hunde schon vor 250 Jahren in England und Amerika gezüchtet wurden und worin demzufolge ihre Veranlagungen bestehen. Wenn ich also weiß, dass mein Hund mit Vorliebe dazu neigt, mich verteidigen zu wollen, darf es mich nicht wundern, wenn er dies auch tut, wenn ich ihn nicht im Rahmen einer strikten Erziehung bewusst von dieser Aufgabe entbunden habe. Oder wenn ich weiß, dass mein Staffordshire Bullterrier bereits ein Verteidigungsstreben der in der Familie lebenden kleinen Kinder in seinen Genen hat, muss ich ihm im Rahmen einer konsequenten Erziehung klar machen, dass dies nicht mehr zu seinen Aufgaben gehört, da ich als Mutter oder Vater diese Aufgabe statt seiner übernehme. Und dies muss ich ihm bewusst und eindeutig vorleben. Wenn ich dies nicht tue, käme es einem Wunder gleich, wenn er neben dem Kinderwagen herlaufend jeden x-beliebigen Fremden ungestraft in den Kinderwagen hineinschauen, geschweige denn das Baby anfassen lassen würde.

Wenn also ein Hund eine vermeintliche Verhaltensauffälligkeit zeigt, sollte man sich immer zwei Fragen beantworten:

  1. Könnte es sein, dass das hündische „Fehlverhalten“ in Wirklichkeit sein Streben nach Befriedigung eines seiner Grundbedürfnisse ist und ich als Frauchen oder Herrchen ihn dazu durch mein falsches Verhalten animiert habe bzw. ich nicht statt seiner dieser Aufgabe nachkomme oder
  2. könnte es sein, dass dieses „Fehlverhalten“ in den ihm in den Genen liegenden Anlagen begründet ist und insofern tatsächlich begründet ist in meinem falschen Verhalten, indem ich ihn von diesen archaischen Aufgaben nicht entbunden habe?
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26. NEUGIERDE UND FREIHEIT

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oder

Zwei zwar lieb gemeinte, aber trotzdem irreführende Begriffe, wenn damit das Verhalten von verhaltensauffälligen Hunden beschrieben wird.

Ein weiterer Grund, warum ein Training bzw. eine Erziehung von vermeintlich verhaltensauffälligen Hunden nicht nur scheitern kann, sondern sehr wahrscheinlich sogar scheitern muss oder nicht zum Erfolg führt, findet sich schon in der falschen Interpretation bestimmter hündischer Verhaltensweisen. Wenn aber schon das Verhalten falsch interpretiert wird, besteht natürlich auch die Gefahr, damit zugleich auch einen falschen Grund für dieses Verhalten zu unterstellen. Und dann ist auch die Erfolgsaussicht eines darauf basierenden Trainings schon vom Ansatz her fraglich. Da ein Erziehungs-Training in der Regel das Ziel verfolgen sollte, nicht nur das falsche Verhalten des Hundes zu korrigieren, sondern zeitgleich auch den Grund für sein falsches Verhalten zu beseitigen, muss dieses zwangsläufig fehlschlagen, wenn es den vermuteten Grund entweder gar nicht gibt, oder dieser ein völlig anderer ist als der, den man glaubt beseitigen zu müssen.

Insofern ist die Erfolgsaussicht eines Trainings wesentlich davon abhängig, ob das Verhalten, welches der Hund an den Tag legt und welches als störend empfunden wird, auch korrekt interpretiert wurde. Und hier liegt nach meinen Erfahrungen eine Gefahr in der Vermenschlichung bestimmter tierischer Verhaltensweisen; also ihre Interpretation durch die „Brille“ des menschlichen Maßstabes. Verhaltensweisen des Menschen, womit sein Verhalten und die dafür verantwortlichen Gründe relativ zuverlässig identifiziert werden können, müssen auf das hündische Verhalten nämlich noch lange nicht zutreffen, nur weil der Hund sich durch die “Brille” des Menschen betrachtet ähnlich verhält.

So gibt es zwei typische oder exemplarische Vokabularien, mit denen Verhaltensweisen von Hunden nicht selten falsch interpretiert werden: Neugierde und Freiheit. Zwei Begrifflichkeiten, mit denen nicht nur das Verhalten von Hunden falsch beschrieben wird, sondern auch der Therapieansatz, der dann auf dieser falschen Annahme basiert, ad absurdum geführt wird.

Am Beispiel der Neugierde bedeutet dies, dass das, was der Laie hin und wieder im Verhalten eines Hundes mit der Begrifflichkeit Neugierde beschreibt – und die er dann gewöhnlich auch mit einem positiven Sinn belegt – oftmals alles andere ist als das, was er damit meint, sinngemäß zu beschreiben. Und schon gar nicht ist diese vermeintliche Neugierde mit so harmlosen und tugendhaften Merkmalen behaftet, wenn man die Gründe des konkreten Verhaltens, welches als Neugierde charakterisiert wird, bedenkt. Ein Hund ist zwar unbestreitbar neugierig, aber das konkrete Verhalten, welches mit Neugierde begründet wird, hat oftmals eine gar nicht so harmlose Ursache, wie man meint und sie der Neugierde beim Menschen für gewöhnlich zuschreibt.

Und ähnlich sieht es aus mit der zweiten Vokabel. Angeblich sei es ein Grundbedürfnis des Hundes nach Freiheit – höre ich jedenfalls oftmals – wenn der Hund losgeleint durch die Gegend tobt und einer Kehrmaschine gleich den Boden nach Informationen inhaliert. Da der Mensch das Streben nach Freiheit, oder frei zu sein, mit positiven Assoziationen belegt, glaubt er auch, dass dieses wilde Herumschnüffeln, was Ausdruck von „Freiheit“ oder dessen Ausleben sei, dann auch für den Hund eine positive Angelegenheit sein muss. Doch im Gegenteil: Ich habe sogar den Mut zu behaupten, dass der Hund, wenn man ihn fragen oder vor die Wahl stellen könnte, keinerlei Interesse an einer solchen „Freiheit“ hätte. Denn diese Art von „Freiheit“ kann für ihn sogar puren Stress bedeuten, zumindest aber eine psychische Belastung, denn sie ist ein relativ sicheres Indiz dafür, gleichwohl wie die vermeintliche Neugierde, dass dem Hund eine Verantwortung übertragen wurde. Eine Verantwortung entweder für seine Sicherheit und die seines „Rudels“ oder für irgendeine Ressource. Das wilde Herumschnüffeln oder seine vermeintliche „Neugierde“ ist nämlich nichts anderes als die ihm aufgezwungene und abverlangte Wahrnehmung seiner Verantwortung zur Aufklärung möglicher Gefahren für Leib und Leben oder für eine ihm zugestandene Ressource. Im besten Falle können wir in solchen Situationen von einer ihm übertragenen Aufgabe sprechen, der er auch gerne nachkommt, so sie seinen Veranlagungen entspricht, sich also mit der Zielstellung seiner Zuchthistorie deckt, und er auch physisch und psychisch alle Voraussetzungen mitbringt, dieser ihm übertragenen Aufgaben gerecht zu werden und Herrchen oder Frauchen seine Aufklärungsarbeit auch würdigt. Letzteres werde ich im nächsten Beitrag beschreiben. Im nicht so positiven Falle wäre es aber zumindest eine psychische Belastung des Hundes. Und im schlechtesten müssen wir sogar von purem Stress ausgehen, dem der Hund ausgesetzt ist, wenn sich die Situation für ihn nämlich als nicht berechenbar oder beherrschbar darstellt.

