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11. “SIND SIE EIN HOCHSTAPLER ODER EIN GENIE?…

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…war die Frage einer misstrauisch gewordenen Kundin, weil sie in mehreren meiner Veröffentlichungen gelesen habe, es sei prinzipiell möglich, jede Verhaltensauffälligkeit eines Hundes in nur einer einzigen Trainingseinheit korrigieren zu können.

Ich musste die Dame zwar insofern korrigieren, dass ich nicht behaupte, jede, sondern beinahe jede Verhaltensauffälligkeit; also mit wenigen Ausnahmen beispielsweise solcher Fälle, wo die Ursache medizinisch klinischer oder genetischer Natur ist. Diese Fälle sind zwar sehr selten, kommen aber vor.

Trotzdem blieben ihre Skepsis und ihr Misstrauen, denn ich bestätigte ihr nochmal, dass alle bisher von mir behandelten „Problemfälle“ – angefangen bei harmlosen „Macken“ wie Zerren an der Leine oder Bellen wie ein Geisteskranker bis hin zu schwerwiegenderen Problemen wie Aggressionen, Angreifen oder Beißen – tatsächlich in kürzester Zeit korrigierbar seien. Allerdings nur unter Beachtung einer einzigen Bedingung: Eine gute Compliance der Hundebesitzer, also ihre konsequente Therapietreue im Anschluss an das Training.

Aber ich hoffe, weder das eine zu sein, und ich bedaure, noch das andere zu sein. Die Lösung für meinen Therapieansatz ist weder Pseudowissenschaft noch Genialität, sondern findet sich in lapidaren Grundkenntnissen der Kognitions- oder Neurowissenschaft wieder. Nun fühlt sich in diesen Fachgebieten sicherlich nicht jeder gleich zu Hause, aber das ist auch gar nicht notwendig. Denn zum Verstehen reicht es aus, sich den Unterschied zwischen Ausbildung und Erziehung und den sich daraus ergebenden Unterschieden in der Speicherung beider Ergebnisse im Gehirn des Hundes zu vergegenwärtigen.

Das Langzeitgedächtnis des Säugetiergehirns unterscheidet sich u.a. hinsichtlich der beiden Arten:

• Implizites und
• explizites Gedächtnis.

Im impliziten Gedächtnis werden alle Fähigkeiten und Fertigkeiten abgespeichert, die u.U. durch wiederholtes und teilweise mühsames Üben und Trainieren im wahrsten Sinne des Wortes erlernt werden müssen. Dies entspricht in unserem Kontext der Ausbildung. Das sind insbesondere alle motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten und alle solche, bei denen das komplexe Zusammenspiel von Gleichgewicht, Grob- und Feinmotorik unter Berücksichtigung und Verarbeitung einer Vielzahl von unterschiedlichen Sinnesinformationen erfolgt. Eine Besonderheit, und damit eines der wesentlichen Unterschiede zum expliziten Gedächtnisinhalt, besteht darin, dass die jetzt abgespeicherten Ergebnisse dem Zugriff des Bewusstseins entzogen sind. Ein Beispiel aus der menschlichen Natur: Niemand kann einem anderen, der nicht Fahrrad fahren kann, erklären, wie man Fahrrad fährt, obwohl man es mühsam selbst erlernt hat. Und ein Beispiel aus der Hundewelt ist das Konditionieren, also das “Anhängen” von bedingten Reflexen an einen natürlichen Reflex durch externe Stimuli, beispielsweise mittels Leckerli (Stichwort „Sitz, Platz und Co.“), bis der Hund “abgespeichert” hat, dass beide Stimuli zusammengehören.

Anders sieht es aber aus mit dem expliziten Gedächtnis. Hier speichert das Gehirn alle Informationen wie Daten und Fakten, Episoden und Erlebnisse oder Kenntnisse. Es wird auch als das deklarative Gedächtnis bezeichnet und ist damit aber dem Bewusstsein, im Gegensatz zum impliziten, zugänglich. Und zu solchen Speicherdaten zählen auch erlernte Regeln und Überzeugungen.

Eine schöne Metapher zum besseren Verstehen der Zusammenhänge ist das Erlernen des Essens mit Messer und Gabel. Auch dieser Lernprozess vereint sowohl Elemente der Ausbildung als auch der Erziehung. Wollen Kinder dies beherrschen, müssen sie sich einerseits diese Fähigkeiten mühselig nach dem Prinzip „trial and error“ (Versuch und Scheitern) aneignen und werden sicherlich etliche Male die Speise auf dem Weg der Gabel vom Teller bis zum Mund verlieren oder sich die Gabel statt in den Mund in die Nase stechen, abgesehen vom verzweifelten Kampf mit dem scharfen Messer. Schließlich und endlich werden sie es aber irgendwann sogar geschickt bis zur Perfektion beherrschen. Allerdings benötigt dieser Prozess bis zur Beherrschung oder Perfektionierung mehr oder weiniger viel Zeit.

Andererseits muss das Kind aber, nachdem es das Hantieren mit Messer und Gabel unfallfrei beherrscht, noch lange nicht wissen, nach welchen Regeln denn nun mit diesen Gerätschaften zu hantieren ist. Beispielsweise dass die Gabel für gewöhnlich in die linke und das Messe in die rechte Hand zu nehmen ist. Oder dass der Ellbogen nicht auf dem Tisch zu verbleiben hat, wenn die Gabel mit der Speise zum Munde geführt wird und nicht der Mund zur Gabel usw.

Die entscheidende Frage bezüglich des hiesigen Themas sollte nun lauten: Benötigen wir zur Erklärung dieser letztgenannten Regeln Zeit, ähnlich wie beim Ausbilden? Wohl kaum. Hier genügt in der Regel, so die kognitiven Fähigkeiten normal ausgeprägt sind, eine einmalige Erklärung oder Demonstration. Und schon sollte das Kind die Regeln begriffen haben. Je nachdem wie komplex die Regeln sind, muss hier und da vielleicht noch eine kleine Korrektur oder Ergänzung erfolgen, aber das sollte ausreichen, und schon werden die Regeln beherrscht. Das Anwenden dieser Regeln ist dann aber keine Fähigkeit oder Fertigkeit, sondern das Abrufen von Wissen aus dem deklarativen Gedächtnis. Sicherlich wird das Kind auch hier und da mal wieder von den bekannten Regeln abweichen wollen, weil sie nicht in jeder Lebenssituation angenehm zu sein scheinen; aber dann reicht ein kleiner Korrekturhinweis durch Mama oder Papa (Compliance) und schon läuft es wieder.

Da die Resozialisierung eines verhaltensauffälligen Hundes keine Ausbildung ist und demzufolge auch keine bedingten Reflexe mühsam im impliziten Gedächtnis angelegt werden müssen, sondern ihm lediglich bisher ihm offensichtlich nicht erläuterte, besser gesagt demonstrierte Verhaltensregeln im Zusammenleben mit seinem Rudelführer Mensch gezeigt werden müssen, ist dies auch ein relativ kurzzeitiges Unterfangen. Einmal „erklärt“ reicht in der Regel aus.

In den meisten Fällen genügt es, dem Hund zu demonstrieren, dass Herrchen/Frauchen ab sofort zuverlässig und berechenbar für die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse sorgt und sein Entscheidungsspielraum dadurch extrem eingeschränkt ist, er also keine Verantwortung für irgend eine Ressource hat. Wie dies gelingt, zeige ich jedem Interessierten gerne, denn damit verdiene ich mein Geld.

Und jeder wird sehen, dass das nichts mit Hochstapelei oder gar Genialität zu tun hat.

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10. COMPLIANCE UND DER ERFOLG ODER MISSERFOLG EINER HUNDE-THERAPIE

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Warum scheitern gelegentlich Therapien oder wann sind sie erfolgreich?

Was ist Compliance?

In der Humanmedizin bezeichnet Compliance eines Patienten dessen kooperatives Verhalten im Rahmen einer vom Arzt verordneten Therapie. Wenn der Patient die Empfehlungen und Ratschläge des Arztes konsequent befolgt, sich also therapietreu verhält, spricht man von einer guten Compliance. Laut Weltgesundheitsorganisation trifft eine solche aber nur auf 50% der Patienten zu. Mit anderen Worten: Nur die Hälfte der Patienten ist ernsthaft bereit, die Therapie des Arztes oder Therapeuten zu unterstützen und sich gegen ihre Krankheit zu wehren.

Worin liegen die Gründe?

Die dazu durchgeführten Studien ergeben eine ganze Bandbreite an Ursachen. Sie reichen von Vergesslichkeit oder mangelnde Organisationsfähigkeit des Patienten im Alltag über Bequemlichkeit ob des Aufwandes bis hin zum unzureichenden Verstehen der vom Arzt gegebenen Anweisungen.

Treffen diese Erkenntnisse auch auf die Mensch-Hundetherapie zu?

Meine Erfahrungen aus der Praxis der Hundetherapie bestätigen diese Erkenntnisse. Es handelt sich zwar nur um wenige Fälle des Misserfolges, aber immerhin. Ihre Ursachenanalyse belegen eindrucksvoll einen nahezu 100%-igen Anteil an Non-Compliance, also das Nichtbefolgen meiner Handlungs- und Verhaltensempfehlungen durch die Hundebesitzer(innen).

Und solche Erkenntnisse stimmen mich als Trainer durchaus traurig, denn die daraus resultierenden Misserfolge beschädigen nicht nur meinen Ruf als erfolgreichen Therapeuten, sondern führen bei meinen Kunden zu Frustration. Und das ist deshalb besonders ärgerlich, weil viele der Kunden, die zu mir kommen, ohnehin schon frustriert sind, weil sie bereits einen deprimierend erfolglosen Marathon an Hundeschulbesuchen hinter sich haben und nun nahezu verzweifelt mich im Sinne des „Nach-dem-letzten-Strohhalm-Greifens“ um Hilfe bitten.

