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65. DER FOLGENTRÄCHTIGE BESCHLUSS DES OBERLANDESGERICHTS KOBLENZ

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64. IST EIN VERHALTENSAUFFÄLLIGER HUND NICHT AUSGELASTET?

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63. „CLICK FOR BLICK“

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62. IST DIE TIERSCHUTZ-HUNDEVERORDNUNG HUNDEFREUNDLICH?

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61. WAS IST EINE „ARTGERECHTE HUNDEHALTUNG“?

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60. ROTTWEILER & CO. BENÖTIGEN EINE „STRAFFE HAND“

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oder
Die Paradoxie der Bestrafung

Ein Thema der Hundeerziehung, das sehr kontrovers diskutiert wird, mithin sogar recht emotional, ist das der Bestrafung. Die absoluten Befürworter bezeichnen sie als Königsweg und beziehen sich dabei insbesondere auf das natürliche Vorbild in einer Wolfs- oder Hundefamilie; die militanten Gegner steigern sich demgegenüber schon mal gerne in eine aggressive Totalablehnung und begründen diese unter anderem mit ethisch-moralischen Grundsätzen.

Aber was sagt denn die Wissenschaft dazu; unabhängig von jeglicher Emotionalität? Was sagt beispielsweise der Sozialwissenschaftler zur Wirksamkeit von Bestrafungen in der Erziehung im Reich der Säuger?

Kann mittels einer Bestrafung ein gewolltes Erziehungsziel im Sinne einer absichtsvollen Beeinflussung erreicht werden?

Bevor ich dazu komme, sei mir gestattet zu erklären wie ich auf diese Fragestellung gekommen bin:

Ich hatte in einem meiner letzten Beiträge von einem Rottweiler berichtet, der – für die Besitzer angeblich ohne jegliche Vorwarnung – den Elektrozaun samt Hecke überwand und in Nachbars Swimmingpool die Schwimmhilfe des darin spielenden 6-jährigen Enkelkindes attackierte. Glücklicherweise entstand dem kleinen Jungen aufgrund des sofortigen und energischen Eingreifens seines Opas zumindest kein physischer Schaden, abgesehen von dem schwer einzuschätzenden psychischen.

Und ich habe auch die drakonische Bestrafung des Tieres durch den Opa erwähnt, nachdem er es aus dem Pool „befördert“ hatte, die dann in der anschließenden Diskussion sehr kontroverse Reaktionen provozierte. Eine Tendenz war wie erwartet ihre Ablehnung.

Interessanterweise habe ich in der Zwischenzeit erfahren, dass der Rottweiler zum wiederholten Male die Barriere der Grundstücksgrenze überwunden hat und erneut in Nachbars Pool gesprungen ist. Diesmal war das Enkelkind zum Glück nicht zu Besuch und es entstand „nur“ ein materieller Schaden, den die Haftpflichtversicherung des Hundehalters wohl auch bezahlt hat.

Ich will mich an dieser Stelle nicht zu dem unverantwortlichen Handeln der Hundebesitzer äußern – besser gesagt, ihrem unterlassenen Handeln, denn sie sind verpflichtet, eine für den Hund unüberwindbare Barriere zu schaffen. Vielmehr soll es in diesem Beitrag – wie oben erwähnt – um eine andere Frage gehen.

Denn nach dem wiederholten „Fehlverhalten“ des Hundes scheinen ja all diejenigen Recht zu bekommen, die eine Bestrafung des Tieres ablehnten mit der Begründung, sie könne bei dem Tier ohnehin nicht die gewünschte Reaktion bewirken, weil es die Kausalität gar nicht erkennen könne.

Abgesehen von der Tatsache, dass in diesem konkreten Fall nicht der Besitzer des Hundes die drakonische Bestrafung vollzogen hatte, sondern die für den Hund fremde Person des Nachbarn und somit die vermeintliche „Erziehungsmaßnahme“ keine zwischen Herrchen und Hund war, bleibt trotzdem die Frage nach der Wirksamkeit, denn angeblich hatte auch Herrchen ihn bestraft. Für letzteres gibt es allerdings keine Zeugen. Deshalb will ich mich an dieser Stelle noch nicht zum Unterschied in der Effektivität einer Bestrafung in Abhängigkeit der Beziehung zwischen Bestrafendem und Bestraftem äußern. Darauf werde ich evtl. in einem weiteren Beitrag eingehen, denn der Unterschied ist fundamental.

Bleiben wir also, unabhängig von dieser Besonderheit, bei der eingangs gestellten Frage nach der Wirksamkeit einer Bestrafung als erzieherisches Mittel und befragen die Sozialwissenschaft.

Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse liegen dazu vorwiegend aus der Humanwissenschaft vor. Aber der Hund ist wie der Mensch ein sogenanntes autopoietisches System. Insofern lassen sich Parallelitäten durchaus unterstellen. Die Autopoiese bezeichnet die Selbstschöpfung oder Selbstorganisation eines lebenden Systems. Das Pendant wäre eine Maschine. Will meinen, lebende Systeme sind nicht mit Maschinen vergleichbar, auf die durch Einflussnahme direkt eingewirkt werden kann. Wenn beispielsweise auf eine intakte und in ihren Funktionen bekannte Maschine mit einer bekannten Größe eingewirkt wird, kann man grundsätzlich die Reaktion der Maschine vorausberechnen.

Wenn demgegenüber aber von außen auf ein autopoietisches System Einfluss genommen wird, wirkt dieser Einfluss auf ein System der „Selbstorganisation“, der im Ergebnis zu sehr subjektiv determinierten Reaktionen führen kann. Die Vorhersagbarkeit solcher Reaktionen liegt oftmals bei fünfzig-fünfzig.

Trotzdem müssen autopoietische Systeme aber auf äußere Einflussnahmen reagieren. Allerdings in Abhängigkeit ihrer systemeigenen Regeln. Soll heißen, Einflüsse von außen werden stets intern verarbeitet. In der Fachsprache heißen diese “Verstörung” und Anpassung (vgl. Simon, F.B., Unterschiede, die Unterschiede machen).

Wenn wir nun davon ausgehen, dass wir bei einer Bestrafung nicht von einer im Affekt getätigten Handlung sprechen, sondern von einer geplanten Maßnahme, dann hat sie strategischen Charakter. Pädagogisch eingesetzt sollen durch sie nämlich bestimmte Verhaltensweisen verhindert oder unterdrückt werden. Dabei soll aber der Effekt kein reines Konditionieren sein – wie beispielsweise bei der Ausbildung eines Hundes – sondern zu einer Einsicht führen. Strafe soll zur Einsicht in das falsche, dem “guten Ziel” widersprechende Verhalten und zur entsprechenden Besserung führen (vgl. dtv Lexikon / Brockhaus).

Insofern könnte man nun zu dem Schluss kommen, dass Strafe als strategische, geplante Handlung mit dem Ziel, direkt Einfluss auf den Hund zu nehmen, unter Berücksichtigung, dass der Hund ein autopoietisches System ist, scheitern muss. Zwar wird die Strafe immer etwas bewirken, weil das System diese „Verstörung“ irgendwie verarbeiten muss. Dass aber diese Veränderung im Sinne des Strafenden stattfindet, müsste demzufolge aber unwahrscheinlich sein oder ihr Ergebnis bei fünfzig-fünfzig liegen.