Da der Ursprung der lexikalischen Semantik beider Begriffe im Kontext der menschlichen Zivilisation zu finden ist, liegt die Gefahr nämlich sehr nahe, das menschliche Bedürfnis nach Freiheit mit all seinen positiven Assoziationen, ebenso wie seine Neugierde, die in der Regel auch mit einem positiven Sinn belegt ist, auch dem Hund nicht nur anzudichten, sondern ihm auch die damit verbundenen Bedürfnisse nachzusagen.

Um aber Missverständnisse zu vermeiden, will ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass solche Verhaltensweisen, welche als Neugierde oder Freiheitswille beschrieben werden, nicht zwangsläufig etwas Schlimmes und unbedingt zu unterbinden sei. Solange das hündische Verhalten nicht als störend oder auffällig angesehen wird und mit Aggressionen in Verbindung steht, soll jeder seinen Hund weitestgehend machen lassen, was er für gut befindet, solange kein anderer mit diesem Verhalten in seinem Recht auf Ungestörtheit belästigt wird. Ich will mit diesem Beitrag nur darauf hinweisen, dass, wenn ein Hund, der verhaltensauffällig ist, solche Verhaltensweisen wie „Neugierde“ oder „Freiheitsstreben“ zeigt, darin relativ zuverlässig der Therapieansatz zu erkennen wäre. Nämlich das notwendige Entbinden des Hundes von der Verantwortung, die ihn zu diesem Verhalten veranlasst.

Man könnte auch sagen, es gebe eine gute und eine schlechte Neugierde. Die gute ist die dem Hund angeborene, die ihn nach Erkenntnis der Welt streben lässt. Sie wird hervorgerufen durch vier Umstände: Die Neuartigkeit, die Komplexität, die Ungewissheit oder die Konfliktbehaftung einer Situation. Sie ist insofern eine positive Fähigkeit des Hundes, die ihn in die Lage versetzt, sich an ungünstige Umweltbedingungen anzupassen und zu überleben. Wenn wir an das Welpenalter des Hundes denken, wird sofort klar, dass es für den kleinen Neuankömmling geradezu überlebensnotwendig ist, neugierig zu sein, um möglichst schnell alle Gefahren zu erkennen und die Fähigkeiten und Fertigkeiten zu deren adäquater Begegnung zu erlernen.

Aber einem entspannten Leben, verbunden mit einer seelischen und psychischen Ausgeglichenheit, steht die vermeintliche Neugierde, die ihre Ursache in einer übertragenen Verantwortung hat, antagonistisch entgegen. Sollte ein Hund beispielsweise aggressiv oder sonst wie extrem verhaltensauffällig sein, sollte man sein Verhalten sehr sensibel auf solche Indizien hin beobachten und versuchen, die Ursachen zu beseitigen. Es muss also bei einem aggressiven Hund nicht seine Neugierde oder sein vermeintliches Streben nach Freiheit beseitigt werden – was auch eine sehr aberwitzige Idee wäre – sondern der Grund, warum er ein solches Verhalten zeigt.

Im Umkehrschluss heißt das, dass ein zuvor aggressiver und verhaltensauffälliger Hund nach seiner Therapie, im Rahmen derer einerseits sein gezeigtes auffälliges Verhalten korrigiert und andererseits er von jeglicher Verantwortung entbunden wurde, ein entspannter und gegenüber seiner Umwelt regelrecht desinteressierter Hund ist. Denn wenn ein Hund weder für seine eigene Sicherheit und die des „Rudels“, also alle Familienmitglieder, noch für irgendeine Ressource die Verantwortung übertragen bekommen hat, warum sollte er dann noch ein Interesse an der Aufklärung möglicher Feinde oder Rivalen haben? Er weiß dann, dass Herrchen oder Frauchen alles im Griff haben und er sich nur um seinen Spaß mit ihnen im Hier und Jetzt zu kümmern hat.

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25. DIE FRAGLICHE NOTWENDIGKEIT EINES ANTIJAGDTRAININGS

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oder

Das Märchen vom tapferen Schneiderlein

Neulich fragte mich eine Kundin mehr suggestiv als wissbegierig, ob ich auch ein Antijagdtraining anbiete. Suggestiv war ihre Frage deshalb, weil sie sie nicht als offene oder geschlossene Frage formulierte, sondern meine zu erwartende Antwort schon mit in ihre Frage hineinformulierte:

„Sie bieten doch sicherlich auch ein Antijagdtraining an, oder? Mein Rabauke jagt nämlich alles, was in sein Beuteschema passt und ist dann nicht mehr abrufbar. Und das nervt mich ungemein.“

Meine Antwort war zugegeben etwas süffisant, wofür ich mich auch sofort entschuldigte. Aber ich wollte ihrer Aufmerksamkeit einen kleinen Stupser verpassen, um meine Antwort und insbesondere deren Botschaft auch auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen. Diesen Trick hat mir ein Kommunikationswissenschaftler verraten, wenn man befürchten muss, dass der Gesprächspartner die Antwort meint schon zu kennen und deshalb nur noch halb oder gar nicht mehr hinhört und eine in der Antwort eventuell enthaltene wichtige Botschaft dadurch gar nicht wahrnimmt.

Ich antwortete ihr nämlich mit einer Gegenfrage:

„Wenn Sie ein Fluglehrer wären und wollten Werbung für ihre Flugschule machen, würden Sie dann auch mit dem Slogan werben: Ich biete allen Fluginteressierten und künftigen Piloten eine Ausbildung zur Beherrschung der Landeklappen an?“

Woraufhin sie mich sichtlich veräppelt gefühlt fragte, was denn beides miteinander zu tun habe.

„Nun ja, eine separate Ausbildung zur Beherrschung der Landeklappen ist für einen künftigen Piloten genauso überflüssig wie ein Antijagdtraining bei einem Hund. Beides sind nämlich selbstverständliche Nebeneffekte der eigentlichen Ausbildung des Piloten bzw. Erziehung des Hundes.“

Wenn ich als Hundetrainer ihr als meine Kundin ein separates Antijagdtraining anbieten und mir bezahlen lassen würde, wäre es vergleichbar mit dem Verkaufen einer Flugausbildung in all ihren Einzelteilen. Es wäre für mich zwar ein lukratives Geschäft, aus der Perspektive der Kundin aber nicht.