Meine Methode basiert auf der Ethologie und Psychologie:

Da ich im Rahmen umfangreicher Studien zur Ethologie und Tierpsychologie eine sehr erfolgreiche Therapiemethode entwickeln konnte, mittels derer nahezu alle Verhaltensauffälligkeiten in sehr kurzer Zeit, gewöhnlich in nur einer einzigen Trainingseinheit, beseitigt werden können, ist es enttäuschend für mich, wenn die sehr schnellen Erfolge, die teilweise zu euphorischen Reaktionen der Kunden führen, durch ihre Non-Compliance zunichte gemacht werden. Doch der Erfolg dieser Methode ist nun einmal unlösbar mit der Therapietreue des Kunden verknüpft.

Beispiele des Non-Compliance:

Eines der häufig anzutreffenden Non-Compliance-Merkmale ist die Inkonsequenz, begründet meistens in der Bequemlichkeit der Hundebesitzer. Wenn beispielsweise der Hund soziale Regeln lernen soll und deren Einhaltung nur ab und zu eingefordert wird, beispielsweise situationsabhängig, weil es dem Hundebesitzer jetzt gerade genehm ist oder eben auch nicht, bringt man den Hund in einen Konflikt, auf den er zwangsläufig wieder in gewohnter und verhaltensauffälliger Weise reagieren muss. Ein Hund ist kognitiv nicht in der Lage, die Kausalität und Bedingungen der unterschiedlichen Situationen einzuschätzen, warum er sich gestern an diese Regel halten sollte und heute nicht. Ein ebenso häufig anzutreffendes Beispiel ergibt es aus der Schutzfunktion, die der Rudelführer Mensch dem Hund gegenüber wahrzunehmen hat. Wenn der Mensch ihm nur ab und zu das Gefühl, beschützt zu werden, vermittelt, kann sich daraus sogar für den Hund ein erhebliches Stressniveau ergeben.

Die Quintessenz und ein Axiom:

Die Therapiemethode, die ich anwende, basiert nicht nur auf theoretisch wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern ebenso auf empirischen Studien und kann als sehr effizient und erfolgreich bewertet werden. Aber ihr nachhaltiger Erfolg, also die Überführung der relativ kurzfristig und schnell erzielten positiven Ergebnisse in eine lang andauernde Stabilisierung in Form des sozial konformen Verhaltens des Hundes, hängt entscheidend von der konsequenten Einhaltung der Verhaltensregeln durch den Hundebesitzer ab. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole, erlaube ich mir an dieser Stelle noch einmal das erwähnen eines Axioms: Das Verhalten des Hundes ist nur eine Konsequenz aus dem Verhalten des Hundeführers. Wenn Herrchen oder Frauchen will, dass sich das Verhalten ihres Hundes ändert, müssen sie im Sinne von Ursache und Wirkung zuvor ihr eigenes Verhalten ändern.

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9. DER VERSUCH EINER SIMPLIFIZIERUNG

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Die Reinkarnation der simplen Hundeerziehung

Eine völlig resignierend wirkende Kundin fragte mich ziemlich genervt, ob ich ihr nicht mit ein paar wenigen Worten, ohne im Urschleim zu wühlen, erklären könne, wie sie ihren nervenden Hund endlich zur Räson bringe. Er zeige alle Verhaltensauffälligkeiten, die man sich denken könne. Er zerre nicht nur an der Leine, er sei sogar aggressiv, kläffe jeden an usw. Sie könne aber mittlerweile die sinnlosen Hundeschulbesuche schon nicht mehr zählen, geschweige denn die ellenlangen Vorträge ertragen, die man ihr dort halte und verstehe das sich widersprechende Gelaber mittlerweile überhaupt nicht mehr. Überall erzähle man ihr was anderes, weil die Hundeerziehung angeblich ein sehr komplizierter und komplexer Prozess sei et cetera. Die einen hätten ihr geraten, es mit Leckerlies zu versuchen und die anderen mit Strafe. Und einer dieser selbsternannten Hundeflüsterer habe ihr sogar empfohlen, sich von dem Hund zu trennen. Aber das wolle sie nun mal nicht, denn sie liebe ihn ja, auch wenn er so eine Nervensäge sei.

Nachdem es mir gelungen war, sie ein wenig aufzumuntern und sie wieder lächeln konnte, scherzte ich, ob ich es denn vielleicht, wenn schon nicht mit wenigen Worten, dann doch aber wenigstens in zwei Hauptsätzen, getrennt durch ein „und“ versuchen könne. Worauf sie lächelnd erwiderte, dass sie sich diese beiden Sätze vielleicht gerade noch merken könne.

Und somit habe ich ihre Problemlösung mit zwei Hauptsätzen auf den Punkt gebracht im Bemühen, der Simplifizierung gerecht zu werden:

  1. Sie müssen eigentlich nur ihrem Hund in allen Alltagssituationen Schutz bieten und
  2. ihn von jeglicher Ressourcenverantwortung entbinden.

„Ah ja, so einfach? Und das ist alles?“ Ihre verdutzt wirkende Mine, gepaart mit einer riesigen Portion Skepsis war nicht zu verkennen. Da ich sie aber mit dieser kurzen Antwort offensichtlich neugierig gemacht hatte und motivieren konnte, sich das Ganze noch etwas erläutern zu lassen, gab sie mir dazu die Chance. Und ich versprach ihr, außerhalb des Urschleims zu beginnen:

Wobei ich zugeben muss, dass meine Ausführungen so etwas wie einen zarten Geruch von Urschleim haben. Aber die Kundin demonstrierte jetzt doch wieder ein wenig Toleranz. Und so konnte ich ihr erklären, dass der Schlüssel zu ihrem Problem das Verstehen zweier Grundsätze sei:

  1. Sie als Hundebesitzerin sollten versuchen zu verstehen und die sich daraus ableitenden Konsequenzen zu akzeptieren, dass jegliches Verhalten ihres Hundes sich an ihrem Verhalten als Hundeführerin orientiert. Der Hund macht nichts, ohne nicht durch ihr Verhalten dazu veranlasst worden zu sein. Demzufolge ist all sein Tun und Lassen, ob sie es nun als auffällig oder aggressiv empfinden oder auch nicht, aus Sicht des Hundes alles andere als auffällig oder aggressiv. Es ist aus seiner Position betrachtet sogar das normalste Verhalten auf dieser Welt, denn sie haben es offensichtlich von ihm so und nicht anders verlangt. Er kann demzufolge darin gar kein falsches Verhalten erkennen, geschweige denn sein Verhalten verändern. Warum sollte er auch? Im Gegenteil, er wähnt sich sogar immer im völlig korrekten Verhalten. Somit hilft der Versuch, sein Verhalten mittels Leckerlies oder sonstigen Trixereien ändern zu wollen, nur der Leckerlieindustrie und vielleicht dem Tierarzt, Geld zu verdienen. Dem Hund und ihnen jedenfalls nicht. Unter diesen Umständen müssen sie zu Beginn einer Therapie oder eines Trainings erst einmal ihr eigenes Verhalten als falsch erkennen und ändern, damit der Hund auch sein Verhalten ändert. Aus diesem Axiom resultiert die bekannte Weisheit, dass eigentlich nicht der Hund erzogen werden müsse, sondern der Mensch!

Ein Beispiel:  Nehmen wir an, es würde sie stören, wenn ihr Hund jeden, der sich ihrem Grundstück auch nur nähert, mit einem riesigen Getöse anbellt. Wenn sie jetzt ihren Hund beschimpfen würden, er solle damit gefälligst aufhören, würde ihr Hund die Welt nicht mehr verstehen. Sie laufen sogar Gefahr, dass ihr Hund in einen solchen Konflikt gerät, dass er tatsächlich Symptome von mentalen Störungen entwickelt. Warum? Wenn ihr Hund andere Menschen oder sonstige Spezies von ihrem Grundstück verbellt, ist dies ein untrügliches Indiz, also ein symptomatisches Merkmal dafür, dass sie ihm offensichtlich die Verantwortung für die Ressource Grundstück übertragen haben. Ob sie dies nun bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt getan haben ist völlig uninteressant. Sie haben jedenfalls faktisch durch ihr Verhalten ihm die Aufgabe übertragen, dieses Revier vor jeglichen Gefahren zu beschützen. Wenn sie es nicht getan hätten, würde er es auch nicht tun. Ein Hund bellt nicht aus Jux und Tollerei. Wenn er jetzt jeden, der sich diesem zu verteidigenden Revier nähert, versucht in die Flucht zu schlagen, zeigt er kein auffälliges oder gar unerwünscht aggressives Verhalten, sondern macht ganz einfach nur seinen Job. Sie sollten ihn dafür loben anstatt zu beschimpfen.

  1. Jegliches Verhalten ihres Hundes ist durch seine drei Grundbedürfnisse und deren Befriedigungsabsichten begründet. Der Einfachheit halber können wir hier die beiden Bedürfnisse nach Stoffwechsel, also Nahrung, und das nach Fortpflanzung sogar beiseitelassen. Denn einerseits sind sie entweder grundsätzlich befriedigt und bewirken deshalb kaum eine Verhaltensauffälligkeit oder haben nur temporär, wenn wir an die Läufigkeit denken, Einfluss auf das Verhalten. Diese beiden Grundbedürfnisse spielen jedenfalls im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeit, also dem Verhalten ihres Hundes, welches ihr Zusammenleben empfindlich stört, so gut wie keine Rolle und können deshalb ignoriert werden. Bleibt also nur ein Bedürfnis übrig, welches uns im Zusammenhang mit dem „nervenden“ Verhalten ihres Hundes interessieren sollte. Und das ist sein Grundbedürfnis nach SicherheitDemzufolge ist jede Verhaltensauffälligkeit ihres Hundes durch sein nicht befriedigtes Sicherheitsbedürfnis begründet.

Es gibt nur zwei Situationen, in denen ihr Hund sein Sicherheitsbedürfnis bedroht sieht: Wenn er tatsächlich Sorge um seine eigene physische Unversehrtheit hat oder wenn sie ihm die Verantwortung für eine Ressource übertragen haben, die er verteidigen muss. Dazu zählt auch ihre Sicherheit, die er meint gewähren zu müssen, wenn sie ihm Schwäche oder Unsicherheit signalisieren.