Das bestrafte Tier, welches ein lebendes System ist, wird nach Wegen suchen, sich einerseits den unangenehmen Konsequenzen der Strafe zu entziehen und sich andererseits im geringst möglichen Umfang an das Milieu, in dem bestraft wird, anzupassen. Wie und in welchem Umfang es das tut, lässt sich weder planen noch vorhersehen. Ein solches Phänomen lässt sich auch im menschlichen Umfeld beobachten, wo Strafe als das wesentliche Erziehungsmittel eingesetzt wird. Häufig wird in strafenden Elternhäusern genau das Gegenteil von dem erreicht, was erreicht werden soll. Kinder aus solchen Milieus werden nicht selten zu selbstunsicheren oder sozial auffälligen Menschen (vgl. Claudia D’Agnano-Salomon). Gleiches ist bei Hunden zu beobachten.

„Aus systemischer Sicht ist Strafe, soweit sie zur Einsicht führen soll, in ihrem Wesen paradox. Jede Strafe ist eine Zwangsmaßnahme, auch wenn sie noch so milde ist. Denn Einsicht ist nur freiwillig möglich. Man sieht ein oder man sieht nicht ein. Man kann nicht einsehen müssen. Einsicht ist eine Lernleistung des autopoietischen Systems. Wenn die Anregungen für das Kind (den Hund – der Autor) akzeptabel sind, wenn sie also der autopoietischen Struktur des Kindes (Hundes) nicht widersprechen, haben sie die Chance, als Einsicht verarbeitet zu werden.“

Und damit sind wir bei der Lösung:

Grundsätzlich kann man feststellen, dass Bestrafung als isolierte Erziehungsmaßnahme scheitern muss, weil sie nur sehr unwahrscheinlich durch das autopoietische System Hund in eine Lernleistung, die zu einer Einsicht führt, verarbeitet wird.

Allerdings findet sich der Casus knacksus für das Problem in der Begrifflichkeit „isolierte“ Erziehungsmaßnahme. Denn wenn sie stattdessen simultan, also gleichzeitig mit einer Maßnahme stattfindet, die den Hund zur „Einsicht“ kommen lässt, dass sein „falsches“ Verhalten gar nicht notwendig ist, macht die Bestrafung als Korrekturhinweis wiederum Sinn. Ähnlich dem Anstoßen eines Bobfahrers an die Bande, die ihm den Hinweis gibt, dass er nicht auf der Idealspur fährt.

Wenn man also die Bestrafung als Korrektur versteht und dem Hund gleichzeitig den Grund für sein „falsches“ Verhalten nimmt, unterstützt die Bestrafung durchaus die Erziehung. Entscheidend für den Erfolg ist aber dann nicht die Bestrafung selbst, sondern der dem Hund genommene Grund für sein „falsches“ Verhalten.

Ein Beispiel:

Man liest in verschiedenen Quellen, dass Rottweiler & Co. eine „straffe Hand“ benötigen. Wenn man dann aber nachfragt, was denn dies bedeute, bleiben konkrete Antworten meistens aus oder sind schlichtweg falsch. Das Herumgeeiere in den ausflüchtigen Antworten selbst mediensüchtiger HundetrainerInnen ist schon erschreckend. Dabei ist die Antwort eigentlich ganz eindeutig:

„Straffe Hand“ bedeutet nichts anderes, als die demonstrative Einschränkung des Entscheidungsspielraumes eines Hundes in Abhängigkeit seiner ihm angezüchteten Veranlagungen und der ihm tatsächlich übertragenen Verantwortung.

Wenn einem Hund im Rahmen seiner Zuchthistorie durch gezielte Selektion gewollt die Fähigkeiten zum Beschützen und Verteidigen angezüchtet wurden, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit instinktiv sein gesamtes agonistisches Verhaltensrepertoire einschl. Aggressionen anwenden, wenn man ihm einerseits eine adäquate Aufgabe/Verantwortung überträgt und ihm andererseits den dazugehörigen, also ausreichenden, Entscheidungsspielraum überlässt. Wenn er also die Aufgabe erhält, Haus, Hof, Kind und Kegel zu beschützen, wird er dies auch konsequent tun. Sein aggressives Verhalten gegenüber unliebsamen Gesellen wäre dann völlig normal und sein Entscheidungsspielraum müsste entweder gar nicht oder nur sehr selektiv, entsprechend seiner sonstigen Aufgabenbeschränkungen und Handlungsgrenzen, eingeschränkt werden.

Etwas zugespitzt heißt das: Ein als Wach- und Schutzhund gezüchteter Rottweiler, dem eine solche Aufgabe und Verantwortung auch tatsächlich und ausschließlich übertragen wurde, bedarf keiner Begrenzung seines Entscheidungsspielraumes; also auch keiner „straffen Hand“. Denn er soll genau das “machen”, wozu ihm seine Veranlagungen angezüchtet wurden.

Wenn der gleiche Hund aber eine solche Aufgabe nicht wahrnehmen soll, weil man ihn beispielsweise als “schicken” Begleiter auf seinen Spaziergängen wünscht, muss man ihn allerdings demonstrativ von dieser Verantwortung entbinden und simultan für jeden Verstoß korrigieren bzw. bestrafen und so seinen Entscheidungsspielraum einschränken bzw. vollständig nehmen. Die Korrektur bzw. Bestrafung wird bei ihm aber nur dann zur “Einsicht” führen, wenn ihm zuvor die Verantwortung genommen wurde, der er ansonsten instinktiv entsprechend seiner ihm angezüchteten Veranlagungen nachkommen würde. Wenn dies nicht simultan geschieht und er lediglich bestraft würde, käme der Hund in Konflikte und würde im besten Fall nur zu Anpassungs- und Vermeidungsverhalten neigen. Ein solcher Hund ist in seinem Verhalten aber nicht mehr berechenbar.

Und übrigens: Ein Hund, der erfolgreich von seiner Verantwortung entbunden wurde, der er ansonsten entsprechend seinen Veranlagungen nachkommen würde, muss auch gar nicht mehr bestraft bzw. korrigiert werden. Ein solcher Hund, selbst wenn er an oberster Stelle irgendeiner “Liste” stehen würde, läuft völlig entspannt und stressfrei an einer schlaff durchhängenden Leine an Frauchens Seite. Ein solch “erzogener” Hund – denn nichts anderes ist Erziehung – benötigt keine “straffe Hand” mehr.

Ich sehe den wesentlichen Grund für die vermehrt wahrgenommenen Aggressionen von Hunden darin, dass diese mit zunehmender Tendenz nicht mehr in Abhängigkeit und entsprechend ihrer ihnen angezüchteten Veranlagungen gehalten werden, sondern vorwiegend als Begleithunde oder sozialer Ersatz unabhängig ihrer Rasse. Im eingangs genannten Fall des Rottweilers handelt es sich beispielsweise um ein Rentnerpaar, die es nach einem sozialen Partner verlangte. Was zum Teufel veranlasst solche völlig überforderten und verantwortungslos handelnden Menschen, sich eine solche potentielle „Waffe“ anzuschaffen? Von einer artgerechten Haltung, also einer dem Hund übertragenen Verantwortung in Abhängigkeit seines Wesens mit einem entsprechend reglementierten Entscheidungsspielraum, kann hier nicht im Ansatz gesprochen werden.

Und ein Vorwurf sei mir noch gestattet: Was zum Teufel hat den Züchter geritten, diesem Kauf zuzustimmen? Denn nach seiner Befragung war ihm bewusst, welche Veranlagungen das Tier hat, denn sie waren das Zuchtziel. Ist das reine Profitgier?

