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Schlagwort: Hund

59. „HABEN DIE ALLE KEINE AHNUNG?“

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oder
Die Erklärung eines Gehirnforschers

Viele meiner KundInnen – insbesondere in den letzten Jahren – baten mich um fachliche Hilfe, nachdem sie bereits mehrere andere Hundetrainer oder Hundeschulen an ihren „Problemhunden“ haben erfolglos herumdoktern lassen. Will meinen, all diese vermeintlich dilettantischen Versuche, ihre verhaltensauffälligen Hunde zu therapieren, waren offensichtlich gescheitert.

Wenn wir dann aber zu ihrem Erstaunen – meistens innerhalb nur einer einzigen Trainingseinheit – ihr „Problem“ aus der Welt geschaffen haben, fragen sie mich nicht selten – begleitet von einem nachdenklich wirkenden Kopfschütteln – warum denn all die anderen Hundetrainer das nicht in den Griff bekommen hätten: „Haben die alle keine Ahnung?“

Auch wenn es mich manchmal reizt, diese Frage mit „Ja“ zu beantworten, denn die Häufung solcher Fälle und die Schilderungen, wie solche „Therapien“ angeblich abgelaufen seien, wären eigentlich Rechtfertigung genug. Aber trotzdem, denke ich, wäre es unseriös und würde den vielen fachlich korrekt arbeitenden HundetrainerInnen Unrecht tun. Trotzdem erwarten meine KundInnen natürlich eine Reaktion, obwohl es für mich eine Gratwanderung ist, wenn ich mir nicht den Vorwurf einhandeln will, mich auf Kosten anderer profilieren zu wollen.

Es gibt, zumindest nach meinen Recherchen zu urteilen, eine relativ einfache Erklärung für all diese Fälle:

Die betroffenen Hundeschulen und Hundetrainer konzentrieren sich in ihrer Arbeit nämlich vorwiegend oder sogar ausschließlich auf die Ausbildung von Hunden. Dies ist allein schon anhand der angewendeten Trainingsmethoden und genutzten Trainingsmittel nachzuweisen. Soll heißen, immer wenn beim Training eines Hundes letztendlich seine Konditionierung das Ziel ist, er also auf einen gesetzten Reiz eine gewollte Reaktion zeigen soll, kann es sich nur um seine Ausbildung handeln. Typische Beispiele sind alle Varianten von Belohnungen, die eingesetzt werden, um ein gewünschtes Verhalten zu initiieren.

Soweit so gut, und noch kein Grund zur Kritik, solange der gegenüber der Hundeschule geäußerte Wunsch von Frauchen war, ihren Schützling doch bitte auszubilden; sprich Sitz, Platz & Co. beizubringen oder ihn dazu zu motivieren, zur Erheiterung aller Beteiligten im Zick-Zack durch ihre Beine zu laufen.

Problematisch wird es erst dann, wenn der geäußerte Wunsch eine solche Ausbildung gar nicht beinhaltete, sondern Frauchen sich mit der Bitte an die Hundeschule gewendet hat, ihren Liebling von seinen unerwünschten Verhaltensweisen zu befreien.

Denn wir sprechen hier in unserem Kontext, indem wir von Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Aggressionen, Zerren an der Leine, Ängste aller Art, Jagen usw. sprechen, nicht von einer mangelhaften Ausbildung des Hundes. Sondern wir sprechen hier ausschließlich von seiner ihm offensichtlich noch nicht zuteilgewordenen Erziehung, die immer dann angezeigt ist, wenn der Hund Veranlagungen besitzt, entweder generell oder aufgrund seiner Zuchthistorie, die er in seinem konkreten Alltag aber nicht ausleben soll. Für die meisten Verhaltensauffälligkeiten bedeutet dies, dass er nicht mehr selbst für die Gewährleistung seines Grundbedürfnisses nach Sicherheit verantwortlich sein soll. Und dies ist mit Hilfe der Ausbildung definitiv nicht erreichbar.