Deshalb liegt die Lösung aller Probleme, die sich wie zuvor nachgewiesen als nur vermeintliche Verhaltensauffälligkeiten entpuppen, darin, ihr eigenes Verhalten dahingehend zu ändern, ihrem Hund diese Sorgen zu nehmen und für zwei Dinge zu sorgen:

Bieten sie ihrem Hund in allen Lebenssituationen Schutz, so dass er nicht selbst dafür sorgen muss, und entbinden sie ihn von  jeglicher Verantwortung für irgendeine Ressource.

Und der Hund wird ihnen wie ausgetauscht vorkommen.

Wie das in den vielen Alltagssituationen aussehen sollte, zeige ich ihnen gerne in einer einzigen Trainingseinheit. Mehr Zeit benötigen wir dafür nicht.

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8. DIE KRITISCHEN ENTWICKLUNGSPHASEN DES HUNDES

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oder wann können Herrchen und Frauchen etwas falsch machen?

Kunden, die zu mir kommen mit der Bitte, ihnen zu helfen, weil ihr Hund aggressiv sei, reagieren in der Regel irritiert, wenn ich sie im Rahmen der Ursachenklärung frage, wovor denn ihr Hund Angst habe. Reflexartig kommt dann die Antwort, mit der man mich korrigieren will: „Nein, nein, mein Hund ist nicht ängstlich, im Gegenteil, er ist aggressiv!“

Offensichtlich unterstellt man nur selten, dass die Ursache von Aggressionen auch in der Angst des Hundes begründet sein kann. Das liegt wahrscheinlich an der Assoziation, die der Begriff Aggression  vermittelt. Hier geht man eher von einer vom Aggressor aktiv ausgehenden Angriffshandlung aus und nicht von einer Abwehrhandlung wie es die Angst vermuten lässt.

Jede Aggression ist eine Verteidigung

Fakt ist aber, dass jedwede aggressive Reaktion, wie der Begriff es schon andeutet, eine Reaktiondes Hundes auf einen äußeren Stimulus ist, der für ihn entweder eine Gefahr oder eine Bedrohung signalisiert und deshalb eine physiologische Reaktion bewirkt. Anders ausgedrückt: Jede Aggression ist eine Verteidigung. Sei es die Verteidigung der physischen Unversehrtheit, die durch Angst stimuliert oder die Verteidigung jedweder Ressource, die durch eine Bedrohung seiner Nahrung, seines Besitzes oder seines Territoriums ausgelöst wird. Eine Ausnahme besteht nur im Rahmen der Jagdaggression. Diese ist aber mit den sonstigen nicht zu vergleichen, da sie andere Entwicklungssequenzen durchläuft.

Die häufigste Aggression ist die Angstaggression

Die häufigste Aggressionsart – zumindest bei meiner Klientel – ist die, die durch Angst ausgelöst wird. Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Gründe, deren Folgen auch in sehr unterschiedlichen Lebensphasen des Hundes erworben sein können. Daher ist es für die Hundehalter(innen) von Bedeutung zu wissen, wann ihr Schützling in seinem Leben sensible und ihn prägende Phasen durchläuft, in denen möglichst „kein Unsinn“ passieren sollte.

Die prägenden Entwicklungsphasen des Hundes

Das hündische Leben startet mit der so genannten neonatalen  Phase (neonatal – das Neugeborene betreffend), die bis zum 12. Lebenstag reicht. In der daran anschließenden transitionalen Phase (Übergangsphase), die bis zum 21. Tag verläuft, erfolgt eine starke neurologische Entwicklung.

Der Beginn der Sozialisation

Die ersten prägenden Dummheiten können passieren zwischen der dritten und fünften Woche. Hier verfügen die Welpen bereits über sensorische und auch motorische Fähigkeiten und signalisieren Aufgeschlossenheit gegenüber sozialen Interaktionen. Dann sollte kein traumatisierender Unsinn passieren, indem man ihn dem Risiko sozialer Bösewichter aussetzt.

Die zweite Phase der Sozialisation läuft zwischen der sechsten bis zur zwölften Woche; eine kritische Phase im Rahmen der Entwicklung sozialer Anpassungen. Hier zeigen Hunde schon ängstliches Verhalten vor ihnen bisher unbekannten Stimuli. Dies ist eine sehr wichtige Zeit der Anpassung an jegliche Umweltreize. Wenn der Hund später eine hohe Flexibilität, ähnlich der eines Phlegmatikers, gegenüber allen möglichen und unmöglichen Reizen, gegenüber unterschiedlichen Artgenossen oder Menschen an den Tag legen soll, dann sollte er während dieser Zeit solche Reize möglichst im Überfluss mit absoluter Abwesenheit von Angst nahezu inhalieren. Während dieser Phase stellt sich, wenn alles klappt, ein Ausgleich zwischen neugierigem Interesse und vernünftiger Angst her.

Ich rate jedem, der einen künftigen Behindertenbegleithund oder einen Spezialisten mit ähnlich gelagerter Aufgabe haben will, diese Phase sehr fürsorglich zu absolvieren. Denn hier werden seine wichtigen Wesensmerkmale, die er für seine spätere Aufgabe benötigt, programmiert.

Wird der Hund später Angsthase oder Aggressor?

Zwischen der zehnten und sechszehnten Woche kommt es zur Herausbildung sozialer Hierarchien. Und was besonders wichtig ist, ist das Verständnis für Ressourcen, welches sich jetzt etabliert. Denn jetzt lernt der Hund unterschiedliche Variationen des Aggressionsverhaltens einschließlich der Beißhemmung. Eine kritische Phase, falls jemand jetzt auf die nicht sehr witzige Idee kommt, ihn in eine Welpenspielgruppe zu schicken. Dann sollte jedem klar sein, dass der kleine Welpe unter Umständen ein traumatisierendes Erlebnis erfährt und so sein Leben lang entweder der typische Angsthase oder Aggressor sein wird. Ich rate jedenfalls dringend davon ab. Lernen fürs Leben sollte der kleine und künftige Held lieber unter fürsorglicher und im Falle des Falles sofort beschützend eingreifender Aufsicht von Herrchen und Frauchen in individuellen Kontaktaufnahmen zu Seinesgleichen oder anderen Spezies.

Erlerntes Angstverhalten im späteren Alter beruht auf dem Fehlverhalten von Herrchen und Frauchen

Ist die Angstaggression erst im Hundeerwachsenenalter entstanden, liegt der Grund in einer ihm zugebilligten zu großen Entscheidungsbefugnis. Und die hat er dadurch, dass Herrchen oder Frauchen ihm entweder zu viele Ressourcen zugesteht, für die er die Verantwortung trägt, oder – und das ist die mit Abstand häufigste Form eines zu großen Entscheidungsspielraumes – ihm keinen ausreichenden Schutz bietet; er also selbst für seine Sicherheit zu sorgen hat. Seine dann gezeigten Angstreaktionen nennt Herrchen und Frauchen dann Aggressionen; er selbst würde,  wenn man ihn fragen könnte, das Ganze aber ganz anders bezeichnen: Mein Recht auf Selbstverteidigung.

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7. STRESSABBAU DURCH RANGREDUKTION

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„Rangreduktion versus Stressabbau!“

oder

ein weiteres Missverständnis!

Ähnlich wie die Vorführleine durch Unkenntnis und Halbwissen als Würgeleine diskriminiert  oder der Alphawurf völlig missinterpretiert wird, tauchen neuerdings tendenziös kritische Stimmen zur Therapiemethode der Rangreduktion auf. Jüngst habe ich eine solche gelesen mit der Überschrift: „Rangreduktion versus Stressabbau“.

Dazu gebe es vieles richtig zu stellen, so dass es mir schwer gefallen ist zu entscheiden, wo ich vernünftigerweise beginnen soll.

Fangen wir deshalb mit der falschen Semantik an:

Rangreduktion versus Stressabbau ist nämlich ein Widerspruch in sich.

Beides als versus – also sich gegenüberstehend – darzustellen, zeugt von einer Fehlinterpretation beider Sachverhalte. Das genaue Gegenteil ist nämlich der Fall: Denn der Stressabbau ist das entscheidende Mittel und eine wichtige Methode, um das Ziel der Rangreduktion überhaupt zu erreichen. Beides steht sich also nicht gegenüber, wie behauptet, sondern bedingt sich kausal. Anders ausgedrückt: Die Rangreduktion als Therapiemethode wird entscheidend durch den Stressabbau generiert, da der Stress eine wichtige Ursache für verschiedene Verhaltensauffälligkeiten ist. Und der Stress ergibt sich wiederum aus einer nicht geklärten Rangordnung. Wer eine Rangreduktion im Rahmen der Therapie eines verhaltensauffälligen Hundes anstrebt, muss zwingend am Beginn seiner Therapie die Quellen des Stresses beseitigen.

Eine der Quellen für Stress

Eine solche Quelle für Stress ist der Umstand, wenn die eigentliche dem Hund vom Menschen zugestandene und gewollte Position in der Rangordnung tatsächlich nicht mit der ihm real übertragenen Verantwortung und dem damit ihm zugestandenen Entscheidungsspielraum übereinstimmt; wenn der Hund also eine Verantwortung übernehmen muss, die seiner Position nicht entspricht und eigentlich dem Ranghöheren, also seinem Besitzer obliegt.

Wie kommt es aber nun zu einer solchen Fehlinterpretation?