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59. „HABEN DIE ALLE KEINE AHNUNG?“

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oder
Die Erklärung eines Gehirnforschers

Viele meiner KundInnen – insbesondere in den letzten Jahren – baten mich um fachliche Hilfe, nachdem sie bereits mehrere andere Hundetrainer oder Hundeschulen an ihren „Problemhunden“ haben erfolglos herumdoktern lassen. Will meinen, all diese vermeintlich dilettantischen Versuche, ihre verhaltensauffälligen Hunde zu therapieren, waren offensichtlich gescheitert.

Wenn wir dann aber zu ihrem Erstaunen – meistens innerhalb nur einer einzigen Trainingseinheit – ihr „Problem“ aus der Welt geschaffen haben, fragen sie mich nicht selten – begleitet von einem nachdenklich wirkenden Kopfschütteln – warum denn all die anderen Hundetrainer das nicht in den Griff bekommen hätten: „Haben die alle keine Ahnung?“

Auch wenn es mich manchmal reizt, diese Frage mit „Ja“ zu beantworten, denn die Häufung solcher Fälle und die Schilderungen, wie solche „Therapien“ angeblich abgelaufen seien, wären eigentlich Rechtfertigung genug. Aber trotzdem, denke ich, wäre es unseriös und würde den vielen fachlich korrekt arbeitenden HundetrainerInnen Unrecht tun. Trotzdem erwarten meine KundInnen natürlich eine Reaktion, obwohl es für mich eine Gratwanderung ist, wenn ich mir nicht den Vorwurf einhandeln will, mich auf Kosten anderer profilieren zu wollen.

Es gibt, zumindest nach meinen Recherchen zu urteilen, eine relativ einfache Erklärung für all diese Fälle:

Die betroffenen Hundeschulen und Hundetrainer konzentrieren sich in ihrer Arbeit nämlich vorwiegend oder sogar ausschließlich auf die Ausbildung von Hunden. Dies ist allein schon anhand der angewendeten Trainingsmethoden und genutzten Trainingsmittel nachzuweisen. Soll heißen, immer wenn beim Training eines Hundes letztendlich seine Konditionierung das Ziel ist, er also auf einen gesetzten Reiz eine gewollte Reaktion zeigen soll, kann es sich nur um seine Ausbildung handeln. Typische Beispiele sind alle Varianten von Belohnungen, die eingesetzt werden, um ein gewünschtes Verhalten zu initiieren.

Soweit so gut, und noch kein Grund zur Kritik, solange der gegenüber der Hundeschule geäußerte Wunsch von Frauchen war, ihren Schützling doch bitte auszubilden; sprich Sitz, Platz & Co. beizubringen oder ihn dazu zu motivieren, zur Erheiterung aller Beteiligten im Zick-Zack durch ihre Beine zu laufen.

Problematisch wird es erst dann, wenn der geäußerte Wunsch eine solche Ausbildung gar nicht beinhaltete, sondern Frauchen sich mit der Bitte an die Hundeschule gewendet hat, ihren Liebling von seinen unerwünschten Verhaltensweisen zu befreien.

Denn wir sprechen hier in unserem Kontext, indem wir von Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Aggressionen, Zerren an der Leine, Ängste aller Art, Jagen usw. sprechen, nicht von einer mangelhaften Ausbildung des Hundes. Sondern wir sprechen hier ausschließlich von seiner ihm offensichtlich noch nicht zuteilgewordenen Erziehung, die immer dann angezeigt ist, wenn der Hund Veranlagungen besitzt, entweder generell oder aufgrund seiner Zuchthistorie, die er in seinem konkreten Alltag aber nicht ausleben soll. Für die meisten Verhaltensauffälligkeiten bedeutet dies, dass er nicht mehr selbst für die Gewährleistung seines Grundbedürfnisses nach Sicherheit verantwortlich sein soll. Und dies ist mit Hilfe der Ausbildung definitiv nicht erreichbar.

Etwas zugespitzt heißt das: Wenn sich eine Hundebesitzerin an eine Hundeschule wendet, um ihren Schützling beispielsweise von seinen Aggressionen befreien zu lassen, und der “Hundeexperte” greift zwecks des Hundes notwendiger Erziehung zu Mitteln wie dem Leckerli oder irgendeiner anderen Belohnung, sollte diese Hundebesitzerin auf gar keinen Fall auch nur einen einzigen Cent für diesen Unfug bezahlen, sondern schleunigst einen kompetenten Hundetrainer kontaktieren.

Zusammengefasst:

Wenn schon die Diagnose falsch ist, also das offensichtliche Erziehungsproblem fälschlicherweise als Ausbildungsproblem missdeutet wird, wie soll dann erst die Therapie gelingen? Eine falsche Diagnose muss zwangsläufig zur Wahl falscher Therapiemethoden führen; und diese wiederum unvermeidbar zum Scheitern des Unterfangens.

Bleibt natürlich die Frage:

Warum erkennen offensichtlich so viele Hundetrainer diesen Unterschied nicht und wenden dann fälschlicherweise bei einer offensichtlich notwendigen Erziehung die dafür völlig ungeeigneten Methoden der Ausbildung an?

Mehr oder weniger zufällig kam ich diesbezüglich mit einem Gehirnforscher ins Gespräch, der mir eine verblüffende Erklärung gab:
„Die Ursache ist das bequeme Denken“.

Und er fügte eine Empfehlung an, ich möge zum besseren Verständnis doch mal das Buch von Peter Plöger lesen, mit dem Titel:
„WARUM WIR ES GERNE EINFACH HÄTTEN UND ALLES IMMER SO KOMPLIZIERT IST“.

Das „bequeme Denken“ habe zwei Ursachen, erklärte mir der Gehirnforscher:

Zum einen die Unfähigkeit des menschlichen Gehirns, die Umwelt oder den Sachverhalt, über den wir uns ein Urteil bilden wollten, überhaupt objektiv erkennen zu können und zum anderen deren Komplexität.

Erstes bedeute: Alles was unser Gehirn aus den Tausenden von Daten produzieren könne, die es über die Sinnesorgane an Umweltinformationen zur Verfügung gestellt bekomme, sei nichts anderes als eine Vorstellung. Weder die visuellen, akustischen und taktilen noch die olfaktorischen oder gustatorischen Sinneswahrnehmungen führten zu einem adäquaten Abbild der Realität in unserem Gehirn. Im Gegenteil, alle Sinneswahrnehmungen, und das seien obendrein nur ein winziger Bruchteil derer, die die Realität an Informationen preisgebe, führe aufgrund ihrer physikalisch-elektro-chemisch-assoziativen und bewertenden Verarbeitung im Gehirn zu nichts anderem als zu einer Imagination.

Zweites bedeute: Die Umwelt und selbst sehr gegrenzt wirkende Sachverhalte, wozu übrigens auch ein Hund und seine Erziehung zähle, unterlägen der Komplexität. Diese sei gekennzeichnet durch eine Vielzahl an Variablen, von denen bei weitem nicht alle bekannt seien, die sich „unglücklicherweise“ auch noch gegenseitig beeinflussen würden – was bedeute, dass eine Variable, die sich ändere oder an deren „Stellschraube“ man drehe, sich gleichzeitig auf viele andere auswirke usw. – und dadurch einer Eigendynamik unterliegen, so dass die Gesamtheit eines Sachverhaltes gar nicht erfasst werden könne.