Durch diesen Aufmerksamkeitscheck war der Cortex der Kundin für Botschaften sichtlich empfänglich genug und ich konnte ihr erklären, dass wir ihren Hund doch stattdessen nur zu erziehen bräuchten. Denn ihr Hund sei offensichtlich nicht sozialisiert, zumindest nicht interspezifisch. Dann wäre ein Antijagdtraining völlig überflüssig, weil dessen Effekt als schönes Nebenprodukt mit abfallen würde. Und dann würden wir nämlich auch, wie das tapfere Schneiderlein in Grimms Märchen sieben auf einen Streich, alle anderen Verhaltensauffälligkeiten noch gleich mit beseitigen. Denn meine Vermutung, dass es noch andere geben muss, resultierte aus der offensichtlich noch nicht erfolgreich abgeschlossenen interspezifischen Sozialisation – sprich Erziehung ihres Lieblings. Auch der finanzielle Reiz für sie bestünde darin, nicht für jedes Einzeltraining zur Beseitigung aller möglichen Auffälligkeiten einzeln bezahlen zu müssen, sondern „alle sieben Probleme“ mit einem Streich beseitigen zu lassen.

Abgesehen davon, dass ein separates Antijagdtraining gar nicht notwendig ist, ist ein solches auch falsch, wenn – wie ich zwar selten aber manchmal beobachten kann – dabei mit Hilfsmitteln wie dem Reichen von Leckerli gearbeitet wird.

Das Unterdrücken des Jagdinstinktes sollte ausschließlich das Ergebnis einer Erziehung sein und nicht das einer Ausbildung. Und bei der Erziehung haben Leckerli nichts zu suchen, wenn ich an meine Aussagen zu den intrinsischen Motiven in meinem letzten Beitrag erinnern darf. Sie sind vielmehr ein Mittel zur Konditionierung und somit geeignet zum Erreichen eines Ausbildungszieles. Wenn man Leckerli zur vermeintlichen Unterdrückung des Jagdinstinktes einsetzen würde, wäre es ja immer eine Art von Ablenkung und somit eben ein typisches Mittel zur Konditionierung eines bedingten Reflexes. Beim Hund würde im Erfolgsfalle sein Jagdinstinkt durch die stärkere Wirkung des Leckerlis nur überlagert werden. Aber was passiert, wenn später ein Hase auftaucht und die Tasche mit Leckerli ist leer? Eine Weile mag die Konditionierung noch nachwirken, aber ob dies von Dauer sein wird, wage ich zu bezweifeln. Oder es könnte durchaus passieren, dass Bello plötzlich und unerwartet ein Leckerli einfordert, nur weil am Horizont ein Langohr auftaucht.

Wesentlich effizienter zu erreichen und vor allem nachhaltig effektiv ist das Unterdrücken des Jagdinstinktes im Rahmen der interspezifischen Sozialisation des Hundes, sprich im Rahmen seiner Erziehung und nicht im Rahmen seiner Ausbildung. Dabei wird ihm sein Entscheidungsspielraum drastisch eingeschränkt bzw. sogar vollständig genommen, indem Frauchen ihm alle Verantwortlichkeiten sowohl für jegliche Ressourcen als auch insbesondere für sein Grundbedürfnis nach Sicherheit abnimmt. Und simultan muss jedes unerwünschte Verhalten reglementiert und korrigiert werden. Das Reichen von Leckerli wäre in diesem Kontext nicht nur überflüssig, sondern sogar kontraproduktiv, weil der Hund dann nicht aufgrund einer ihm bewussten Regel handeln würde, sondern aufgrund eines extrinsischen Stimulus. Dass letzterer durchaus wirksam sein kann und somit einen vermeintlichen Erfolg vorgaukelt, steht außer Frage; aber wirkt dieser Stimulus auch in allen Situationen? Da habe ich erfahrungsgemäß Zweifel.

Ob und dass die Erziehung erfolgreich abgeschlossen ist, kann man daran erkennen, wenn der Hund ständig und in allen Entscheidungssituationen den Blickkontakt zu Frauchen sucht. Denn das ist ein untrügliches Indiz dafür, dass er die Regel des konfliktfreien sozialen Zusammenlebens mit Frauchen beherrscht, alle Entscheidungen ihr zu überlassen und erst danach zu handeln. Das Übermitteln einer solchen Entscheidung während des Blickkontaktes kann in Form jeglicher Art von Gestik oder Mimik erfolgen. Bei einem erzogenen Hund wäre zwar der Jagdinstinkt dann nicht verschwunden, denn er ist ein natürlicher und kann nicht gelöscht werden, aber ein erzogener Hund würde gar nicht mehr auf die Idee kommen, einem Hasen hinterherzujagen, ohne zuvor Frauchens Erlaubnis eingeholt zu haben. Denn seinem Instinkt ungefragt und unerlaubt nachzugehen würde nicht mehr in seinem Entscheidungsspielraum liegen.

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24. IST DIE AUSBILDUNG DES HUNDES DAS GLEICHE WIE SEINE ERZIEHUNG?

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oder

Die zwei Seiten einer Medaille

Hundebesitzer(innen), die mich zu sich und ihrem sogenannten verhaltensauffälligen Hund rufen, beklagen in der Regel nicht den mangelnden Ausbildungsstand ihrer Schützlinge, sondern beklagen eher die mangelnde Erziehung ihrer „Rüpel“: So beklagen sie beispielsweise ihre mangelhafte Leinenführigkeit wie das kräftezehrende Zerren an der Leine oder ihre Aggressivität anderen Menschen und Tieren gegenüber. Nicht selten sind auch sehr ernst zu nehmende Fälle von Beißattacken und Übergriffe auf Kinder zu beklagen. Ebenso ist das nervende Kläffen am Gartenzaun oder hinter der Wohnungstür, wenn Herrchen oder Frauchen sie verlassen haben, ein oft genanntes Problem. Aber sie beklagen auch die Angsteskapaden ihrer Schützlinge, wenn diese irgendwelchen Schreck einflößenden Umwelteinflüssen ausgesetzt sind wie Silvesterlärm, Feuerwehrsirenen oder ähnlichen Schreckgespenstern.

Mit anderen Worten, es geht nicht darum, dass die Hunde solche Kommandos wie Sitz, Platz und Co. nicht beherrschen oder sonstige Befehle nicht befolgen und bestimmte Aufgaben nicht lösen würden, sondern dass sie ein Verhalten an den Tag legen, welches man bei Kindern als unerzogen beschreiben würde. Bei Hunden beschreiben wir es als nicht oder nicht ausreichend sozialisiert. Eine Sozialisation sollte auf drei Ebenen stattgefunden haben, um sagen zu können, dass die Erziehung des Hundes erfolgreich abgeschlossen sei.

Die drei Ebenen der Sozialisationen sind:

  1. die intraspezifische,
  2. die interspezifische und
  3. die umweltspezifische.