 Die Ursachen sind vielschichtig. Zum einen ist der Begriff Rangreduktion offensichtlich negativ belegt, indem er fälschlicherweise Assoziationen wie Unterdrückung, Gewalt oder Zwang generiert. Zum anderen wird die Bedeutung einer Rangordnung für ein intaktes Rudel entweder gar nicht erkannt oder fehlinterpretiert. Und nicht zuletzt wird die Kausalität zwischen einer nicht geklärten Rangordnung und den sich daraus für den Hund ergebenden Stressfaktoren verkannt. Aber ich vermute auch, dass ein Grund für eine solche momentan tendenziöse Ablehnung der Therapiemethode Rangreduktion darin begründet ist, ein zeitgemäßes Klischee bedienen zu wollen. Man glaubt offensichtlich, beim Tierliebhaber Sympathien zu erhaschen mit wohlfeilen Begrifflichkeiten wie Freundschaft, Liebe, Gleichberechtigung oder Partnerschaft. In Wirklichkeit tut man dem Hund damit aber keinen Gefallen, sondern ausschließlich seinem eigenen Ego.

Die Rangreduktion als legitime Therapiemethode bei aggressiven Hunden

Zu den unterschiedlichen Arten von Aggressionen gibt es eine sehr schöne Doktorarbeit von Frau Lucille Sita Habs aus dem Jahre 2012, die sie an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München eingereicht hat, und in der sie u.a. eine Darstellung der möglichen Therapieformen vornimmt. Neben der Gegenkonditionierung,  Desensibilisierung, dem Flooding, Managementmaßnahmen und der medikamentösen Therapie und den chirurgischen Eingriffen wird auch die Rangreduktion treffend beschrieben.

Die Rangreduktion kommt der Natur des Hundes am nächsten

Ich mache keinen Hehl daraus, dass nach meinen Kenntnissen und Erfahrungen letztere die effizienteste ist, weil sie den natürlichen und ureigensten Interessen des Hundes am nächsten kommt. Und dies begründe ich damit, dass sie keiner Konditionierung bedarf. Denn die Rangreduktion gehört zur Erziehung des Hundes und nicht zur Ausbildung. Und eine Erziehung mittels Leckerlies oder ähnlicher Konditionierungsmittel, wie sie bei der Ausbildung oder der Dressur zu gerne verwendet werden, ist bei einer Erziehung oder Resozialisierung meistens zum Scheitern verurteilt oder zumindest nur kurzlebig hinsichtlich ihres Erfolges.

Warum liegt die Rangreduktion im Interesse des Hundes?

Es gibt zwei entscheidende Sachverhalte, die die Natur und das Wesen des Hundes ausmachen: Zum einen ist der Hund durch seine Domestikation zu einem willentlichen Befehlsempfänger des Menschen geworden. Diese Rolle hat er nicht uneigennützig angenommen, sondern aus sehr pragmatischen Gründen. Denn er hat dadurch die Sicherstellung seiner Grundbedürfnisse, insbesondere das nach Nahrung und das nach Sicherheit, abgesichert. Daraus ergibt sich eine schwer wiegende Konsequenz: Er ist nicht, und will es vor allem auch gar nicht sein, ein gleichrangiger Partner des Menschen. Denn er ist auch nach seiner Domestikation eines geblieben: Nämlich – und damit zum zweiten Sachverhalt – ein Rudelwesen, der das Rudel als die optimalste Variante im Überlebenskampf, also für die Gewährleistung der Bedürfnisbefriedigung, nicht nur akzeptiert, sondern aus ureigensten Interessen sogar fordert. Und ein Rudel ist im Überlebenskampf nur dann erfolgreich, wenn es hierarchisch strukturiert ist. Denn das Gegenteil wäre Anarchie und führt zum Chaos und lässt das Rudel scheitern.

Aus beiden Sachverhalten ergibt sich eine wichtige Schlussfolgerung: Wenn der Mensch mit dem Hund konfliktfrei zusammenleben will, muss der Mensch zwingend die Rolle des Rudelführers, also des Ranghöheren übernehmen und vor allem ausfüllen. Und dazu gehört nicht nur, dass er dem Hund gegenüber Privilegien besitzt, wie eine wesentlich größere Entscheidungsbefugnis, sondern insbesondere auch Pflichten. Und zu diesen zählt seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Sicherheit des Hundes zu gewährleisten.

Die schlimmen Folgen einer Nichtwahrnehmung der Verantwortung des Rudelführers Mensch

Der Hund ordnet sich aus einem ureigenen Interesse freiwillig dem Willen des Rudelführers Mensch unter, wenn er dies als sinnvoll erachtet, also seine Bedürfnisbefriedigung dadurch gewährleistet  sieht. Befördert wird diese freiwillige Unterordnung noch dadurch, dass die Übernahme einer ranghöheren Position  immer mit einem höheren Stressfaktor – weil mehr Verantwortung –  verbunden und demzufolge nur von wenigen selbstbewussten und entscheidungsfreudigen Spezies angestrebt wird. Eine rangniedere Position, die zwar gleichbedeutend ist mit einer stark eingeschränkten Entscheidungsbefugnis, entlastet im Gegenzug aber die Psyche des Hundes und gewährleistet ihm eine weit gehende Stressfreiheit. Deshalb sind die meisten Hunde gar nicht so ungern in der rangniederen Position, denn sie können sich jetzt dem Luxus eines weitestgehend von Verantwortung freien und entspannten Lebens hingeben. Messungen des Stresshormons Cortisol in Wolfslosungen habe dies eindrucksvoll belegt: Bei den Rudelführern ist dieser nämlich um ein Vielfaches höher als bei den übrigen Rudelmitgliedern.

Zu einem Problemverhalten des Hundes kommt es aber immer dann, wenn der Mensch als Rudelführer versagt und der Hund deshalb selbst für seine Bedürfnisbefriedigung – insbesondere seine Sicherheit –  sorgen muss. Das ist der Fall, wenn der Mensch dem Hund einen zu großen Entscheidungsspielraum und Verantwortungsbereich überlässt, beispielsweise beim Vor-ihm-herlaufen-Lassen in fremden Gebieten, oder wenn er ihn vor sich durch eine Tür in einen unbekannten Raum gehen lässt oder sich selbst bei Annäherung fremder Hunde, die als Nahrungs- oder Revierkonkurrenten wahrgenommen werden, nicht zwischen diese und seinen Schutzbefohlenen bringt. Dann kommt es zu einem eklatanten Konflikt: Einerseits verlangt der Mensch die Unterordnung des Hundes, und der Hund will dies auch, aber andererseits soll er jetzt Entscheidungen für seine eigene Sicherheit treffen, die ihm aufgrund seiner Unterordnung aber gar nicht zustehen.

Das entscheidende Kriterium einer erfolgreichen und sinnvollen Rangreduktion

 Eine Rangreduktion als Therapiemethode insbesondere von Hunden mit Angstaggressionen, territorial bedingten Aggressionen und rangbezogenen Aggressionen ist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn die Kausalität zwischen Ursache und Wirkung beachtet und nicht verwechselt wird. Es wäre also nicht im Sinne einer erfolgreichen und vor allem sinnvollen Therapie, wenn beispielsweise zunächst durch Zwang, Druck oder gar Gewalt das Tier zum Unterordnen bewegt wird und dann erst die Ursachen der Aggressionen beseitigt werden. Das wäre ein Verwechseln von Ursache und Wirkung und führt statt zu einer Therapie nur zu einem: Vertrauensverlust zwischen Mensch und Hund. Wenn die Therapie von Erfolg gekrönt sein soll, beseitigt man sinnvollerweise als erstes die Ursache. Und die liegt in der Regel im Widerspruch zwischen angedachter Rudelstellung und der übertragenen – gewollt oder ungewollt – Verantwortung für seine Sicherheit oder die des Territoriums oder gar des ganzen Rudels mit dem sich daraus ergebenden Stress. Wenn ich als Therapeut dem Hund unmissverständlich durch meine Körpersprache und mein Handeln zu verstehen gebe, dass ich ab sofort nicht nur willens sondern auch tatsächlich in der Lage bin, für seine Sicherheit zu sorgen, sollte es mit dem Teufel zugehen, wenn der Hund sich nicht auf der Stelle mir unterordnet. Denn nochmals: Das Unterordnen liegt in seinem ureigensten Interesse und hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Gewalt oder Zwang zu tun, sondern ausschließlich mit Freiwilligkeit.

Summa summarum:

Wenn Herrchen oder Frauchen ihrer Verantwortung als Rudelführer(in) voll umfänglich gerecht werden und ihrem Schutzbefohlenen Tier die Sicherstellung seiner Grundbedürfnisse nach Nahrung und Sicherheit in allen Lebenssituationen zuverlässig gewährleisten, ergibt sich daraus zwangsläufig – und seitens des Hundes völlig freiwillig – eine Rangordnung im Rudel Familie, in der sich der Hund an unterster Stelle befindet. Denn es entspricht seinem Wesen als domestiziertes Rudeltier.

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6. DIE FALSCHE ASSOZIATION EINER RANGORDNUNG

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oder

die Metapher einer Skigruppe.

Wenn ich meinen Kunden, die mit einem verhaltensauffälligen Hund zu mir kommen, die Wichtigkeit einer intakten Rangordnung in ihrem “Rudel” Familie für eine erfolgreiche Therapie vermitteln will, stoße ich oftmals auf ein zögerliches Verständnis. Weniger ob ihrer Wichtigkeit, sondern vielmehr hinsichtlich der Botschaft, die der Begriff Rangordnung offensichtlich vermittelt.  Diese Begrifflichkeit ist negativ belegt und vermittelt eine Vorstellung von Unterdrückung des Tieres verbunden vielleicht sogar mit Zwang oder gar Gewalt. Befördert werden solche falschen Vorstellungen u.a. durch Begrifflichkeiten wie “Rangreduktion” als Therapiemethode. Hierzu gibt es auch relativ junge wissenschaftliche Erkenntnisse, die endlich Schluss machen mit dem Klischee des angeblichen Dominanzstrebens des Hundes.

Die Rangordnung bildet sich nicht durch Gewalt heraus

In Wirklichkeit hat die Entwicklung einer Rangordnung aber nur selten etwas mit Zwang geschweige denn Gewalt zu tun. Zugegeben, ein selbstbewusster Hund wird auch hier und da einmal ein Verhalten an den Tag legen, welches den Anschein erweckt, er versuche, seine Position in der Rangfolge der Familie zu „hinterfragen“. Aber das ist meistens nur eine natürliche Reaktion auf die “Schwäche” der “Eltern”, also des Menschen, der nicht ausreichend das Vertrauensverhältnis zwischen beiden rechtfertigt.  Und in der Natur gibt es auch einmal in einem Rudel ein paar Scharmützel,  wenn zwei gleich selbstbewusste, intelligente und entscheidungsfreudige Helden aufeinander treffen und um eine Führungsposition konkurrieren.