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, habe sich die Evolution etwas „einfallen lassen“, damit der Mensch überhaupt entscheidungs- und damit handlungsfähig bleibe. Und diese „Einfälle“ seien nichts anderes als Vereinfachungen, auch auf die Gefahr hin, wichtige Informationen nicht zu berücksichtigen. Aber prähistorisch habe es sich offensichtlich als Überlebensvorteil erwiesen, überhaupt eine Vorstellung von der Realität zu haben, auch wenn sie falsch sei, als gar keine.

Und solche Vereinfachungen seien zum Beispiel das „Gestaltungsprinzip“, bei dem insbesondere der visuelle Cortex oder auch der akustische Cortex aus in Wirklichkeit gar nicht zusammenhängenden Einzelteilen einfach ein zusammenhängendes Schema produziere. Beispielsweise nehme jeder Autofahrer die unterbrochene Mittellinie auf der Straße als einen zusammenhängenden Streifen wahr oder würde Stein und Bein schwören, wenn er im August im Wald einen Knall höre, dass der Jäger einen Hirsch erschossen habe, obwohl es ein Silvesterknaller gewesen sei. Oder jeder wird sicherlich die Wirkung des „Perseveranzeffektes“ kennen. Dabei versuche das Gehirn der Einfachheit halber in das selbstproduzierte Schema sogar widersprechende Informationen einfach zu integrieren oder gar „wegzudiskutieren“, selbst wenn der gesunde Menschenverstand schon laut protestiere. Oder jeder kenne den sogenannten „Ankereffekt“ oder das mit ihm verwandte „Labeling“, bei dem das Urteilsvermögen eines Menschen wesentlich beeinflusst werden könne allein durch die sprachliche Form einer Fragestellung. Wenn Unfallzeugen im Nachhinein beispielsweise befragt werden, mit welcher Geschwindigkeit zwei Fahrzeuge „ineinandergekracht“ oder „zusammengestoßen“ seien, fielen die Geschwindigkeitsangaben völlig unterschiedlich aus. Oder die sogenannte „illusorische Korrelation“. Dabei werden zwei Ereignisse, die zufällig in enger zeitlicher oder örtlicher Nähe zueinander auftreten, gerne vom Gehirn als zusammengehörig wahrgenommen.

Im Buch von Peter Plöger heißt es dazu, „Wir können nicht nicht urteilen. Alle Menschen sind von ihrer kognitiven Anlage her auf das Abschätzen, Bewerten und Erklären ihrer Umwelt abgestellt, mehr noch: Sie sind dazu gezwungen.“

Der Schweizer Psychiater Mario Gmür bezeichnet das ständige Streben des Menschen nach Urteilen als „Ambiguitätsintoleranz“. Der Mensch zeige eine deutliche Vorliebe für Vertrautheit, Symmetrie, Bestimmtheit und Regelmaß sowie die Tendenz zu Schwarz-Weiß-Lösungen und stark simplifizierenden Dichotomie.

Peter Plöger schreibt: „Wahrnehmen und Urteilen funktionieren nach einem Grundmechanismus der Reduktion von Komplexität. Die komplexe Welt muss wahrgenommen und vom psychischen System angenommen werden. Das heißt, dass laufend Urteile über sie hergestellt werden, will der Mensch in ihr agieren. Gleichzeitig muss das psychische System konsistent bleiben, damit der Mensch nicht das Gefühl der Orientierungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit bekommt. Aufgrund der Komplexität des Inputs ist beides nur möglich, wenn diese verringert wird.“

Was hat das nun alles mit unserem Problem der Hundeerziehung zu tun, bzw. mit ihrer falschen Diagnose?

Im weiteren Sinne führe das ständige Streben nach Vereinfachung auch zu solchen kognitiven Fehlleistungen wie dem Anthropomorphisieren, also dem Vermenschlichen anderer Wesen oder Dinge, in unserem Falle des Hundes. Dem Hund werde der Einfachheit halber – sogar von Fachleuten wie HundetrainerInnen – unbewusst menschliche Wesenszüge und Bedürfnisse anheimgestellt, um sich deren Wesen und Verhaltensweisen besser vorstellen zu können. Dies geschehe in der Regel unbewusst und nicht mit böser Absicht. Wenn beispielsweise die Entscheidung anstünde, den Hund für ein ungewolltes Verhalten entweder bestrafen zu wollen oder durch eine ihn belohnende Ablenkung davon abzuhalten, laufe zum Zwecke der Entscheidungsfindung im Gehirn des Protagonisten die Assoziation ab, was diese beiden Varianten aller Wahrscheinlichkeit nach in der Psyche des Hundes bewirken werden. Da ein „gesunder“ Mensch mit der Fähigkeit zur Empathie „ausgestattet“ sei, also der Fähigkeit, Gefühle anderer in sich selbst nachzuvollziehen, stelle der Protagonist sich vor, wie wohl eine Bestrafung für ihn selbst sich „anfühle“, ohne kritisch zu hinterfragen, ob diese mentale Welt auch auf einen Hund zutreffe.

Und schwuppdiwupp hat unser Gehirn einen klassischen Irrtum produziert. Zwar schön einfach, aber eben falsch.

Wenn sich eine Hundeschule vorwiegend und erfolgreich mit der Ausbildung von Hunden befasst, fällt es ihren TrainerInnen offensichtlich schwer, sich von ihrem „Hammer“ zu trennen, weil sie in jedem Problem einen „Nagel“ meinen zu erkennen. Dabei bräuchten sie ihr „bequemes Denken“ nur für einen kurzen Moment durch ein etwas anstrengenderes Denken ersetzen, indem sie noch nicht einmal das Anthropomorphisieren aufgeben müssten, sondern sich lediglich vergegenwärtigen, dass selbst bei Kindern zwischen ihrer Ausbildung und ihrer Erziehung unterschieden werden muss. Auch ein Kind lässt sich kaum auf Dauer mittels ein paar Süßigkeiten davon abhalten, ständig andere Kinder zu verprügeln. Dazu bedarf es vielmehr seiner Erziehung und nicht seiner Ausbildung.

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58. „MEIN HUND WILL SIE NUR BEGRÜSSEN!

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oder
eine weitere Falle des Anthropomorphismus?

Beim Besuch einer meiner letzten Kundinnen, die einen „verhaltensauffälligen“ Terrier ihr Eigen nannte und mich zwecks „Therapie“ um Hilfe bat, hörte ich bereits bei meiner Ankunft hinter der Haustür ein „vielversprechendes“ und mit eindeutigen Botschaften versehenes Bellen. Ich sah mich deshalb veranlasst, die Hundehalterin, bevor sie sich anschickte, die Tür zu öffnen, von draußen laut rufend mit der Frage, ob sie ihn auch im Griff habe, dazu zu bewegen, ihn doch bitte anzuleinen.

Auch wenn mein Unterarm mittlerweile, wie mein kleiner Sohn es bewundernd einmal feststellte, doch von den vielen Beißattacken schon aus Eisen sein müsse, gibt es für mich angenehmere Willkommensrituale als stets in den Arm gebissen zu werden.

„Keine Angst, der tut nichts, der will Sie nur begrüßen!“ war ihre mir offensichtlich Mut zusprechen beabsichtigte Antwort.

Aber noch bevor ich ihr ihren Irrtum erklären konnte und sie auch nicht meiner zuvor indirekt geäußerten Bitte nachgekommen war, öffnete sie die Tür.