Etwas zugespitzt heißt das: Wenn sich eine Hundebesitzerin an eine Hundeschule wendet, um ihren Schützling beispielsweise von seinen Aggressionen befreien zu lassen, und der “Hundeexperte” greift zwecks des Hundes notwendiger Erziehung zu Mitteln wie dem Leckerli oder irgendeiner anderen Belohnung, sollte diese Hundebesitzerin auf gar keinen Fall auch nur einen einzigen Cent für diesen Unfug bezahlen, sondern schleunigst einen kompetenten Hundetrainer kontaktieren.

Zusammengefasst:

Wenn schon die Diagnose falsch ist, also das offensichtliche Erziehungsproblem fälschlicherweise als Ausbildungsproblem missdeutet wird, wie soll dann erst die Therapie gelingen? Eine falsche Diagnose muss zwangsläufig zur Wahl falscher Therapiemethoden führen; und diese wiederum unvermeidbar zum Scheitern des Unterfangens.

Bleibt natürlich die Frage:

Warum erkennen offensichtlich so viele Hundetrainer diesen Unterschied nicht und wenden dann fälschlicherweise bei einer offensichtlich notwendigen Erziehung die dafür völlig ungeeigneten Methoden der Ausbildung an?

Mehr oder weniger zufällig kam ich diesbezüglich mit einem Gehirnforscher ins Gespräch, der mir eine verblüffende Erklärung gab:
„Die Ursache ist das bequeme Denken“.

Und er fügte eine Empfehlung an, ich möge zum besseren Verständnis doch mal das Buch von Peter Plöger lesen, mit dem Titel:
„WARUM WIR ES GERNE EINFACH HÄTTEN UND ALLES IMMER SO KOMPLIZIERT IST“.

Das „bequeme Denken“ habe zwei Ursachen, erklärte mir der Gehirnforscher:

Zum einen die Unfähigkeit des menschlichen Gehirns, die Umwelt oder den Sachverhalt, über den wir uns ein Urteil bilden wollten, überhaupt objektiv erkennen zu können und zum anderen deren Komplexität.

Erstes bedeute: Alles was unser Gehirn aus den Tausenden von Daten produzieren könne, die es über die Sinnesorgane an Umweltinformationen zur Verfügung gestellt bekomme, sei nichts anderes als eine Vorstellung. Weder die visuellen, akustischen und taktilen noch die olfaktorischen oder gustatorischen Sinneswahrnehmungen führten zu einem adäquaten Abbild der Realität in unserem Gehirn. Im Gegenteil, alle Sinneswahrnehmungen, und das seien obendrein nur ein winziger Bruchteil derer, die die Realität an Informationen preisgebe, führe aufgrund ihrer physikalisch-elektro-chemisch-assoziativen und bewertenden Verarbeitung im Gehirn zu nichts anderem als zu einer Imagination.

Zweites bedeute: Die Umwelt und selbst sehr gegrenzt wirkende Sachverhalte, wozu übrigens auch ein Hund und seine Erziehung zähle, unterlägen der Komplexität. Diese sei gekennzeichnet durch eine Vielzahl an Variablen, von denen bei weitem nicht alle bekannt seien, die sich „unglücklicherweise“ auch noch gegenseitig beeinflussen würden – was bedeute, dass eine Variable, die sich ändere oder an deren „Stellschraube“ man drehe, sich gleichzeitig auf viele andere auswirke usw. – und dadurch einer Eigendynamik unterliegen, so dass die Gesamtheit eines Sachverhaltes gar nicht erfasst werden könne.

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, habe sich die Evolution etwas „einfallen lassen“, damit der Mensch überhaupt entscheidungs- und damit handlungsfähig bleibe. Und diese „Einfälle“ seien nichts anderes als Vereinfachungen, auch auf die Gefahr hin, wichtige Informationen nicht zu berücksichtigen. Aber prähistorisch habe es sich offensichtlich als Überlebensvorteil erwiesen, überhaupt eine Vorstellung von der Realität zu haben, auch wenn sie falsch sei, als gar keine.