Ein schwacher “Elternteil” ist das Problem

Ärger gibt es immer dann, wenn derjenige, der eine Führungsrolle einnehmen will, die dafür notwendigen Persönlichkeitskriterien oder die damit verbundenen Pflichten gar nicht erfüllt. Eine solche Witzfigur findet aber bei den “Rudelmitgliedern” keine wirkliche Akzeptanz und wird früher oder später zum Teufel gejagt. Und deshalb wird das Ganze problematisch, wenn der Mensch im Rudel Familie die “Elternschaft” zwar übernehmen will – was er übrigens auch zwingend tun sollte, um konfliktfrei mit dem Hund zusammenleben zu können, denn dieser ist durch die Domestikation zu einem willentlichen Befehlsempfänger geworden – aber diese Führerschaft nicht tatsächlich ausfüllt. Und dazu zählt in besonderem Maße die Gewährleistung der Bedürfnisbefriedigung des Hundes nach Sicherheit.

In jeder Gruppe Gleichartiger bildet sich eine Struktur

In der Regel ist die Struktur in einem Rudel aber vielmehr das Ergebnis eines relativ unspektakulär ablaufenden Entwicklungsprozesses, der im Einvernehmen aller Rudelmitglieder  und weitestgehend ohne Zwang erfolgt. Denn das Rudel hat sich im Rahmen der Evolution nicht aus Jux und Tollerei entwickelt, sondern weil es die erfolgreichste Organisationsform im Überlebenskampf gleichartiger Wesen ist. Ein Rudel und die sich dabei herausbildende Struktur liegt also in ihrem ureigensten Interesse, ähnlich der Entwicklung, die sich beispielsweise in einer Skigruppe vollzieht, wenn sich Freunde oder Bekannte, die so etwas noch nie praktiziert haben, entschließen, gemeinsam eine Skitour zu unternehmen.

Die Metapher von einer Skigruppe

Stelle man sich die Situation einmal vor, wie sie sich entwickelt, wenn diese Gruppe von Menschen an der Bergstation aussteigt und nach und nach jedes Gruppenmitglied ihre Ausrüstung angelegt hat und nun bereit ist zum Starten. Und zu allem „Unglück“ wurden zuvor keinerlei Absprachen für das Realisieren des gemeinsamen Unterfangens getroffen. Das einzige, was sie alle vereint, sind ihre Grundbedürfnisse. Und dazu zählt in erster Linie das sichere und verletzungsfreie Erreichen der Talstation.

Als erstes hört man jetzt sicherlich von einigen die Frage: „So, wo geht’s nun lang?“ Jetzt drucksen die meisten für kurze Momente rum und geben zögerlich nacheinander ihre Ideen preis. Manche sagen aber auch gar nichts. Schnell wird klar, dass es zwar die ein oder andere scheinbar gute Idee gibt, aber nur wenig Übereinstimmung. Das ganze dauert eine Weile und droht sogar in Erstarrung zu enden, bis schließlich einer der Gruppenmitglieder in einer offensichtlich überzeugenden Art und Weise sagt, wo es lang zu gehen hat. Selbst wenn es noch einige alternative Versuche einzelner Rudelmitglieder gibt, wird sich die Mehrheit dem überzeugend Wirkenden anschließen, obwohl in diesem Moment, wenn man sie fragen würde, kaum jemand rational begründen könnte, warum.

Aber hierfür gibt es eine plausible Erklärung: Da alle Gruppenmitglieder ein und das selbe Ziel haben und dabei ihre gleichartigen Bedürfnisse befriedigt sehen wollen, werden alle demjenigen folgen, der ein paar wichtige Kriterien erfüllt, die den Eindruck hinterlassen, dadurch ihre Bedürfnisbefriedigung am wahrscheinlichsten realisiert zu sehen. Allerdings kann dieser Eindruck bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich subjektiven Charakter haben. Denn eine rational begründete Zustimmung könnte ja jetzt noch niemand geben, da dafür bereits überprüfbare Erfolge seiner Entscheidung vorliegen müssten. Über diese Kenntnisse verfügt aber noch niemand, wenn alle zuvor noch keine gemeinsame Skitour absolviert haben. Also muss etwas anderes ausschlaggebend sein.

Die Bedeutung der Persönlichkeitsmerkmale für eine Leitfigur

Und das sind seine Persönlichkeitsmerkmale: Nämlich seine Entscheidungsfreude – im wahrsten Sinne des Wortes, Freude am Treffen von Entscheidungen zu haben – ; sein selbstbewusstes und selbstsicheres Auftreten und Vorbringen seines Vorschlages in einer Art und Weise, die keinen Zweifel an seiner eigenen Überzeugtheit von der Richtigkeit zulassen und diesen dadurch schon nicht mehr als Vorschlag erscheinen lässt, sondern eher als eine Anweisung; und sein Mut, Entscheidungen zu treffen verbunden mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen für die Gewährleistung der Bedürfnisbefriedigung aller Gruppenmitglieder.

Die unterschätzte Konsequenz einer Führungsposition

Aber was oftmals vergessen oder unterschätzt wird, ist seine Bereitschaft, den Stress auf sich zu nehmen, der mit der Übernahme der Führungsrolle einhergeht. Denn diese ist nicht nur mit dem Privileg der größten Entscheidungsbefugnis verbunden, sondern in einem weit unterschätzten Potential an psychischer Belastung bis hin zum puren  Stress. Das ist auch der Grund, warum die meisten Gruppenmitglieder heil froh sind, dass jemand die Führung, und damit verbunden die Verantwortung und den Ärger, übernimmt. Denn so können sie sich den puren Luxus eines völlig entspannten und stressfreien Hinterherfahrens gönnen.

Wenn ich meinen Kunden diese Metapher erzählt habe, leuchtet ihnen in der Regel sofort ein, dass es für ihren Hund ausnahmslos nur Vorteile hat, sich der Führung des Menschen unterzuordnen. Diese vom Hund selbst getroffene Entscheidung stellt sich für ihn jedenfalls auf gar keinen Fall als Zwang dar.

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5. DIE “ZAUBERLEINE”

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(Achtung: Aufmerksame Leser haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Textpassage zur Beschreibung der Vorführleine im Kontext mit dem Begriff “Würgeleine” missverständlich war. Deshalb habe ich den nachfolgenden Text überarbeitet mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die hier beschriebene Vorführleine nur fälschlicherweise als Würgeleine beschrieben wird, da sie ihr ähnlich sieht, aber nicht mit ihr identisch ist. Die von mir nur unter sehr begrenzten Umständen mit einer positiven Bewertung belegten Vorführleine hat konstruktiv nichts mit der Würgeleine zu tun.)  

Die „Zauberleine“ oder ein Plädoyer pro Vorführleine – erzählt aus der Perspektive eines ehemaligen „Problemhundes“:

„Ich bin ein ehemals  ‚verhaltensauffälliger Problemhund‘ – wie mein Herrchen mich bezeichnet. Dabei stellte sich bei meiner ‚Resozialisierung‘ sehr schnell heraus, dass mein sogenanntes Problem gar nicht in meinem Wesen begründet war, sondern lediglich – wie in den meisten Fällen – im Fehlinterpretieren meiner völlig natürlichen Reaktion auf völlig falsche Verhaltensweisen meines Herrchens. Ich will dazu eine kleine Geschichte erzählen anhand der so genannten Zauberleine, die ich bei meinem Hundetrainer kennenlernen durfte und bis heute mag:

Die Kenner der Leine teilen sich in Freund und Feind

Die allgemein als Vorführleine oder mit allerlei anderen Begrifflichkeiten wie Showleine oder Retrieverleine belegte Hundeleine, die im Wesentlichen aus einer Kordel besteht, die um den Hals des Hundes eine Schlaufe bildet, die sich nicht selbstständig oder versehentlich zusammenziehen darf, und einem so genannten Stopper, der die Größe der Schlaufe an die Halsgröße anpassbar macht, gerät hin und wieder mal ins Blickfeld der Kritik und polarisiert ihre Kenner schon mal leicht in enthusiastische Anhänger einerseits und vehemente Gegner andererseits. Der Extremist unter letzteren tituliert sie sogar gerne mal als ‚Würgeleine‘, aber wahrscheinlich nur dann, wenn eine Verwechslung und damit eine falsche Vorstellung von ihrer Konstruktion vorliegt. Denn beides, sowohl die Kritik als auch der missbräuchlich verwendete Begriff, sind vermeidbar, wenn die Leine einerseits eine vernünftige und sichere Konstruktion aufweist und sie andererseits mit Sinn und Verstand eingesetzt wird, so dass sie nicht einmal versehentlich zum Würgen führen kann. Andererseits müsste ich den Kritikern allerdings Recht geben. Aber besonders wichtig ist, dass die uns mit ihr gegebenen Hinweise unmissverständlich sein müssen, indem sie im sinnhaften Kontext passieren und Herrchen gleichsam seine Rolle als Rudelführer auch konsequent ausfüllt. Aber das scheint mir der Casus knacksus zu sein.

Der Casus knacksus ihrer Bewertung

Wenn sie in der Praxis tatsächlich einmal als Würgeleine missbraucht werden sollte, ist entweder die Konstruktion falsch oder hätte derjenige, der dafür die Verantwortung trüge, exemplarisch seine Unkenntnis und vor allem Unfähigkeit als Hundeführer unter Beweis gestellt. Denn eine Vorführleine ist noch nicht einmal zu unserem Festhalten gedacht, was ja die unabdingbare Voraussetzung zum vermeintlichen Würgen wäre. Oder was von beobachtenden Laien als solches interpretiert werden könnte. Diese Leine dient nämlich ausschließlich dem Zweck, uns in unserem unerwünschten Verhalten zu korrigieren, uns also Korrekturhinweis zu geben. Wenn sich Herrchen allerdings wie beim Sibirischen Schlittenhunderennen mittels einer Vorführleine durch den Ort schleifen lässt, liegt die Assoziation des Würgens verständlicherweise nahe.