Nachdem ich mich dann, wie Sie erahnen können, von dem mir am Arm hängenden Terrier befreit hatte, sah ich mich veranlasst, der vor Entsetzen zuvor erstarrten, sich aber wieder erholten Dame, einen Kurzvortrag über die angeblichen „Begrüßungsrituale“ eines Hundes zu halten. Und ich war auch diesmal – mit dem Wissen über den Anthropomorphismus ausgestattet – davon überzeugt, dass die gute Frau mir sicherlich nicht glauben würde, wenn ich ihr einfach nur erklären wollte, dass Hunde niemals jemanden begrüßen. Denn sie kennen keine Begrüßungsrituale wie man sie ihnen immer wieder unterstellt. Zumindest nicht in dem Sinne, wie der Mensch sie sich in seiner anthropomorphisierenden Imagination ausmalt.

Also bleibt mir in solchen Fällen nur übrig, anhand der Geschichte des menschlichen Begrüßungsrituals nachzuweisen, dass Hunde ein solches nicht kennen können, da es dafür der Entwicklungsgeschichte des Menschen bedurfte:

Wie das Leben so spielt, kommt mir in diesem Jahr für eine solche Erklärung ein Ereignis am 21. November zu Hilfe. Dann ist nämlich der „Welt-Hallo-Tag“. Die Erfinder verfolgen damit die Absicht, die Kommunikation und den Frieden zwischen den Völkern zu fördern. Im Rahmen dessen erklären sie die vielen unterschiedlichen Begrüßungsrituale, die es weltweit gibt. Angefangen beim vorwiegend in westlichen Ländern üblichen Händeschütteln, welches in asiatischen Ländern eher als unhöflich gilt, über den Handkuss oder dem sogenannten Proseccoküsschen des angedeuteten Wangenkusses links und rechts am Ohr seines Gegenüber vorbei; das Händeklatschen über die Freude eines ankommenden Gastes, bis hin zum asiatischen Verbeugen ohne dem Gegenüber in die Augen zu schauen, denn das wäre wiederum unhöflich; oder dem traditionellen Gruß der Maori, dem Hongi, bei dem sich beide mit der Stirn und Nase berühren, um ihren Atem auszutauschen; oder dem in vielen Volksgruppen üblichen Umarmen. Und nicht zu vergessen, die früher übliche Pflicht, heute aber nur noch selten zu sehen, zum Lüften des Hutes auf der dem Gegenüber abgewandten Seite, um wie zu Zeiten der Ritter seinen Helm abzunehmen und damit sein Gesicht zu zeigen und seine friedliche Absicht zu signalisieren. Kurzum, dem Menschen ist es halt eigen, einem Neuankömmling mit einem freundlich gesinnten Begrüßungsritual zu begegnen.

In unserem hiesigen Kontext ist aber die Geschichte dahinter und insbesondere der Wandel dieses Rituals von Interesse. Denn der Ursprung des Grüßens, wie auch die unterschiedlichen Grußrituale, werden hergeleitet aus den nicht sehr friedlichen Epochen des menschlichen Daseins. So sollten in einer von Konflikten geprägten Zeit unnötige Streitereien schlichtweg vermieden werden, indem die sich Begegnenden einander durch eine Grußgebärde ihrer friedlichen Absicht versicherten. So entstand das Reichen der rechten Hand als diejenige, die ansonsten die Waffen trug.

Allerdings hat sich durch den Wandel des Zusammenlebens hin zu einem überwiegend friedlichen dieses Begrüßungsritual ebenso gewandelt zu einer oftmals reinen Geste der Höflichkeit, welches nicht selten gepaart ist mit dem Gefühl und dem Ausdruck von Freude über den Neuankömmling. Die prähistorisch notwendig gewesene Absicht des Schlichtens oder Vermeidens von Konflikten war somit nicht mehr gegeben, auch wenn die Vorstellung von einer überwiegend friedlichen Welt in heutiger Zeit, die von vielen Konflikten und Kriegen geprägt ist, schwerfällt. Trotzdem, insgesamt ist die menschliche Welt nun einmal tatsächlich friedlicher geworden.

Und damit sind wir bei unserem „Problem“:

Der Hund kennt ein sich so gewandeltes Begrüßungsritual nicht. Ihm haftet immer noch der Urinstinkt seines Urvaters, des Wolfes an, der sich in den mehr als 30.000 Jahren seiner Domestikation eher noch verstärkt hat als abgeschwächt, geschweige denn gewandelt. Denn nicht nur die ersten Wölfe, die in menschlicher Gemeinschaft lebten, hatten die Aufgabe, unliebsame Gesellen fernzuhalten. Viele spätere Zuchtlinien von Hunden selektierten und verstärkten gerade diese Anlagen. Somit hat sich das dem Hund von seinem wölfischen Urvater vererbte Verhalten beim Begegnen mit seinesgleichen oder anderen Mitglieder der Faune weitestgehend erhalten. Selbst bei Mitgliedern des eigenen Rudels einer Wolfsfamilie, die sich doch eigentlich recht gut kennen sollten, werden sogar Wiederankömmlinge, die von einem Jagdausflug zum Rudel heimkehren, von einer Abordnung weit vor der Unterkunft aufklärerisch „begrüßt“, indem ihre sich eventuell inzwischen geänderten Absichten eruiert werden. Und zum Zeichen der eigenen friedlichen Gestimmtheit werden sich gegenseitig die Lefzen geleckt und unterwürfige Signale ausgesandt.

Mit anderen Worten, das vermeintliche Begrüßungsritual des Hundes einem Neuankömmling oder Heimkehrenden gegenüber ist nichts anderes als seine Aufklärungsabsicht, was dieser wohl im Schilde führt. Selbst – und das ist für so manch eine meiner Kundinnen eine schwer zu „verdauende Kröte“ – wenn Frauchen am Abend von der Arbeit heimkommt, ist das, was ihr Hund dann zelebriert, nichts anderes als das Resultat seiner Neugierde, wissen zu wollen, ob Frauchen auch jetzt noch so friedlich gestimmt ist wie sie es war, als sie ihn morgens verließ. Und das wilde Rutenwedeln ist mitnichten, wie oftmals vermutet, ein Ausdruck von Freude, sondern ein zweifelsfreies Indiz für seine Unsicherheit bezüglich der folgenden Geschehnisse. Diese Unsicherheit muss nicht negativ belegt sein. Man kann sie auch als Neugierde bezeichnen oder Interesse daran, wie sich die Situation weiter entwickeln mag.

Dass ein solches Ritual durchaus mit dem Gefühl von Freude korrelieren kann, steht außer Frage. Aber es ist falsch, anzunehmen, dass das Wedeln mit der Rute durch das Gefühl von Freude ausgelöst werde. Das Rutenwedeln ist ausschließlich durch seine Unsicherheit ob der weiteren Entwicklung der Situation determiniert. Denn warum sollte ihm urplötzlich seine Freude abhandenkommen, sowie Frauchen ein eindeutiges Signal ihrer friedlichen Gestimmtheit aussendet.

Und damit kommen wir zu dem, was sich aus diesen Erkenntnissen für die Hundeerziehung ableitet:

Wenn ein Hund einem Neuankömmling gegenüber ein solches „Interesse“ zeigt wie der Terrier in dem eingangs geschilderten Fall mir gegenüber, ist es nichts anderes als die Manifestation einer dem Hund von Frauchen übertragenen Verantwortung. Diese beinhaltet in der Regel, für die eigene Sicherheit selbst sorgen zu müssen oder auch für die von Frauchen oder irgendeiner Ressource wie beispielsweise Haus und Hof.