Die intraspezifische Sozialisation betrifft das verträgliche Verhalten des Hundes gegenüber anderen Artgenossen seiner Spezies. Aus meiner Sicht gilt sie dann als abgeschlossen, wenn er in anderen Hunden keine Konkurrenten oder Rivalen mehr sieht bzw. sie weitestgehend ignoriert, außer während der Läufigkeit. Die interspezifische Sozialisation ist die Verträglichkeit mit anderen Mitgliedern der Fauna einschließlich Menschen; er in ihnen also auch keine Bedrohung sieht. Und die umweltspezifische ist die angstfreie Verhaltensweise gegenüber allen Umwelteinflüssen.

Damit sei verdeutlicht, dass allein schon die Zielstellungen einer Erziehung völlig andere sind als die der Ausbildung, bei der das Beherrschen bestimmter Aufgaben im Vordergrund steht. Ob dies auch Auswirkungen hat oder haben muss auf die Methoden zum Erlernen oder Beherrschen der entsprechenden Zielstellungen werden wir noch sehen.

Nun sind die Übergänge zwischen Ausbildung und Erziehung sicherlich an manchen Stellen fließend und demzufolge auch die in den Methoden. Aber entscheidend ist der signifikante Unterschied in der Art der Motivation des Hundes für sein Handeln und deshalb Methoden der Ausbildung für seine Erziehung oftmals als ungeeignet entlarvt, auch wenn diese über einen längeren Zeitraum angewendet mehr oder weniger zum scheinbaren Erfolg führen:

Die Sozialisation des Hundes ist nur dann nachhaltig erfolgreich, wenn sein Verhalten durch seine intrinsische Motivation gesteuert wird; er sich also aus ureigenem Interesse so verhält wie er sich verhalten soll und nicht aufgrund irgendwelcher äußerer Stimuli. Immer wenn extrinsische, also von außen wirkende Motivatoren das handeln steuern müssen, um ein bestimmtes Verhalten des Hundes zu initiieren, sollte man von einer Konditionierung, also dem Ergebnis einer Ausbildung ausgehen und nicht von einer Erziehung im hier gemeinten Kontext.

Insofern sind alle Methoden der Belohnung keine reinen Erziehungsmethoden, sondern immer Formen der Konditionierung. Dass diese irgendwann auch zu einem gewünschten Verhalten des Hundes führen können, ist völlig unstrittig. Aber das entscheidende Element der Erziehung, die intrinsische Motivation, fehlt in der Regel.

Bei der Erziehung des Hundes hingegen wird, anders als bei der Ausbildung, ausschließlich die Befriedigung eines seiner Grundbedürfnisse ausgenutzt, um das Erziehungsziel zu erreichen. Denn nur so kann das Kriterium der intrinsischen Motivation erfüllt werden. Und dabei spielt das hündische Bedürfnis nach Sicherheit – im engeren wie im weiteren Sinne – die entscheidende Rolle.

Man kann verallgemeinernd sagen, dass der Hund sich immer dann aus der Urteilsperspektive des Menschen unauffällig oder verträglich verhält, wenn sein Grundbedürfnis nach Sicherheit für ihn als befriedigt gilt. Im Umkehrschluss heißt dies, dass der Hund immer dann vermeintlich verhaltensauffällig ist, wenn sein Grundbedürfnis nach Sicherheit nicht erfüllt ist. Allerdings ist dieses Verhalten nur vermeintlich auffällig, weil es aus seiner Perspektive betrachtet als völlig normal zu bewerten ist, denn er will durch dieses Verhalten nichts anderes, als sein Grundbedürfnis befriedigen. Nur der Mensch empfindet es als auffällig, weil oder wenn er den wahren Grund nicht durchschaut.

Insofern sind alle die Methoden für die Erziehung eines Hundes geeignet, mittels derer dem Hund demonstriert wird, dass Herrchen oder Frauchen immer und überall für seine und ihre eigene sowie die Sicherheit aller zu ihrem “Rudel” gehörenden Mitglieder sorgen oder mittels derer dem Hund jegliche Verantwortlichkeit für irgendeine Ressource genommen wird, für deren Sicherheit auch er ansonsten selbst zu sorgen hätte. Und diese Methoden haben mit Sicherheit nichts mit Leckerlies oder sonstiger positiver Bestärkung zu tun, sondern ausschließlich mit Demonstration und gleichzeitiger Korrektur des hündischen Verhaltens. Wichtig dabei ist allerdings die Simultanität beider Faktoren. Der Mensch muss dem Hund durch die Korrektur seines Verhaltens zeigen, dass dieses Verhalten unerwünscht ist und ihm gleichzeitig demonstrieren, dass es keinen Grund mehr für ihn gibt, sich so zu verhalten wie er sich verhält.

Am Beispiel der Aggressivität gegenüber anderen Hunden kann deshalb der Aberwitz solcher Methoden wie die positive Bestärkung oder das Reichen von Leckerlies und ihre Nichteignung als Erziehungsmethode verdeutlicht werden: Wenn der Hund beispielsweise anderen Hunden begegnet und er sie aufgrund seiner noch nicht erfolgten Sozialisation nicht ignoriert, also noch als Rivalen oder Konkurrenten betrachtet, würde das in dieser Situation beispielsweise getätigte Reichen von Leckerlies nur eine reine Ablenkungsmaßnahme sein. Der eigentliche Grund, die anderen Hunde noch als Konkurrenten oder Rivalen zu betrachten, wäre damit ja in keiner Weise beseitigt. Denn der Hund betrachtet andere Hunde immer dann als Rivalen oder Konkurrenten, wenn er selbst für seine Sicherheit im engeren und weiteren Sinne zu sorgen hat. Und das Reichen von Leckerlies wird ihn ja wohl kaum von seinem Verantwortungsgefühl befreien. Bedauerlicherweise kommt die irrige Vorstellung, dass durch Konditionierung in solchen Situationen doch eine Erziehung erfolgen könnte, dadurch zu Stande, dass bei ständiger Wiederholung und ausreichender Stärke des Stimulus, der Hund irgendwann soweit konditioniert sein kann, dass er schon Speichelfluss bekommt, nur wenn seine Rivalen um die Ecke kommen. Nicht etwa aus Fleischeslust, sondern wegen des zu erwartenden Leckerli, denn der unbedingte wurde zu einem bedingten Reflex und unterdrückt sein agonistisches Verhalten gegenüber seinen Rivalen. Das geht aber u.U. nur so lange gut, wie die Stärke des Stimulus stark genug ist. Mit Erziehung hat das Ganze jedoch nichts zu tun.

Wenn aber Herrchen oder Frauchen statt seiner diese Sicherheitsaufgabe für ihn übernehmen würden und ihm dies auch eindeutig demonstrieren, wäre damit der Grund für seine Rivalität sofort verschwunden. Und er hätte sicherlich ab sofort keinerlei Interesse mehr an seinen Artgenossen. Erst dann sollten wir aber von Erziehung reden.