Der korrekte Sitz und ihre sinnhafte Anwendung sind entscheidend

Ultimative Voraussetzungen dafür, dass die Leine ihren angedachten Zweck überhaupt erfüllen kann, sind zwei Dinge:

  1. Ihr korrekter Sitz. Unser Hals ist nämlich ein außergewöhnlich empfindliches und sensibles Körperteil und erfüllt sogar eine wichtige und oftmals verkannte soziale Funktion. Er dient sowohl der Klärung der Rangordnung als auch dem Liebkosen. Ähnlich dem Verhaltenskodex beim Menschen: Wenn Papa dem Sprössling klar machen will, wer der ‘Herr im Hause’ ist, wird er ihm sicherlich fest zupackend ins Genick greifen. Will er sich allerdings bei Mama einschmeicheln, wird er ihr kaum die Kehle zudrücken, sondern einen liebkosenden Schmatzer auf den Hals drücken. Aber nicht irgendwo, sondern auf eine der für das Liebkosen empfänglichen Flanken. Und die gleiche Funktionsverteilung findet sich bei uns wieder. Meinesgleichen greifen sich als Drohgeste in Kehle und Nacken, um sich Achtung und Respekt zu verschaffen und dem anderen klar zu machen, dass sein Entscheidungsspielraum hier endet. Die seitlichen Halspartien sind hingegen unseren Freunden und friedlich gesinnten Artgenossen vorbehalten. Will sich also Herrchen als Rudelführer Respekt bei uns verschaffen, gibt es einen kurzen und sanften Leinenzug an Kehle und Nacken. Vorausgesetzt, die Vorführleine liegt eng am Halse an und überträgt insbesondere am Nacken direkt zwischen den Ohren diesen alles entscheidenden Impuls. Und dazu muss der Stopper in exakt dieser Position platziert sein. Sollte der Hund trotzdem mal an der Leine zerren, muss die Konstuktion ein ungewolltes Zusammenziehen (ähnlich einer Schlinge) verhindern. Schlappert das Ding allerdings wie ein Galgenstrick um den Hals, ist der Sinn völlig verfehlt.
  1. Um den Erfolg eines mittels der Leine gegebenen Korrekturhinweises zu gewährleisten, muss selbige zwingend im Kontext mit der ‘Rudelführerschaft’ des Herrchens erfolgen. Wenn ein Korrekturhinweis uns signalisiert, dass wir wieder einmal dabei sind, etwas falsch zu machen, bezieht sich dieser Hinweis immer auf unseren uns nicht zustehenden Entscheidungsspielraum. Wir haben uns also in diesem Moment entschieden etwas zu tun, was uns entsprechend unserer Position in der Rangordnung aber gar nicht zusteht. Wenn Herrchen aber diese Maßregelung nicht simultan durch seine Körpersprache begleitet, indem er uns eben nicht vor Selbstbewusstsein strotzend wie Gaius Julius Cäsar klar macht, dass er der Ranghöhere ist, sondern schlappschwanzartig hinter uns her trottelt, macht dieser Korrekturhinweis nicht nur keinen Sinn, sondern bringt uns gleichsam in einen riesigen Konflikt.

Wenn wir durch einen Leinenruck oder Leinenzug am Hals signalisiert bekommen, dass jetzt wieder einmal die Frage nach der Rangordnung geklärt werden soll und ein in diesem Kontext sinnvolles Auftreten des Rudelführers ausbleibt, bleibt für uns auch diese Frage unbeantwortet. Wir erwarten dann zwar eine Antwort, bekommen sie aber nicht nur nicht, sondern bekommen von dem Schlappschwanz obendrein noch eine falsche.

Bedauerlicherweise gibt uns Herrchen aber das Signal ‚Rangordnung klären‘ fälschlicherweise meistens mit der Absicht, uns zur besseren Leinenführbarkeit zu ermahnen und begreift die sozialen Konsequenzen seines falsch gegebenen Befehles überhaupt nicht. Er wundert sich gleichsam aber, wenn wir entsprechend unseres Verständnisses dieses Befehls reagieren, weil wir sein Signal als Bedrohung interpretieren. Viele meiner Artgenossen ziehen dann noch stärker an der Leine, weil sie dem unangenehmen Druck an Hals und Kehlkopf entkommen möchten. Manche werden aggressiv oder sind völlig verunsichert.

Die Folge: Zwischen uns und dem Menschen ist es wieder einmal zu einem handfesten Verständigungsproblem gekommen. Aber nicht, weil wir die Befehle nicht verstehen. Diese gibt es schon seit tausenden von Jahren und kennt schon unser Vorfahre, der Wolf. Es liegt vielmehr an der Unkenntnis beim Herrchen über unsere Interpretation der uns gegebenen Befehle.

Ein unentbehrliches Mittel bei der Resozialisierung

So umstritten die Vorführleine auch sein mag, bei korrekter Anwendung und Konstruktion ist sie als Hilfsmittel bei der erfolgreichen Resozialisierung meiner missratenen Artgenossen schier unschlagbar. Ich spreche aus eigener Erfahrung, die ich machen konnte bei der ersten – und übrigens auch einzigen Begegnung mit meinem Trainer im Zuge meiner ‚Wiedererziehung‘ und ‚sozialen Korrektur‘. Er legte mir diese ‚Zauberleine‘ – wie mein Herrchen seinerzeit voller Bewunderung und staunend dieses Ding nannte – um und gab mir ein kurzes – übrigens nicht etwa schmerzhaftes, sondern eher sanftes – Zeichen über einen Leinenzug und blickte mir simultan mit erhobenem Zeigefinger relativ streng in die Augen. Dabei gab er einen schwer erklärbaren Zischlaut von sich, den ich aber später eindeutig diesem Korrekturhinweis zuordnen konnte, weil er immer nur in diesem Kontext auftrat. Aber das Entscheidende war: Er kam mir tatsächlich vor wie Gaius Julius Cäsar. Nie im Leben hätte ich mir erlaubt zu protestieren.

Mein Entscheidungsspielraum war wie ausgelöscht

Und so unglaublich es auch klingen mag: Mir war umgehend bewusst, wer hier ab sofort der Chef im Ring ist. Und mein Entscheidungsspielraum war wie ausgelöscht. Auch wenn dies vielleicht alles sehr unangenehm klingt, es aber in Wirklichkeit überhaupt nicht war. Denn das Ganze hatte für mich einen bis dahin nicht vorstellbaren Segen: Die gesamte Last der Verantwortung für meine Sicherheit und die meines Herrchens fiel zentnerschwer von meinen Schultern. Für mich offenbarte sich eine Hundewelt, die nur noch eines kannte: Kümmere dich nur noch um die Anweisungen deines Chefs und habe mit ihm gemeinsam Spaß. Alles andere, wie deine stressige Bedürfnisbefriedigung, überlasse einfach ihm. Der macht das schon.

Euer Neo“

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4. “ENDLICH VERSTEHT MICH EINER!”

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Ein Missverständnis mit schwerwiegenden Folgen oder der große Wiedersehens-Irrtum

Es war wieder einmal eine alltägliche Begebenheit, in der ich dem völlig verblüfften „Publikum“ ihren Irrtum hätte erklären müssen, wenn man mir die Gelegenheit gegeben hätte:

Es war ein typisches Wiedersehensszenarium in der Empfangshalle eines Flughafengebäudes. Ein älterer Herr, offensichtlich der Papa eines Rückkehrers, wartete ungeduldig mit Lupo, einem kleinen Beagle, vor der Tür mit der Aufschrift „Arrival“. Beide starrten sehnsüchtig auf diese Tür, bis sie endlich den über alles geliebten Sohn “ausspuckte”, um ihn willkommen zu heißen. Dieser, eine auch Lupo sehr vertraute und von ihm sicherlich geliebte Person, wurde nun bei seinem Heraustreten aus der „Arrival-Pforte“ nahezu frenetisch begrüßt. Lupo, der kleine Beagle, kriegte sich kaum wieder ein, sprang ununterbrochen wie außer Rand und Band an dem Rückkehrer hoch, kläffte erbärmlich, fabrizierte sogar völlig unkontrolliert einen kleinen See auf den Fußboden, rannte wie enthemmt um seinen Freund herum und sprang immer und immer wieder an ihm hoch, um ihm seine “Lefzen” zu lecken. Aber was besonders auffiel: Seine Rute rotierte wie ein Quirl auf Hochtouren.

Das herumstehende „Publikum“ wurde von dieser Wiedersehensszene derart in den Bann gezogen, dass sie beinahe vergaßen, ihre eigenen Rückkehrer zu begrüßen. Aus jeder Ecke hörte man: „Guck doch mal, wie dieser Hund sich freut!“ Manch einem standen vor Rührung die Tränen in den Augen. Hätte man das „Publikum“ gefragt, woran sie denn meinen, die Freude des Hundes erkannt zu haben, hätten sicherlich viele von ihnen geantwortet: „Na woran schon? Gucken Sie doch mal, wie wild der mit seinem Schwanz wedelt!“

Aber war das wirklich Freude?

Für alle beobachtenden Laien dieser Szene stand also fest: Das ist Ausdruck ungebändigter Freude und Beweis reinsten Glückes seitens des kleinen Lupo. Aber war es das wirklich? War es nicht eher so, dass Lupo zwar den Rückkehrer mit Freude begrüßte, aber diese doch gepaart war mit einem noch viel stärker wirkenden Gefühl der extremen Unsicherheit und einer Liste offener Fragen? Unsicher, ob alles noch so geblieben ist wie es war, als der Freund fortging. Hegt er noch die gleichen freundschaftlichen Absichten? Gelten noch die gleichen Regeln wie zuvor? Wird der Rückkehrer auch weiterhin für meine Sicherheit sorgen und vor Feinden und Rivalen beschützen, so wie er es damals tat? Darf ich auch weiterhin uneingeschränktes Vertrauen zu ihm haben? Ist mein Entscheidungsspielraum und damit mein Verantwortungsbereich weiterhin so eingeschränkt wie bisher?