Und wenn dann sein Verhalten, was objektiv betrachtet nichts anderes ist, als das Wahrnehmen dieser ihm übertragenen Verantwortung – also ein absolut natürliches – als auffällig oder störend interpretiert wird, ist es für mich wiederum ein Indiz dafür, dass ihm diese Verantwortung nicht bewusst oder willentlich übertragen wurde, sondern eher unbewusst oder unwillentlich. Denn ansonsten wäre Frauchen ja bewusst, dass sein Verhalten völlig normal ist und seinem natürlichen agonistischen Verhaltensrepertoire zugerechnet werden muss.

Insofern besteht auch hier der „Therapieansatz“ darin, wenn ein solches „Begrüßungsritual“ als störend empfunden wird – was nicht zwangsläufig der Fall sein muss, wenn wir an Wach- und Schutzhunde denken – den Hund von seiner Verantwortung zu entbinden. Und man wird sehen, wenn er keine Verantwortung mehr trägt, wird er auch keinerlei Interesse mehr an einem Neuankömmling demonstrieren. Denn er weiß ja, dass Frauchen dieser Aufklärungspflicht nachkommt.

Aber bitte geraten Sie jetzt nicht gleich in Panik, wenn Ihr Hund einem Neuankömmling gegenüber Interesse zeigt. Solange er ihm nicht in den Arm beißt, oder es niemanden stört, ist die Welt ja in Ordnung. Sie sollten aber wissen, wenn er ihm entgegenläuft und nicht Sie als erstes den Gast begrüßen, sondern er, dass dies ein Indiz für seine ihm von Ihnen übertragene Verantwortung ist.

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57. „HUND BEISST BABY FAST ZU TODE

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oder
eine Horrormeldung mit sehr unterschiedlichen Reaktionen!

Obwohl es – zugegeben etwas zugespitzt ausgedrückt – beinahe mein „Täglich Brot“ ist, nach solchen oder ähnlichen Vorfällen entweder vom Amtstierarzt oder von den HundebesitzerInnen selbst um Hilfe gebeten zu werden, ist und bleibt es trotzdem für mich jedes Mal ein grässlicher und völlig unnötiger Anlass der „Hilfeleistung“, weil er in beinahe allen Fällen, in denen ich gerufen werde – mit wenigen  pathologisch bedingten Ausnahmen – zu verhindern wäre.

Der oben genannte Vorfall ging am 17. Mai 2018 durch die Medien und erschütterte die Öffentlichkeit – zu Recht.

Aber ich möchte diesen Vorfall zum Anlass nehmen, die Sache einmal kontrovers darzustellen mit der Hoffnung, dass sich auch diesmal wieder viele provoziert fühlen und an der Diskussion beteiligen. Denn meine Beiträge sind nicht gedacht – wie mir oftmals unterstellt wird – mein Wissen als allein richtiges darzustellen, sondern lediglich zum Nachdenken anzuregen und eine Diskussion zu initiieren, um das Thema Hundeerziehung (nicht Ausbildung) weiter zu entwickeln.

Jedes Mal, wenn eine Meldung wie jene am 17.05.2018 in den Medien auftaucht, reagiert die Öffentlichkeit verständlicherweise geradezu empört und verlangt nicht selten für den Delinquenten inquisitorisch die „Todesstrafe“.

Aber eine ähnliche – nur eben anders begründete – scharfe Reaktion erfahre ich, wenn ich eine der wichtigsten Erziehungsmaßnahmen – nämlich die Bestrafung – versuche zu legitimieren. Ein regelrechter Shitstorm schießt wie eine Lawine über mich hinweg und Begriffe wie Tierquäler oder ähnliche sind noch jene harmlosen.

Gestatten sie mir, einen Vorfall zu schildern, der sich in meinem unmittelbaren Umfeld ereignete:

Ein kleiner Junge, zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt, besuchte wie so oft seine Großeltern und spielte unter Aufsicht in deren Swimmingpool. Und wie für einen sechsjährigen nicht unüblich, verursachte dieses Spiel natürlich Geräusche. Diese provozierten offensichtlich die Aufmerksamkeit des Nachbars Rottweiler. Für die Besitzer des Hundes angeblich ohne Vorwarnung und ohne dass sie hätten reagieren können, überwand dieser, ihren Schilderungen nach, urplötzlich den Elektrozaun nebst Hecke, sprang zu dem Kind in den Pool und attackierte dessen Schwimmhilfe. Der kleine Junge schrie verständlicherweise „wie am Spieß“ – glücklicherweise nur vor Schreck, denn der Hund erwischte „nur“ das Gummitier. Der Opa, der sich – auch glücklicherweise – nur wenige Schritte neben dem Pool befand, reagierte geistesgegenwärtig und entwickelte offensichtlich eine Kraft und Entschlossenheit, die wohl nur ein Opa entwickelt, der das Wohlbefinden seines Enkelkindes bedroht sieht. Er konnte den Hund Sekunden später im Genick ergreifen und aus dem Pool “befördern”.

Was er dann mit diesem Hund anstellte, möchte ich an dieser Stelle nicht schildern. Aber seinen Schilderungen zufolge habe er den Hund drakonisch bestraft. Und nur seine instinktive Achtung vor der Kreatur Hund, der seinen Worten nach der einzige gewesen sei, der eigentlich gar nichts für diesen Vorfall könne, habe ihn davon abgehalten, ihn todzuschlagen oder, wenn er ihn nicht sofort aus dem Pool gekriegt hätte, zu ersäufen.

Die entscheidende Frage im Kontext meines hiesigen Beitrages lautet nun:

„War des Opa’s ‚Strafmaßnahme‘ gerechtfertigt?“

Ich mache keinen Hehl aus meiner Antwort:

„Na selbstverständlich! Sie war sogar alternativlos und die einzig richtige!“

Nach meinen langjährigen Erfahrungen in der Erziehung von auffällig gewordenen Hunden, insbesondere intraspezifisch und interspezifisch sehr aggressiven, bieten sich nur zwei wirkungsvolle und nachhaltige Erziehungsmittel:

1. Die Demonstration: Da bis auf die Jagdaggression und pathologisch bedingte alle anderen Aggressionen in der Selbstverteidigungsabsicht des Hundes begründet sind, muss das Ziel einer intraspezifischen und interspezifischen Sozialisation – also Erziehung – darin bestehen, den Hund demonstrativ von seiner ihm angeborenen Verantwortung für seine eigene Sicherheit bzw. die Sicherheit von Frauchen oder einer Ressource, die ihm eventuell anvertraut wurde, entbunden werden; die effizienteste Methode, dies zu erreichen, ist, ihm in allen Lebenslagen demonstrativ Schutz zu bieten.

2. Die Korrektur: Der Hund wird konsequent unmittelbar nach jedem sozialen Fehlverhalten korrigiert und in Abhängigkeit des Grades des Fehlverhaltens bestraft. Eine nicht erfolgte Korrektur oder Bestrafung wäre nämlich gleichbedeutend mit einer Duldung seines Verhaltens.

Allerdings: Beide Mittel müssen zwingend simultan angewendet werden, weil ansonsten die Korrektur bzw. Bestrafung für den Hund keinen Sinn ergibt und er in Konflikte gerät. Denn solange der Hund nicht von seiner Verantwortung für seine Sicherheit entbunden wurde – er also immer noch selbst für seine Unversehrtheit zu sorgen hat – wäre eine Bestrafung seines Verhaltens, was ja eine Selbstverteidigung darstellt, für ihn nicht nachvollziehbar.

Und übrigens: Sollte ein Hund auch nur das geringste Anzeichen eines aggressiven Verhaltens gegenüber Kindern zeigen – und sei es nur ein Knurren – muss der Hund mit aller Härte korrigiert, also bestraft werden. Nur so kann dem Hund demonstriert werden, dass Kinder ein absolutes „No-Go“ sind und unter dem besonderen Schutz des Menschen stehen.