Und solche Vereinfachungen seien zum Beispiel das „Gestaltungsprinzip“, bei dem insbesondere der visuelle Cortex oder auch der akustische Cortex aus in Wirklichkeit gar nicht zusammenhängenden Einzelteilen einfach ein zusammenhängendes Schema produziere. Beispielsweise nehme jeder Autofahrer die unterbrochene Mittellinie auf der Straße als einen zusammenhängenden Streifen wahr oder würde Stein und Bein schwören, wenn er im August im Wald einen Knall höre, dass der Jäger einen Hirsch erschossen habe, obwohl es ein Silvesterknaller gewesen sei. Oder jeder wird sicherlich die Wirkung des „Perseveranzeffektes“ kennen. Dabei versuche das Gehirn der Einfachheit halber in das selbstproduzierte Schema sogar widersprechende Informationen einfach zu integrieren oder gar „wegzudiskutieren“, selbst wenn der gesunde Menschenverstand schon laut protestiere. Oder jeder kenne den sogenannten „Ankereffekt“ oder das mit ihm verwandte „Labeling“, bei dem das Urteilsvermögen eines Menschen wesentlich beeinflusst werden könne allein durch die sprachliche Form einer Fragestellung. Wenn Unfallzeugen im Nachhinein beispielsweise befragt werden, mit welcher Geschwindigkeit zwei Fahrzeuge „ineinandergekracht“ oder „zusammengestoßen“ seien, fielen die Geschwindigkeitsangaben völlig unterschiedlich aus. Oder die sogenannte „illusorische Korrelation“. Dabei werden zwei Ereignisse, die zufällig in enger zeitlicher oder örtlicher Nähe zueinander auftreten, gerne vom Gehirn als zusammengehörig wahrgenommen.

Im Buch von Peter Plöger heißt es dazu, „Wir können nicht nicht urteilen. Alle Menschen sind von ihrer kognitiven Anlage her auf das Abschätzen, Bewerten und Erklären ihrer Umwelt abgestellt, mehr noch: Sie sind dazu gezwungen.“

Der Schweizer Psychiater Mario Gmür bezeichnet das ständige Streben des Menschen nach Urteilen als „Ambiguitätsintoleranz“. Der Mensch zeige eine deutliche Vorliebe für Vertrautheit, Symmetrie, Bestimmtheit und Regelmaß sowie die Tendenz zu Schwarz-Weiß-Lösungen und stark simplifizierenden Dichotomie.

Peter Plöger schreibt: „Wahrnehmen und Urteilen funktionieren nach einem Grundmechanismus der Reduktion von Komplexität. Die komplexe Welt muss wahrgenommen und vom psychischen System angenommen werden. Das heißt, dass laufend Urteile über sie hergestellt werden, will der Mensch in ihr agieren. Gleichzeitig muss das psychische System konsistent bleiben, damit der Mensch nicht das Gefühl der Orientierungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit bekommt. Aufgrund der Komplexität des Inputs ist beides nur möglich, wenn diese verringert wird.“

Was hat das nun alles mit unserem Problem der Hundeerziehung zu tun, bzw. mit ihrer falschen Diagnose?

Im weiteren Sinne führe das ständige Streben nach Vereinfachung auch zu solchen kognitiven Fehlleistungen wie dem Anthropomorphisieren, also dem Vermenschlichen anderer Wesen oder Dinge, in unserem Falle des Hundes. Dem Hund werde der Einfachheit halber – sogar von Fachleuten wie HundetrainerInnen – unbewusst menschliche Wesenszüge und Bedürfnisse anheimgestellt, um sich deren Wesen und Verhaltensweisen besser vorstellen zu können. Dies geschehe in der Regel unbewusst und nicht mit böser Absicht. Wenn beispielsweise die Entscheidung anstünde, den Hund für ein ungewolltes Verhalten entweder bestrafen zu wollen oder durch eine ihn belohnende Ablenkung davon abzuhalten, laufe zum Zwecke der Entscheidungsfindung im Gehirn des Protagonisten die Assoziation ab, was diese beiden Varianten aller Wahrscheinlichkeit nach in der Psyche des Hundes bewirken werden. Da ein „gesunder“ Mensch mit der Fähigkeit zur Empathie „ausgestattet“ sei, also der Fähigkeit, Gefühle anderer in sich selbst nachzuvollziehen, stelle der Protagonist sich vor, wie wohl eine Bestrafung für ihn selbst sich „anfühle“, ohne kritisch zu hinterfragen, ob diese mentale Welt auch auf einen Hund zutreffe.