Warum hörte Lupo dann aber augenblicklich mit dem Schwanzwedeln auf? Löste sich seine Freude etwa in nichts auf?

Wenn es reines Glücksgefühl gewesen wäre, warum hörte Lupo dann aber abrupt mit dem vermeintlich freudigen Schwanzwedeln auf, nachdem der Heimkehrer ihm mit einer routinierten Geste klar gemacht hatte, dass alles in Ordnung sei? Wie von Geisterhand gestoppt hörte Lupo nämlich auf mit seinem wilden Begrüßungsritual und legte sich platt wie eine Briefmarke auf den Boden, ohne dass sein Schwänzchen auch nur ein winziges Zucken offenbarte. War da etwa sein Glücksgefühl wie ausgelöscht? Wohl kaum. Der Heimkehrer hatte ihm nur deutlich zu verstehen gegeben, dass es keinen Grund mehr gebe für jegliche Unsicherheiten.

Woran erkenne ich, wann mein Hund sich sicher fühlt?“

Diese Frage wird mir häufig gestellt. Denn ich beschreibe das Ziel eines Hundetrainings als dann erreicht, wenn der Hund im alltäglichen Leben möglichst oft einen Zustand des befriedigten Sicherheitsbedürfnisses hat. Ich reagiere dann gerne mit einer provozierenden Antwort:

Sorgen Sie dafür, dass ihr Hund möglichst selten mit dem Schwanz wedeln muss!“

Das sorgt in der Regel bei meinen Zuhörern nicht nur für Erstaunen, sondern sogar für Irritationen, denn vor ihrem geistigen Auge läuft sofort ein Film ab, wie ihr Liebling sie abends vermeintlich freudig erregt – und eben Schwanz wedelnd – bei ihrem Heimkommen begrüßt. Warum sollte man also dem Hund einen so glücklichen Moment vorenthalten?

Weil es ein untrügliches Zeichen von Unsicherheit ist!

Ein wichtiges Indiz für den Gemütszustand eines Hundes ist der optische Eindruck, den seine Rute hinterlässt. An ihr können nicht nur seine Artgenossen allerhand Informationen ablesen, denn er ist ein wichtiges kommunikatives Organ. Sondern auch wir Menschen könnten, wenn wir wollten, mittels seiner Aktivität oder Inaktivität wichtige Information generieren: Wenn Hunde ihren Schwanz ruhig nach unten halten, sind sie nämlich völlig entspannt. Voraussetzung für eine völlige Entspannung ist aber die totale Abwesenheit jeglicher Unsicherheit. Denn die Sicherheit ist – wie bereits mehrfach angesprochen – das fundamentale Grundbedürfnis, welches der Hund in allen Lebenssituationen sichergestellt wissen will.

Mit dem Schwanz zu wedeln ist kein Ausdruck von Freude!

Wenn er allerdings mit der Rute wedelt, muss es dafür äußere Gründe geben, die in seinem Inneren einen Zustand von Unsicherheit generiert ob dessen, was da draußen passiert. Solche Unsicherheiten müssen nicht zwangsläufig negativ belegt sein. Sie können sogar mit Freude korrelieren. Beispielsweise wenn Herrchen das Lieblingsspielzeug in die Hand nimmt oder einen Stock. Reflexartig wird Lupo mit der Rute wedeln. Aber dann ist nicht die Freude der Auslöser des Schwanzwedelns, sondern die Einschätzung einer Situation, dessen Ausgang er nicht wirklich bewerten kann. Denn er weiß nicht einzuschätzen, was Herrchen mit dem Ding wohl vor hat.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über das  Schwanz-Wedeln:

Wissenschaftliche Untersuchungen haben sogar ergeben, dass die Richtung, in der mit der Rute gewedelt wird, Rückschlüsse auf den Seelenzustand zulassen. Das Gehirn verarbeitet in der linken Hemisphäre nämlich andere Gemütszustände als auf der rechten. Im Fachmagazin Current Biology schreiben die Wissenschaftler, dass ein eher nach rechts gerichtetes Wedeln bei aktiver linker Hirnhälfte ausgelöst werde und positive Emotionen anzeige – etwa beim Anblick des Besitzers. Sei aber die rechte Hirnhälfte aktiv, folge ein eher nach links gerichtetes Wedeln, erläutern die Forscher. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn der Hund mit einem unfreundlichen Artgenossen konfrontiert sei. Beide Situationen werden aber grundsätzlich begleitet durch das Gefühl der Unsicherheit bezüglich des Ausgangs der jeweiligen Situation. Und deshalb das Wedeln.

Mit der Rute wedeln signalisiert immer Unsicherheit!

Summa summarum bleibt festzustellen, dass der Hund immer dann mit der Rute wedelt, wenn er unsicher ist und mental erregt. Wenn der Grund für diese Unsicherheit in einer möglichen Gefahr oder Bedrohung seiner Sicherheit besteht und dieser Zustand sogar eine Form der Dauerbelastung annimmt, kommt er dem Stress sehr nahe. Also sollte das Ziel des Rudelführers Mensch darin bestehen, so oft es irgend geht, Situationen zu vermeiden, in denen der Hund aus diesen Gründen mit seiner Rute wedelt. “Wackelt er mit dem Schwanz”, weil er nicht einzuschätzen vermag, ob Herrchen nun das aufgehobene Stöckchen wirft oder nicht, dann lasst ihn wackeln so oft er will, denn das hat nur etwas mit “spaßiger” Unsicherheit zu tun.

Unsicherheit erzeugende Situationen gibt es derer aber viele:

Typische Situationen, in denen er unsicher ist, was wohl als nächstes passiert, gibt es derer bekanntlich viele:

Wenn er Herrchen hört, wie er die Leine vom Haken nimmt oder mit dem Schlüsselbund klappert, freut der Hund sich vermeintlich auf einen Spaziergang. Aber hat sich Herrchen schon einmal darüber Gedanken gemacht, ob sein Schützling sich mental auch dieser Herausforderung gewachsen fühlt? Ist er sich sicher, ob er weiß, was für ein Abenteuer da draußen auf ihn wartet? Lauern dort vielleicht Gefahren in Gestalt irgendwelcher Konkurrenten oder Revierrivalen? Die Assoziationen, die ein bevorstehender Spaziergang bei manch einem Artgenossen von Lupo auslöst, begründet in seinen letzten gruseligen Erfahrungen auf der Hundespielwiese, können durchaus puren Stress bedeuten.

Kann sich der Mensch in etwa vorstellen, wenn er seinen Hund im fremden Gelände vorweg laufen lässt, was dies für ihn für eine enorme mentale Belastung ist, in einem von fremden Artgenossen markierten und verminten Gelände Aufklärungsarbeit leisten zu müssen? Unter Umständen ist sein Stressniveau, begründet in riesiger Angst, so groß, dass er sogar seine eigenen Hinterlassenschaften sofort wieder auffrisst, um ja keine Spuren zu hinterlassen und die Konkurrenten ja nicht zu provozieren. Achtet in solchen Momenten doch einmal auf seine Rute. Mit Freude hat das nichts zu tun.

Oder weiß Herrchen, was im Kopf seines Hundes vorgeht, wenn er mit dem Schlüsselbund klappert und ohne ihn das Haus verlässt? Ist er sich dessen bewusst, dass für den Hund ein wichtiges Rudelmitglied das Rudel verlässt und er unter Umständen überhaupt nicht einzuschätzen vermag, welche Folgen dies für ihn und seine Sicherheit hat?

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3. “ENDLICH VERSTEHT MICH EINER!”

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Eine kleine “Problemhunde”-Geschichte, erzählt von einem Hund:

“Ich bin ein Durchschnittshund. Mein Herrchen war der Meinung, ich sei aggressiv nicht nur gegenüber meinen Artgenossen, belle unbegründet fremde Menschen an, beiße ihnen sogar zur Begrüßung in die Hand, zerlege zu Hause allein gelassen die Wohnung und kläffe dann wie am Spieß und zerre beim Gassi-Gehen obendrein auch noch nervend an der Leine. Und neuerdings fraß ich sogar meine eigenen Hinterlassenschaften wieder auf, wenn wir uns in fremden Gebieten bewegten. Mit anderen Worten: Ich sei sozial nicht verträglich. Deshalb begab er sich mit mir zu mehreren Hundeschulen, um diese ‘Probleme’ aus der Welt schulen zu lassen und mich zu resozialisieren, wie er es drastisch ausdrückte.

Da diese Besuche keine Erfolge zeitigten und er mittlerweile schon sehr viel Geld in meine ‘Problembeseitigung’ gesteckt hatte, engagierte er einen Problemhundetrainer. Jedenfalls nannte dieser sich so. Doch auch das war nicht wirklich erfolgreich. Bei der Auswahl dieser selbsternannten Experten hatte er wohl kein glückliches Händchen. Denn keiner hatte mein Problem offensichtlich wirklich erkannt geschweige denn verstanden.

Bis der Zufall es wollte, dass wir aufgrund einer Empfehlung Kontakt zu einem Hundetrainer bekamen, bei dem ich sofort spürte: ‘Das kann was werden!’ Schon unsere erste Begegnung verlief überraschend anders als ich es bisher gewohnt war. Ich durfte ihn nämlich zuvor ausgiebig beschnuppern, bevor er mich überhaupt ansah geschweige denn ansprach. Angefasst hat er mich überhaupt nicht, denn das mag ich gar nicht. Jedenfalls nicht von jedem und schon gar nicht von jemandem, dem ich zuvor noch nie begegnet bin. Versetzen Sie sich doch einmal in die Situation einer ersten Begegnung mit einem wildfremden Menschen: Noch bevor er ihnen Guten Tag sagt, würde er ihnen zur Begrüßung mit schweißig klebrigen Händen über den Kopf streicheln.