Und für alle, die jetzt „tief Luft holen“, sei, bevor sie loslegen, folgendes gesagt:

1. Gehen Sie nicht dem Anthropomorphismus auf den Leim und interpretieren die Bestrafung eines Hundes mit gleichen menschlichen moralischen und ethischen Maßstäben. Ein Hund wird eine Bestrafung nicht mit sentimentalen Reaktionen wie einem Beleidigt-Sein quittieren. Für ihn ist eine Bestrafung nichts anderes als eine vermittelte und erkannte Grenze, die er nicht überschreiten soll. Denn nichts anderes haben schon seine Eltern mit ihm praktiziert, wenn sie ihm die Regeln des hündischen Zusammenlebens erklärt haben. Beispielsweise – und aus eigener Praxis bestätigt – wird ein Hund, der in einer Familie lebt und für das Anknurren des kleinen Kindes energisch bestraft wurde, sich nicht schmollend in eine Ecke verkriechen, sondern sogar instinktiv den Schutz dieses Kindes übernehmen, weil ihm demonstriert wurde, dass dieses Familienmitglied einen besonderen Schutz genießt.

2. Ich spreche hier nicht von der Ausbildung des Hundes. Sondern ich spreche ausschließlich von seiner Erziehung, also seiner intraspezifischen und interspezifischen Sozialisierung. Dies hat nichts, aber auch gar nichts mit seiner Ausbildung zu tun. Für letztere können selbstverständlich auch Methoden der Belohnung bzw. Konditionierung angewendet werden und Bestrafungen sind hier gar nicht notwendig. Aber dies steht hier nicht zur Diskussion.

Und ich möchte auch all jenen, die Kritik an der Erziehung durch Bestrafung bzw. Korrektur üben und vehement gegen eine solche sich äußern, ans Herz legen, sich nur einmal für einen kurzen Moment in die Situation zu versetzen, wie sie sich wohl fühlen mögen, wenn sie sich gegenüber einer jungen Familie, deren kleines Kind von einem nicht erzogenen Hund lebensgefährlich entstellt wurde, rechtfertigen müssten. Wenn dann der vom Amtstierarzt beauftragte Hundetrainer bestätigen würde, dass dieser Vorfall hätte verhindert werden können, wenn der Hund konsequent erzogen worden wäre, indem er in ähnlichen Situationen konsequent bestraft worden wäre; ob jene dann immer noch den Mut hätten, sich in Anwesenheit dieser jungen Familie sinngemäß zu äußern, sie würden die Bestrafung in der Erziehung des Hundes konsequent ablehnen? Ich kann all jenen versichern, dass sie sich in solchen Momenten wahrscheinlich vor Scham wünschten, im Erdboden verschwinden zu können.

Ich vermute aber, dass all jene, die die Bestrafung als Erziehungsmethode ablehnen, sich noch nicht wirklich den Unterschied zwischen Ausbildung und Erziehung vergegenwärtigt haben.

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56. IST DER HUND EIN RUDELTIER?

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oder
Seien Sie lieb zu Ihrem Hund und meiden Sie Hundetreffen!

Um die Frage nach dem Rudeltier schon mal vorab zu beantworten:

Nein, der Hund ist kein Rudeltier (mehr).

Ich habe mich zwar auch schon gelegentlich dazu hinreißen lassen, unter anderem in meinem Buch, dem Hund das Wesen eines Rudeltieres zuzuschreiben. Aber meine Intension bestand ausschließlich darin, mit dieser Metapher die Beziehung zwischen Frauchen und Hund ähnlich verstanden zu wissen, wie in einem Rudel das Verhältnis zwischen den Leittieren – in der Regel sind das die Eltern – und deren Nachkommen. Und ebenso, wie beispielsweise in einem Wolfsrudel auch – obwohl falsche Mythen das Gegenteil immer wieder behaupten – finden zwischen Mensch und Hund auch keine Machtkämpfe statt. Kein Hund will die Führungsrolle von Frauchen in Frage stellen. Im Gegenteil, sein Wohlbefinden setzt quasi voraus, dass er sich zuverlässig an ihr orientieren kann. Probleme entstehen immer dann, wenn Frauchen die Verantwortung und die sich daraus ergebenden Aufgaben, wie beispielsweise die Gewährleistung seiner Sicherheit, nicht wahrnimmt.

Der Hund ist aber kein Rudeltier mehr so wie sein Vorfahre, weil er die Vorteile, die diese soziale Form des Zusammenlebens im Überlebenskampf bot, nicht mehr benötigt. Für ihn ist an diese Stelle die Beziehung zum Menschen getreten. Darüber dürfen auch nicht solche Geschichten wie die der „Pizzahunde“ von Günther Bloch, die als verwilderte Hunde in einer Art „Rudel“ zusammenleben, hinwegtäuschen. Weder diese noch die Vorstellung an irgendeine andere Art des Rudellebens sollten als Maßstab gelten, wenn man daran die typischen Bedürfnisse eines Haushundes festmachen wollte. Ansonsten könnte man daraus falsche und nicht ganz “ungefährliche” Schlüsse für Bellos Wohlbefinden ziehen.

Denn Hand aufs Herz, wer kommt beim Gedanken an ein Rudel nicht schon mal auf die Idee, seinem vierbeinigen Liebling etwas ganz besonders Gutes angedeihen zu lassen und sich und ihn zum nächsten Hundetreffen anzumelden. Eine ähnlich schlechte Idee ist es, mit dem Hund auf eine Hundespielwiese – wie sie übrigens zynischer kaum betitelt werden kann – gehen zu wollen und ihn dort losgeleint seiner vermeintlichen Spielfreude mit seinesgleichen nachgehen zu lassen. Wenn man einen solchen Ort, an dem sich unzählige Hunde losgeleint tummeln, als das bezeichnen wollte, was es wirklich ist, sollte man sich zuvor in die mentale Welt seines Lieblings versetzen und sich vorstellen, was in ihm tatsächlich vorgehen mag, wenn man ihn losgeleint, also ohne Schutz, der dort lauernden Meute überlässt. Dann sollte man diesen Ort nämlich als Kriegsschauplatz beschreiben. Und man sollte zutiefst dankbar sein, wenn Bello aus diesem Scharmützel ohne seelischen und physischen Schaden wieder herauskommt. Denn alle Vierbeiner, die dort herumlungern, sind seine potentiellen Konkurrenten, Rivalen oder sogar Gegner und Feinde. Nicht ein einziger Freund ist darunter.

Wenn Sie allerdings diese Wiese für sich allein haben, dann spricht überhaupt nichts dagegen, hier mit Ihrem Liebling stundenlang Frisbeescheiben-Zurückholen zu spielen.