Der interessierte Leser kann dies exemplarisch auf einer „Hundespielwiese“ – wie dieser Ort übrigens falscher und heuchlerischer kaum beschrieben werden kann – beobachten. Sollte sich hier eine Horde fremder Hunde begegnen, wird es im besten Falle zunächst zu einem wilden Ritual des gegenseitigen Kontrollierens und Schlichtens kommen, um sich gegenseitig zu beteuern, sich kein böswilliger Feind zu sein. Ich betone, im besten Falle. Sowie dieses Ritual dann aber ohne größere Konflikte und Schäden überstanden wurde – was nicht selbstverständlich ist – wird man sehr bald beobachten können, dass alle Beteiligten sternförmig auseinander rennen und  kaum noch ein Hund sich für einen anderen zu interessieren scheint. Sie haben – außer während der Läufigkeit – halt keinerlei Interesse aneinander. Nun könnte man entgegenhalten, dass dieses gleiche Ritual aber bei jeder neuen Begegnung wieder so ablaufen würde, sogar wenn die gleichen Hunde sich am nächsten Tag wieder begegnen würden. Das sei doch ein Indiz dafür, dass sie sehr wohl aneinander ein Interesse zeigen; denn dass sie keine Feinde sind, hätten sie sich doch schon gestern beteuert. Aber mitnichten; diese nur scheinbare Wiedersehensfreude lässt sich damit erklären, dass die Hunde nicht einschätzen können, ob sich über Nacht nicht irgendetwas an den Absichten der anderen geändert haben könnte.

Und übrigens, das mit Sicherheit durch den interessierten Beobachter zu beobachtende wilde Gewedel aller Ruten der an diesem Ritual Beteiligten hat nicht etwa was mit deren unsagbarer Freude zu tun. Im Gegenteil, es ist Ausdruck extremer Unsicherheit und grenzt an Stress.

Somit kann man sagen, dass das gesamte Verhalten eines Hundes zwar das Resultat und Spiegelbild sowohl seiner Ausbildung als auch seiner Erziehung ist. Allerdings sind beides zwei verschiedene Seiten einer Medaille. So wie man sagen kann, dass ein Kind, welches Einsteins spezielle und allgemeine Relativitätstheorie erklären könnte, gut ausgebildet wäre, aber deshalb noch lange nicht gut erzogen sein muss. Trotz Beherrschung der Gravitationstheorie könnte das Kind jeden Tag bösartig andere Kinder verprügeln oder Ladendiebstähle begehen. Die Ausbildung hat immer etwas mit dem Beherrschen von Fähigkeiten und Fertigkeiten zu tun. Die Erziehung hingegen ist das Akzeptieren von Regeln, um in einer sozialen Gemeinschaft miteinander konfliktfrei klarzukommen.

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23. DARF ICH MEINEN HUND BESTRAFEN?

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oder

Das wahre Gesicht hinter der schönen Maske der Tierliebe.

Eine mir häufig gestellte Frage ist die nach der Legitimität der Bestrafung. In ihr schwingt zwar meistens ein schlechtes Gewissen mit; ebenso aber auch ein Wunsch nach Legitimität in der leisen Hoffnung auf einen Rest an Zulässigkeit, denn ansonsten würde man mir die Frage ja nicht stellen. Und Hand aufs Herz, wer wollte behaupten, nicht selbst auch schon mal hätte ausrasten können, wenn der Vierbeiner den größten Unsinn angestellt hat, den ein Hund sich nur ausdenken konnte oder scheinbar überhaupt nicht mehr zu machen schien, was er eigentlich machen sollte. Dann könnte man doch schon mal … und den Frust rauslassen, oder?

Aber der Gedanke an Bestrafung ist noch nicht einmal zu Ende gedacht, da erscheinen promt zwei selbstbewusst anmutende Gestalten namens Tierliebe und Tierschutz mit der abschreckenden Keule der Gewalt in der Hand und flüstern mit strengem Blick und erhobenem Zeigefinger Herrchen oder Frauchen ein furchtbar schlechtes Gewissen ins Ohr. Und das mit einem Erfolg, insbesondere in jüngster Zeit, der schon bemerkenswert ist.

Aber verbirgt sich hinter diesen Gestalten auch tatsächlich das, was sie zu sein vorgeben? Erkennt man nicht bei genauerem Hinschauen, dass es sich in Wahrheit nur um zwei sehr schön anzusehende Masken handelt, die die wahren Gesichter dahinter nur verbergen? Bei kritischer Betrachtung entlarven sie sich nämlich sehr schnell als zwei uns sehr gute Bekannte, nämlich Unkenntnis und Unwissenheit.

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Erfolge sie erzielen. Und da stellt sich die Frage nach dem Grund ihres Erfolges.

Eine plausible Antwort gibt uns die Sozialpsychologie oder auch die kognitive Psychologie: Immer wenn Gefühle im Spiel sind, haben Rationalität und Fakten offensichtlich nur schlechte Karten. Ein Verkaufspsychologe kann ganze Bücher darüber schreiben, wie beim Konsumenten erfolgreich der Verstand ausgeschaltet werden kann, wenn die Gefühle nur stark genug aktiviert werden. Dann kann man auch einem Piloten einen Rundflug verkaufen. Die meisten Entscheidungen werden nämlich im Bauch getroffen und nicht aufgrund rationaler Abwägungen. Und genau dieses Phänomen nutzen die beiden ganz geschickt aus, ihr mangelndes Wissen und ihre Unkenntnis zu vertuschen. Sie nutzen ganz geschickt die Gefühlswelten, die durch Stimmungen gegen Massentierhaltung und grässlich anmutende Tierversuchsforschung der Pharmaindustrie oder Bilder aus rumänischen Tierheimen geprägt sind, quasi als Hintergrundrauschen, um dem gutgläubigen Hundehalter vor dem Hintergrund dieser diffusen Gefühlspampe einzureden, dass eine Bestrafung etwas sehr Böses sei.

Herrchen und Frauchen sollen stattdessen gefälligst auf ihren wohlfeilen Rat hören und lieber mit solch probaten Zaubermitteln herumexperimentieren, die mit ebenso verlockenden Begriffen verbrämt daherkommen wie „positive Bestärkung“ oder sonstiger Firlefanz. Äußerungen von selbsternannten Tierliebhabern wie, „Bei mir kommt Gewalt und Härte in der Hundeerziehung nicht in Frage“ und ähnlich gelagerter Bullshit verführen den Hundehalter sehr leicht zur Demut. Denn ein Narr, wer heute etwas gegen Tierliebe oder Tierschutz sagen wollte.