Jedenfalls gab ich meinem Herrchen spontan zu erkennen, dass diese Neubekanntschaft mir gefalle und demonstrierte dies gleich mit einem Kontaktliegen und setzte mich auf dessen Fuß. Das erstaunte mein Herrchen schon sehr, denn er war es angeblich von mir eher gewohnt, einer Neubekanntschaft ‘zur Begrüßung’ in die Hand zu beißen, anstatt sich vertrauensvoll an sein Bein zu lehnen.

Das Grundverständnis für mein ‘Problem’-Verhalten liegt darin begründet, dass Mensch und Hund zu keiner Zeit gleichberechtigte Partner, sondern immer in einer Beziehung von Befehlsgeber und Befehlsempfänger waren. Wir haben uns relativ widerspruchslos auf die Rolle des Befehlsempfängers eingelassen, da wir als Rudelwesen ohnehin hierarchische Strukturen gewohnt waren. Diese Unterordnung hatte für uns einen sehr wichtigen Vorteil: Wir konnten nämlich den Schutz durch den Rudelführer Mensch genießen.

Damit waren zwei wichtige Merkmale im Zusammenleben von Mensch und Hund besiegelt: Der Mensch einerseits übernimmt sowohl die Führung als auch unseren Schutz, und wir andererseits erfüllen bedingungslos die uns gestellten Aufgaben und genießen dafür die Befriedigung unserer Bedürfnisse.

Und exakt dieses Gefühl des Geltens dieser Regeln hatte ich bei der ersten Begegnung mit dem neuen Trainer. In meiner Erinnerung sind zwei bemerkenswert neue Dinge dieser Erstbegegnung mit einem Fremden haften geblieben:

Zum einen die mir gegebene Möglichkeit einer ausgiebigen olfaktorischen Identifizierung des Neuankömmlings, indem ich ihn ausreichend beschnuppern durfte.

Und zum anderen seine bis dahin beinahe schon demonstrativ wirkende Ignoranz meiner Anwesenheit, indem er mich keines einzigen Blickes würdigte, was mir signalisierte, dass er für mich keine Konkurrenz in meinem Revier darstellte.

Wir sehnen uns nach Führung und Schutz

Nachdem dieses für mich beruhigend wirkende Begrüßungsritual absolviert war, änderten sich allerdings sowohl sein Verhalten als auch seine Körpersprache. Er legte mir nämlich mit einer erwähnenswerten Bestimmtheit und über jeden Zweifel erhabenen Selbstsicherheit seine Zauberleine um, die in einem späteren Beitrag beschrieben wird, und strahlte hierdurch auf mich eine geradezu von Selbstbewusstsein strotzende Energie aus. Noch verstärkt wurde diese Wirkung dadurch, dass er jetzt, aber eben erst jetzt, mich direkt ansah. Auf die Bedeutung dessen wird ebenfalls noch in einem weiteren Artikel eingegangen, wenn die Rechte und Pflichten eines Rudelführers beschrieben werden.

Mit diesem Selbstbewusstsein und dem direkten Blick in die Augen machte er mir sofort klar, dass erjetzt ‘das Sagen hat’ und  er mir ab sofort zeigt, ‘wo es langgeht’. Und was noch viel wichtiger war: Er übernahm ab jetzt offensichtlich die Verantwortung für unsere Sicherheit. Damit war mir auch umgehend klar, dass er jetzt in fremden Gebieten vorne läuft und die Entscheidungen trifft, ich höchstens nebenher laufe, am besten sogar seitlich dicht hinter ihm. Das war für mich eine überraschend neue Erfahrung. Ich war ab sofort nicht mehr gezwungen, wie bisher, vor uns das Revier mit meiner Nase wie ein Laubsauger aufzuklären und jegliche Gefahren abwehren zu müssen. Und schon gar nicht musste ich die Entscheidungen treffen, denn die trifft nun mal derjenige, der die Verantwortung hat. Und das war er. Der ‘Entscheider’ muss nicht zwingend vorne herlaufen, schon gar nicht in bekanntem Gebiet. Aber mir war bewusst, dass mein Entscheidungsspielraum soweit eingeschränkt war, dass ich für alle wichtigen Absichten sein Einverständnis einzuholen haben. Dazu genügt in der Regel ein kurzer Blickkontakt.  Und als uns, wie der Zufall es wollte, wenig später ein fremder Artgenosse meiner Spezies über den Weg lief, zog er nicht, wie ich es gewohnt war, reflexartig an meiner Leine, um mir zu signalisieren, dass ich jetzt für uns beide aufzupassen habe, sondern blieb, für mich eben völlig unerwartet, ganz cool und brachte sich selbst zwischen mich und den Konkurrenten. Ich spürte dadurch sofort wieder seine wohltuende Selbstsicherheit und den sich daraus für mich logisch ergebenden Schutz. Denn offensichtlich war er willens und in der Lage, eventuelle Gefahren, die sich aus solchen Begegnungen ergeben könnten, für uns beide abzuwehren.

Im Grunde genommen lief all dies nur auf eines hinaus: Ich sollte mich ab sofort nur noch und ausschließlich auf ihn konzentrieren; alles andere ginge mich demzufolge nichts mehr an. Von da an begann für mich ein wohltuend entspanntes Leben. Und mein Herrchen meinte später, dass er jetzt nicht nur einen gut ausgebildeten Hund habe, sondern gleichwohl auch einen sehr gut erzogenen. Dass beides nicht zwangsläufig korreliert, werde ich später noch erläutern.

Euer Neo”

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2. SCHLÜSSELERLEBNIS EINES WELPEN

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Die Nichterfüllung der Schutzfunktion des “Elternteils” Mensch führt zu einem traumatisierenden Erlebnis des Welpen?

Ich endete im letzten Beitrag damit, dass, wenn der Hundebesitzer seine Rolle als Leitfigur – warum auch immer – nicht wahrnimmt, er seinen Hund möglicherweise in eine Konfliktsituation bringt, auf die dieser dann in einer unerwünschten Art reagiert.

Eine der ersten Schlüsselerlebnisse, die ein junger Welpe in seinem irdischen Dasein hat, ist die Begegnung mit seinesgleichen. Nicht die Begegnung innerhalb seines Wurfes unter Aufsicht und dem Schutz der lieben Mutter ist damit gemeint. Vielmehr während der ersten Spaziergänge mit dem „neuen Herrchen“, der ihn zuvor beim Züchter erworben hat und nun zum ersten Mal während eines gemeinsamen Spazierganges die „neue weite Welt“ inspiziert.

Befehlsempfänger und Schutzbedürftiger!

Die Domestikation des Hundes hat ihn – wie ich es bereits beschrieben habe – zu einem Befehlsempfänger werden lassen. Dies hat ihn einerseits zu einem schier unglaublich treuen Begleiter des Menschen gemacht; andererseits aber auch zu einem sehr schutzbedürftigen Wesen, welches insbesondere in den ersten Lebensmonaten zwingend die Unterstützung und Hilfe seines Herrchens benötigt.

Wer dies nicht glaubt, sollte einmal eine Meute Hunde beobachten, was diese mit einem kleinen und ungeschützten Neuankömmling veranstalten, der nicht die geringste Chance hat, sich gegen diese unvorstellbaren „Erniedrigungen“ zur Wehr zu setzen. Und schauen sie dann einmal in die verzweifelt um Hilfe suchenden Augen dieses kleinen Opfers.

Spreche ich in solchen Situationen die Besitzer an, ob sie ihrem kleinen Schützling nicht helfen wollen, kommt in der Regel die Antwort: „Die klären das doch untereinander!“

Das bedeutet für mich, diese Hundebesitzer haben das Problem überhaupt nicht erkannt. Man stelle sich die gleiche Szene mit kleinen Kindern auf einem Spielplatz vor. Mir kommen große Zweifel, ob der „kluge Papa“ dann auch sagen würde: „Die klären doch nur die Rangfolge in ihrem Rudel!“ Ich bin fest überzeugt, dass er hier energisch eingreifen würde, um seinem kleinen Sprössling zu Hilfe zu kommen und so vor einem traumatisierenden Erlebnis zu schützen.

Angsthase oder Aggressor?

Die Folgen solchen Verhaltens des Nichtwahrnehmens der Schutzfunktion durch das Herrchen zeigen sich später im erwachsenen Hundealter in Verhaltensweisen, die Herrchen sich meisten nicht erklären kann. Es gibt dabei zwei extreme Ausprägungen „unerwünschten“ Verhaltens. Entweder der Hund ist der typische „Angsthase“, der schon aus vermeintlich nichtigen Gründen Angstreaktionen zeigt, oder er zeigt aggressives Verhalten. Für Letzteres wird nur sehr selten sein Schlüsselerlebnis als erniedrigter Welpe erkannt, denn man schließt fälschlicherweise relativ schnell Angst als Ursache von Aggressionen aus. Wurde er aber als Welpe von einer Horde seiner Kollegen „niedergemacht“ und hat instinktiv unterwerfende Reaktionen gezeigt, indem er sich auf den Rücken legte, ohne dass dies zur Beendigung des Unterwerfens geführt hat, prägt sich bei diesem jungen Welpen u. U. die Erkenntnis ein, dass es keinen Sinn macht, sich zu unterwerfen. Angriff erscheint ihm von jetzt an als die bessere Strategie.

Und so gibt es im jungen Leben eines Welpen eine Vielzahl von ersten Erlebnissen, bei denen er zwingend die Hilfe und Unterstützung seines Herrchens benötigt, um schadenfrei durch diese erste Periode seines aufregenden Lebens zu kommen. Während dieser Zeit werden wichtige Grundlagen gelegt, die das spätere Verhalten des Tieres wesentlich prägen. Eine spätere Korrektur ist aufwendig.

Eine fachliche Unterstützung durch den Hundetrainer ist in dieser Zeit auch dann besonders sinnvoll, wenn der kleine Welpe als Geschenk für den kleinen Nachwuchs gedacht ist.

 

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