Ein weiteres Beispiel, bei dem wahrscheinlich auch die falsche Vorstellung, der Hund sei ein Rudeltier, der Auslöser war, durfte ich zu meinem Bedauern auf Initiative eines meiner Kunden selbst mit ansehen:

Ein Kunde hatte mich gebeten, ihn zu einer ihm bekannten Hundeschule zu begleiten, um mir mit eigenen Augen ein Bild von der dort gängigen Praxis zu machen; quasi als Beweis seiner Schilderungen, denn ich wollte ihm nicht recht glauben. Aber tatsächlich geschah dort etwas für mich Unfassbares:

Der Hundetrainer gab wider jeglicher Vernunft zum Ende seiner Trainingseinheit allen teilnehmenden Herrschaften mehr oder weniger die Weisung, ihre Hunde – sozusagen zur Belohnung und Entspannung, wie er es begründete – von der Leine zu lassen, um sie zum Abschluss dieses anstrengenden Trainings noch einmal ausgiebig miteinander spielen zu lassen. Auch die Begriffe „Spielen“ und „Entspannung“ waren von ihm ernst gemeint. Und nicht, dass Sie denken, die zuvor absolvierte Trainingseinheit hätte die Erziehung der Hunde zum Inhalt gehabt. Denn dann hätte man ja noch mit sehr viel gutem Willen und der festen Annahme, dass die Erziehung auch bei ausnahmslos allen Teilnehmern von Erfolg gekrönt war, unterstellen können, die Überprüfung des Trainingsziels sei der Zweck dieser wahnwitzigen Handlung gewesen. Aber nein, ausschließlich die Ausbildung der Hunde war zuvor Inhalt des Trainings. Mir rutschte, bevor ich eingreifen konnte, reflexartig heraus: “Um Gottes Willen!“

In solchen Situationen wird offensichtlich selbst der eingefleischteste Atheist zum Theisten. Makabererweise hätte man vermuten können, des Hundetrainers bester Freund sei Veterinär und er selbst an dessen Gewinn beteiligt.

Ich vermute, dass solche Irrungen unter anderem in der falschen Vorstellung begründet sind, der Hund fühle sich in einer Ansammlung seinesgleichen wohl. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Kein Hund würde jemals den Wunsch äußern, so er es könnte, sich freiwillig mit einer Meute fremder Hunde zu raufen.

Leider täuscht auch die Tatsache, dass oftmals mehrere Hunde in einem Haushalt gemeinsam in friedlicher Koexistenz miteinander leben, deren Wunsch vor, sie würden sich geradezu danach sehnen, mit anderen ihrer Artgenossen zusammenleben zu wollen, denn sie kommen durchaus miteinander klar.

Wenn man Hunde aber fragen könnte und sie in der Lage wären, uns zu antworten, würden sie, vor die Wahl gestellt, mit oder ohne einen Artgenossen in unserer Gemeinschaft leben zu wollen, mit Sicherheit antworten:

„Lieber mit euch allein!“

Ähnlich würde Bellos Antwort ausfallen, wenn man ihn fragen und er antworten könnte, ob er denn mit uns an einem gemeinsamen Waldspaziergang mit vielen FreundInnen teilnehmen möchte. Seine Antwort würde höchst wahrscheinlich lauten:

„Unter einer Bedingung: Wenn alle FreundInnen ihre Hunde zu Hause lassen!“

Auch eine andere typische Situation wird – bedauerlicherweise sogar von ausgebildeten Hundetrainern – völlig fehlinterpretiert:

Wenn sich zwei Hunde begegnen und schwanzwedelnd aufeinander zustreben, dann hat dies nämlich absolut nichts mit einer unterstellten und angeblichen Kommunikationsabsicht oder gar Freude dieser zwei Protagonisten zu tun. Es ist nichts anderes als das beabsichtigte gegenseitige Aufklären der Absichten des jeweils anderen. Ein Gefühl von Freude ist bei den Protagonisten in solchen Situationen nicht nur abwesend, sondern u.U. sogar Gefühlen wie Angst oder Stress gewichen. Ersparen Sie Ihrem Hund solche Begegnungen, indem Sie ihn erziehen und ihn somit von seiner Verantwortung für die eigene Sicherheit entbinden; damit er sich nicht mehr gezwungen sieht, zu klären, ob der andere böse oder gute Absichten hegt. Und Sie werden sehen, unmittelbar danach scheint die angebliche Freude und sein Drang nach Begegnungen mit anderen Hunden wie ausgelöscht. Von jetzt an wird für Bello ein zutiefst entspanntes Hundeleben beginnen, denn er kann von nun an davon ausgehen, dass Sie die Aufklärungsarbeit leisten.

Von einem noch weitaus schlimmeren Irrtum zeugt ein praktizierter Irrsinn – wie mir kürzlich wiederholt eine Kundin berichtete – eines vermeintlichen Hundeexperten. Dieser schicke angeblich besonders aggressive Hunde – ausgestattet mit einem Maulkorb, damit sie keinen Schaden anrichten können – zum Zwecke ihrer „Sozialisierung“ losgeleint in ein „Rudel“ fremder Hunde mit dem Argument, diese würden das „Problem schon untereinander klären“. Anschließend käme dann der Protagonist aus dieser „Rudel-Erziehungsmaßnahme“ sozialisiert wieder heraus.

Allein der Gedanke daran ist schon gruselig. Denn das, was dort passiert, ist genau das Gegenteil von dem, was eine Sozialisierung bezweckt. Nämlich das Ziel zu verfolgen, dass der zu sozialisierende Hund im Ergebnis dessen sich sozial verträglich gegenüber seinesgleichen verhält, sprich, seine Aggressionen sein lässt. Dieses Ziel ist dann erreicht, wenn er in anderen Hunden keine Konkurrenten, Rivalen oder gar Feinde mehr sieht. Denn letzteres ist der Grund für seine Aggressionen. Ergo, sein Grundbedürfnis nach Sicherheit muss befriedigt und er selbst darf nicht mehr für seine eigene Sicherheit verantwortlich sein. Von dieser Selbstverantwortung für seine Sicherheit muss er aber demonstrativ entbunden werden, denn von Natur aus – das hat man ihm in über 30.000 Jahren angezüchtet – kommt er erst einmal selbst dieser Verantwortung nach. Wenn man ihn also sozialisieren will, muss Frauchen ihm demonstrativ zeigen, dass ab sofort nicht mehr er selbst sondern sie dieser Verantwortung nachkommt und er sich ab sofort nicht mehr darum zu kümmern hat. Frauchen hält ihm sozusagen von nun an alle Feinde vom Halse.

Selbst wenn er physisch unbeschadet aus dem oben beschriebenen Scharmützel herauskommt – was sogar anzunehmen ist, denn wie seine Aggressivität belegt, war er bisher selbst für seine Sicherheit verantwortlich und hat dies ganz gut überstanden – verlässt er diese sogenannte Erziehungsmaßnahme mit einer sehr folgenschweren Botschaft. Indem man ihn jetzt nämlich sogar demonstrativ losgeleint und allein in eine Meute fremder Hunde schickt, die übrigens mitnichten ein Rudel sind, gibt man ihm ein genau diametral entgegengesetztes Signal zu dem, was ich gerade als notwendiges Signal bezüglich einer Sozialisierung beschrieben habe:

„Sorge selbst für deine Sicherheit, ich bin zu feige“ – Absender: Dein Frauchen bzw. Herrchen.

Er wird also noch einmal auf eine besonders intensive und einprägsame Weise in seiner bisherigen Überzeugung bestärkt, selbst für seine Unversehrtheit verantwortlich zu sein. Und die besondere Perversität in der oben beschriebenen Praxis besteht darin, ihn sogar bewusst wehrlos in die Auseinandersetzung zu schicken, indem man ihm einen Maulkorb umbindet. Sein Vertrauen in Frauchen erhält einen argen Dämpfer.

Alle solche Fehleinschätzungen, gegen die schon der gesunde Menschenverstand rebelliert, sind offensichtlich u.a. in der Vorstellung begründet, der Hund sei ein Rudeltier und die Erziehung übernehme das Rudel. Aber er ist keines.

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