Wenn man mich in solchen oder vergleichbaren Situationen nach dem Grund fragt, warum beispielsweise jemand so etwas Widersinniges äußert, obwohl schon der gesunde Menschenverstand dagegen rebelliert, kommt mir immer ein lateinisches Zitat in den Sinn, welches mein Vater mir für solche und ähnliche Situationen mit auf den Weg gegeben hat: Wenn du dir den wahren Grund hinter einer Absurdität nicht sofort erklären kannst, frage dich immer: Cui bono? – Wem zum Vorteil? Oder anders ausgedrückt: Wem nützt es? In diesem Falle liegt bei mir der Verdacht nahe, dass derjenige, der so etwas äußert, entweder mangelndes Wissen vertuschen oder jemanden in seinem Sinne manipulieren will.

Ich bin in meinem Buch ausführlich auf die Legitimität der Bestrafung als Erziehungsmittel und ihr Vorbild in der Natur eingegangen. Die Bestrafung ist das effizienteste Mittel der Erziehung. Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich einen Tierparkbesuch, oder einem Hundezüchter über die Schultern zu schauen. Wer hier einen Blick hinter die Kulissen eines Rudellebens wirft, dem wird sehr schnell klar: Eine Erziehung ohne Bestrafung wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Welpe beispielsweise würde niemals die gesamte Komplexität und Vielfalt aller notwendigen Regeln eines intakten Rudellebens begreifen, ohne Sanktionen zu erfahren. Selbst das Spielen wird ständig durch Maßregelungen unterbrochen, wenn der Protagonist über die Stränge schlägt. Denn ihm bleibt nicht viel Zeit, dies alles zu verstehen und zu lernen. Was die Natur dem kleinen Neuankömmling mitgegeben hat, ist zwar ein ziemlich umfangreiches Repertoire an Verhaltensweisen, mittels derer er sich im Wettbewerb gegenüber Konkurrenten und Rivalen durchsetzen kann. Man nennt es auch das agonistische Verhaltensrepertoire. Was die Natur ihm aber nicht mitgegeben hat, und er sich somit erst mühsam aneignen muss, sind die Regeln, nach denen er sie einsetzen darf. Und dazu gehört das Wissen über den ihm zustehenden Entscheidungsspielraum, welches Mittel er wann oder überhaupt anwenden darf. Dieser Erkenntnisgewinn wird entweder durch Methoden des Lernens, also der Nutzung von Vorbildern und ihrer Nachahmung initiiert, oder eben durch Sanktionen im Rahmen der Erziehung. Es erfolgt quasi immer eine Reglementierung, wenn die Grenzen der Zulässigkeit erreicht oder überschritten sind.

Aber lassen Sie mich zunächst den Versuch einer Erklärung geben, was in diesem Kontext unter Bestrafung zu verstehen ist. Weil einige Leser mich ansonsten als Baseballschläger-schwingenden-Tierquäler sehen, wenn ich mich als Befürworter der Bestrafung zu erkennen gebe.

Unter Bestrafung sind alle Mittel der Sanktionen und Reglementierungen zu verstehen, mit deren Hilfe Tiere sich untereinander ihren jeweiligen Entscheidungsspielraum begrenzen. Man könnte sie auch als Korrekturen bezeichnen; das heißt, wenn geklärt wird, wer was machen und wie weit gehen darf. Und ähnlich sieht es in der Beziehung zwischen Hund und Mensch aus. Auch der Mensch muss dem Hund seine Grenzen zeigen, indem er ihm demonstriert, welcher Entscheidungsspielraum ihm zusteht. Und sollte der Hund über diese Grenzen hinausgehen, gilt es ihn zu korrigieren. Welches konkrete Mittel der Maßregelung oder Sanktion einzusetzen ist, ergibt sich aus der Situation und der „Schwere“ der Spielraumverletzung. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass solche Korrekturen für den Hund nicht zwingend etwas Unangenehmes sein müssen. Im Gegenteil, sie geben ihm Orientierung und damit Sicherheit. Und Sicherheit ist für ihn bekanntlich ein sehr wichtiges Grundbedürfnis. Insofern ist es aus meiner Sicht doppelt gefährlich, bei Bestrafung von etwas Schlechtem zu reden.

Allerdings – und damit zur alles entscheidenden Bedingung, um eine Bestrafung nicht nur erfolgreich sein zu lassen, sondern insbesondere auch legitim – muss sie zwingend simultan durch das Beseitigen des Grundes des hündischen Fehlverhaltens begleitet werden. Weil erst dann, wenn der Grund für sein Fehlverhalten nicht mehr existent ist, der Hund auch den Sinn der Reglementierung versteht, ohne in einen Konflikt zu geraten.

Will heißen, ohne dem Hund den Grund für sein vermeintliches Fehlverhalten zu nehmen, wäre die Bestrafung ein ungeeignetes Erziehungsmittel. Wenn ich beispielsweise einem Hund durch mein falsches Verhalten demonstriert habe, dass ich nicht willens oder in der Lage bin, für seine Sicherheit zu sorgen und er demzufolge selbst durch die Nutzung seines agonistischen Verhaltensrepertoires wie beispielsweise die Aggression dafür zu sorgen hat, wäre es widersinnig, ihn aufgrund seines aggressiven Verhaltens zu bestrafen. Denn ich würde ihn dann quasi für ein völlig normales Verhalten maßregeln. Es wäre doch absurd, einen Wachhund für sein Verhalten zu bestrafen, wenn er ein zu bewachendes Revier erfolgreich bewacht.

Wenn ein Hund sich vermeintlich falsch verhält, ist es demzufolge zunächst notwendig, zu hinterfragen, ob sein Verhalten auch aus seiner Perspektive falsch ist und nicht etwa als normal gelten muss und der Mensch auch tatsächlich dafür gesorgt hat, dass es für dieses Verhalten eigentlich gar keinen Grund mehr gibt. Erst dann wäre eine Reglementierung angezeigt:

So beispielsweise im Falle eines kleinen Jack Russel Terrier; nicht größer als anderthalb Handflächen aber ein „Wadenbeißer“ wie er im Buche steht. Mit gefletschten Zähnen, Knurren und Kläffen verbannte er jeden aus seinem Wirkungsbereich, so dieser sich in seine Aggressionsdistanz wagte und biss sogar die Kinder in der eigenen Familie. Dieses Verhalten war bereits deutlich manifestiert, denn er erzielte mit seinen Aggressionen regelmäßig Erfolg. Immer wenn sich ihm jemand näherte, wich dieser reflexartig zurück, sowie die kleine „Bestie“ seine Drohgebärden zeigte. Diesen Hund für seine Aggressionen ausschließlich zu bestrafen, ohne den Grund für seine Aggressionen zu beseitigen, wäre also ein falsches und sinnloses Unterfangen. Der erfolgreiche Therapieansatz bestand demzufolge vielmehr darin, sich ihm zu stellen und auf keinen Fall zurückzuweichen und für sein Verhalten zu reglementieren. Aber unmittelbar danach musste ihm demonstriert werden, dass Herrchen oder Frauchen auch zuverlässig für seine Sicherheit sorgen. Denn dass dies zuvor nicht der Fall war, war offensichtlich der Grund seiner Aggressionen. In solchen Fällen hilft mir immer mein Therapiehund Neo, der quasi auf Kommando Feind oder Ignorant sein kann. Nachdem der Delinquent korrigiert wurde demonstriere ich ihm meinen Schutz.

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22. WARUM STOSSEN NEUE ERKENNTNISSE DER HUNDEERZIEHUNG ANFÄNGLICH AUF ABLEHNUNG

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oder

Warum hat der Mensch Angst vor einem Irrtum?

Warum stößt beispielsweise meine Aussage, dass Hunde in einer einzigen Trainingseinheit erzogen werden könnten, auf massive Ablehnung? Oder es kommt zu einem regelrechten Sturm der Entrüstung, wenn ich behaupte, dass Hunde, wenn sie erzogen sind, keinerlei Interesse mehr an der Begegnung mit anderen Hunden hätten, im Gegenteil, ein regelrechtes Desinteresse zeigen.

Ich hatte zu diesem Phänomen der Ablehnung ein interessantes Gespräch mit einem Piloten und Experten aus der Luftfahrtbranche, der mir dazu eine verblüffende Erklärung gab, und zwar aus Sicht der Neurowissenschaften:

In der Luftfahrt befasse man sich nämlich schon seit langem im Rahmen eines Forschungs- und Schulungs-Projektes, das sich „Human-Factors“ (menschliche Faktoren) nennt, mit den Ursachen menschlichen Fehlverhaltens. Das Ziel bestehe darin, nicht nur die Ursachen eines Unfalles oder Vorkommnisses zu klären, sondern daraus ableitend Fehlervermeidungsstrategien zu entwickeln. Dabei gehe man u.a. der Frage nach: Warum passieren dem Menschen Fehler? Und im Rahmen dessen sei man auf interessante Erkenntnisse gestoßen zum “Umgang” des Gehirns mit eigenen Fehlern – oder anders gefragt: Verfügt das Gehirn über ein eigenes Fehlermanagement, wie funktioniert dies und welche Folgen hat dies für das menschliche Handeln?

Die Evolution hat den Menschen bekanntlich zur erfolgreichsten Spezies werden lassen. Der Mensch ist quasi ihre Erfolgsstory. Keine andere Spezies hat sich derart flexibel an ungünstige und sich stets ändernde Lebensräume angepasst und diese dadurch erfolgreich erobert. Dabei spielte das Gehirn die entscheidende Rolle.

Eine der wichtigsten Aufgaben, die dem Gehirn dabei zugekommen ist, ist die Motivierung seines “Chefs”, ihn ständig und stets nach Neuem streben zu lassen, um so die Grundvoraussetzung für seine Weiterentwicklung zu schaffen. Denn sie ist wiederum die Voraussetzung für eine mögliche Anpassung. Stagnation wäre gleichbedeutend gewesen mit seinem Untergang. Und damit der Mensch stets nach Neuem strebt, hat die Evolution sich die Neugierde einfallen lassen.

Diese Neugierde ist das Ergebnis eines Tricks der Evolution, genannt Belohnungssystem. Es ist in seiner Wirksamkeit ähnlich wie die der Drogen, nach denen der Abhängige süchtig wird. Die dabei aktivierten Stoffe werden deshalb auch endogene (körpereigene) Opioide genannt, denn sie sind in ihrer chemischen Zusammensetzung tatsächlich dem Opium ähnlich. Sie werden vom Gehirn dann aktiviert und führen zu den gleichen angenehmen Gefühlen wie auch der Fixer sie kennt, wenn bestimmte Bereiche des Gehirns Neurotransmitter wie Dopamin oder Oxytocin produzieren.

Nun musste sich die Evolution nur noch einfallen lassen, wann es denn Sinn macht, solche endogenen Opioide zu aktivieren, damit sie auch den gewünschten Effekt erzielen. Und das tun sie dann, wenn das Ergebnis einer Handlung besser ist als die Erwartung; also immer dann, wenn der Mensch mit dem, was er getan hat, erfolgreich war. Und umso größer der Abstand zwischen erreichtem Ergebnis und vorheriger Erwartung sich darstellt, desto intensiver verschafft das Gehirn sich quasi selbst eine Belohnung. Man könnte auch sagen, der Mensch sei süchtig nach endogenen Opioiden und strebe deshalb nach Neuem, infolgedessen er sich weiterentwickelt.

Aber wie vieles in der Natur, hat auch diese evolutionäre Erfindung eine dumme Kehrseite. Und die sieht so aus, dass der Mensch das Gegenteil des Erfolges ganz und gar nicht mag, nämlich den Misserfolg. Will heißen, er scheut Niederlagen oder Enttäuschungen und Irrtümer wie der Teufel das Weihwasser. Wenn quasi das Ergebnis seines Handelns unterhalb der Erwartung oder hinter ihr zurückbleibt. Der Extremfall ist der, bei der das Ergebnis genau das Gegenteil von dem ist, was eigentlich erwartet wurde. Und das Gefühl wird dann umso grässlicher, je mehr der Irrende in den Irrtum investiert hat. Sei es Mühe, Geld, Zeit oder sonstiger Aufwand. Wissenschaftler können ganze Bücher darüber schreiben, wie sie sich verbissen an eigentlich längst aufzugebende Thesen klammern, obwohl der Verstand schon lange sagt, dass es ein Irrtum sei. Deshalb gibt es in der wissenschaftlichen Arbeit das Kriterium der Falsifikation. Sie verlangt, dass nach Aufstellung einer These immer zunächst der Versuch ihrer Widerlegung gemacht werden soll und nicht nach Bestätigungen gesucht wird. Weil der Mensch sich halt zu gerne in eine schön und logisch klingende These verliebt und sich dann außerordentlich schwer tut, bei Gegensignalen kritisch zu bleiben. Und ähnlich wie sich der Abstand zwischen Erwartung und Ergebnis auf die Intensität des Glücksgefühls auswirkt bis hin zur Euphorie, quält das Gegenteil den Irrenden umso mehr, je größer die Konsequenzen aus dem Irrtum sind oder je intensiver er zuvor seinen Aufwand für die Erlangung seiner falschen These betrieben hat.

Das treibt bekanntlich Blüten, die jeder Leser mit Sicherheit kennt: Selbst wenn der Verstand schon zweifelt, klammert sich der Wille noch lange an die Lüge. Denn er will die Gefühle des Irrtums, der Enttäuschung oder gar der Angst, die mit der neuen Erkenntnis vielleicht verbunden sind, so lange wie möglich hinauszögern. Und das, obwohl es rational viel vorteilhafter wäre, sich mit der neuen Erkenntnis schnellstmöglich auseinanderzusetzen.

Piloten, so der Experte, würden dieses Phänomen des Klammerns an die falsche Wahrheit noch sehr gut aus der Zeit kennen, als es noch kein GPS und ähnlich moderne Navigationssysteme gab. Als sie sich noch anhand von Karte und Kompass orientieren und ihr Ziel finden mussten. So fürchteten sie beispielsweise, ähnlich wie der Teufel das erwähnte Wasser, nichts so sehr wie einen Orientierungsverlust und die damit einhergehenden Konsequenzen. Wenn sie sich dann verflogen hatten und die Darstellung der Natur auf ihrer Karte mit der realen Welt verglichen und beides stimmte nicht wirklich überein, kam Unruhe auf, die ein Vorbote der Panik war. Und obwohl der Verstand sagte, „Du, wir haben uns verflogen und sollten uns schleunigst auf die Suche nach einem Ausweg machen“, kam es zu solch irrwitzigen Reaktionen des Willens, dass Seen und Flüsse da unten, die auf der Karte völlig anders aussahen oder gar nicht da waren, so lange uminterpretiert wurden, bis sie „richtig“ aussahen. Denn das sich Eingestehen des Irrtums wäre ein schrecklich hässliches Gefühl.

Man kann auch sagen, dass der Mensch hier ein angeborenes Meideverhalten an den Tag legt, um dem widerlichen Gefühl des Sich-geirrt-Habens aus dem Wege zu gehen.

„Und nun“, sagte der Luftfahrtexperte zu mir, „stelle man sich einmal folgende Situation vor:

Der Irrende würde sich seinen Lebenstraum erfüllt und eine Hundeschule eröffnet haben. Um die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, hätte er all sein Hab und Gut in seine eigene Ausbildung und Qualifikation investiert, hätte sich Wissen angeeignet, wo er nur konnte, hätte an allen möglichen Lehrgängen und Seminaren teilgenommen und schließlich und endlich mit viel Aufwand und Mühen, verbunden wahrscheinlich auch mit erheblichen Kosten, seiner Einschätzung nach alle notwendigen Kenntnisse für eine erfolgreiche Führung seiner Schule zur Ausbildung und Erziehung von Hunden erlangt. Dann habe er sich noch ein Marketingkonzept einfallen lassen, wie man Hundebesitzer dazu animieren könnte, nicht nur zu ihm in seine Hundeschule zu kommen, sondern dies auch noch möglichst häufig und immer wieder zu tun. Denn, wie er sich ausgemalt haben könnte, sei der Stammkunde der zahlungsfreudigste. Also lässt er sich einige sogenannte Kundenbindungsmaßnahmen einfallen wie Zehnerkarten, allsonntägliche Welpentrainings, Raufergruppen oder gemeinsame Rudeltrainings und kollektive Hunde-Gruppen-Wald-Spaziergänge sowie sonstige witzige Hund- und Herrchen-Frauchen-Treffen. Und damit der brave Hundeschulbesucher nicht irgendwann Lust und Laune verliere oder meine, dass es ihm jetzt doch langsam zu teuer werde oder gar Zweifel an der Erfolgsaussicht dieser mittlerweile sehr lang andauernden aber nicht wirklich erfolgreichen Schulungsmaßnahmen hege, müsse ihm nur noch überzeugend klar gemacht werden, dass die Hundeerziehung ein sehr komplexer und damit ein sehr komplizierter und deshalb eben vor allem lang andauernder Prozess sei. Voraussetzung, dass der Irrende dabei aber kein schlechtes Gewissen bekäme, ist allerdings seine eigene Überzeugtheit von der Richtigkeit seiner Theorie, sprich These. Denn wir reden hier nicht von einem Hundeschulbetreiber, dem seine Irrtümer bewusst sind, denn dann müssten wir ja von Schwindel, Betrug oder arglistiger Täuschung sprechen. Adäquat wie wir in der Luftfahrt im Rahmen der Human-Factors-Forschung nicht die Fehler untersuchen und analysieren, die jemand bewusst macht. Sondern wir befassen uns ausschließlich mit den Fehlern, die jemandem passieren, ohne dass derjenige, dem sie passieren, es wollte, dass sie ihm passieren.

Mit anderen Worten: Der Irrende sei zutiefst von der Richtigkeit dessen, was er weiß und was er tut, überzeugt. Nichts auf dieser Welt könnte ihn vom Gegenteil überzeugen, denn er habe schließlich einen riesigen Aufwand betrieben, um sich dieses Wissen mühsam anzueignen und darauf sogar seine Existenz aufgebaut.

Aber nun, nehmen wir einmal an, geschehe für ihn etwas völlig katastrophal Unerwartetes, was das Kartenhaus des Wissens und der Überzeugungen urplötzlich drohe einstürzen zu lassen: Es käme ein Klugscheißer um die Ecke, der behaupten würde: ‚Es ist alles ein Irrtum!‘

Was würde jetzt wohl im Gehirn des Irrenden im Rahmen des endogenen Fehlermanagements ablaufen? Kann man sich in etwa vorstellen, welch eine riesige Enttäuschung es bedeuten würde, verbunden mit der Angst vor all den Konsequenzen, wenn das stimmen sollte, was der Klugscheißer da sagt?

Also wehrt sich der Wille mit Händen und Füßen vor diesem furchtbaren Irrtum. Und das führt in manchen Fällen, wenn der Irrtum fundamental ist, sogar zu drastischen Reaktionen bis hin zum Angreifen oder sogar versuchten Vernichten des Klugscheißers. Schon im alten Griechenland wurde der Überbringer der schlechten Nachricht bestraft und im Mittelalter wurde er geköpft. Bei Konfuzius kann man lesen ‚Ein Mann, der die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd.‘ Daran hat sich bis heute nichts geändert.“

Wenn stattdessen der gesunde Menschenverstand die Oberhand im Krisen- oder Fehlermanagement behalten würde, wären die Folgen eines Irrtums wesentlich harmloser. Die bis zum Eingeständnis des Irrtums verstrichene und wertvolle Zeit hätte inzwischen in eine effektive und effiziente Lösungssuche investiert werden können. Und damit wäre allen Beteiligten geholfen, in unserem Falle Hund und Herrchen oder Frauchen, die nicht mehr durch ein zermürbendes und zeitaufwendiges und obendrein noch erfolgloses Martyrium an Ausbildungsmaßnahmen, die zur Erziehung eines Hundes ungeeignet sind, gehen müssten. Methoden der Ausbildung, die hier durchaus ihre Berechtigung haben, aber im Rahmen der Erziehung ungeeignet sind, führen nicht nur zu sehr viel Frust und finanziellem Aufwand auf Seiten der Hundebesitzer(innen), sondern führen im schlimmsten Fall zu vermeidbarem und unnötigem Stress bei den Hunden. Oder sie führen sogar dazu, dass aufgrund der Erfolglosigkeit diesen Tieren das Tierheim oder schlimmeres droht.

Selbst wenn sich die neue These als falsch erweisen sollte, lohnt es doch des Aufwandes der Auseinandersetzung, anstatt immer wieder die alte These mit der Vorstellung, „Was nicht sein darf, nicht sein kann“, zu verteidigen. Ich finde, wir sind diesen Aufwand und diese Ehrlichkeit der Kreatur Hund schuldig.

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