Und schwuppdiwupp hat unser Gehirn einen klassischen Irrtum produziert. Zwar schön einfach, aber eben falsch.

Wenn sich eine Hundeschule vorwiegend und erfolgreich mit der Ausbildung von Hunden befasst, fällt es ihren TrainerInnen offensichtlich schwer, sich von ihrem „Hammer“ zu trennen, weil sie in jedem Problem einen „Nagel“ meinen zu erkennen. Dabei bräuchten sie ihr „bequemes Denken“ nur für einen kurzen Moment durch ein etwas anstrengenderes Denken ersetzen, indem sie noch nicht einmal das Anthropomorphisieren aufgeben müssten, sondern sich lediglich vergegenwärtigen, dass selbst bei Kindern zwischen ihrer Ausbildung und ihrer Erziehung unterschieden werden muss. Auch ein Kind lässt sich kaum auf Dauer mittels ein paar Süßigkeiten davon abhalten, ständig andere Kinder zu verprügeln. Dazu bedarf es vielmehr seiner Erziehung und nicht seiner Ausbildung.

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58. „MEIN HUND WILL SIE NUR BEGRÜSSEN!

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oder
eine weitere Falle des Anthropomorphismus?

Beim Besuch einer meiner letzten Kundinnen, die einen „verhaltensauffälligen“ Terrier ihr Eigen nannte und mich zwecks „Therapie“ um Hilfe bat, hörte ich bereits bei meiner Ankunft hinter der Haustür ein „vielversprechendes“ und mit eindeutigen Botschaften versehenes Bellen. Ich sah mich deshalb veranlasst, die Hundehalterin, bevor sie sich anschickte, die Tür zu öffnen, von draußen laut rufend mit der Frage, ob sie ihn auch im Griff habe, dazu zu bewegen, ihn doch bitte anzuleinen.

Auch wenn mein Unterarm mittlerweile, wie mein kleiner Sohn es bewundernd einmal feststellte, doch von den vielen Beißattacken schon aus Eisen sein müsse, gibt es für mich angenehmere Willkommensrituale als stets in den Arm gebissen zu werden.

„Keine Angst, der tut nichts, der will Sie nur begrüßen!“ war ihre mir offensichtlich Mut zusprechen beabsichtigte Antwort.

Aber noch bevor ich ihr ihren Irrtum erklären konnte und sie auch nicht meiner zuvor indirekt geäußerten Bitte nachgekommen war, öffnete sie die Tür.

Nachdem ich mich dann, wie Sie erahnen können, von dem mir am Arm hängenden Terrier befreit hatte, sah ich mich veranlasst, der vor Entsetzen zuvor erstarrten, sich aber wieder erholten Dame, einen Kurzvortrag über die angeblichen „Begrüßungsrituale“ eines Hundes zu halten. Und ich war auch diesmal – mit dem Wissen über den Anthropomorphismus ausgestattet – davon überzeugt, dass die gute Frau mir sicherlich nicht glauben würde, wenn ich ihr einfach nur erklären wollte, dass Hunde niemals jemanden begrüßen. Denn sie kennen keine Begrüßungsrituale wie man sie ihnen immer wieder unterstellt. Zumindest nicht in dem Sinne, wie der Mensch sie sich in seiner anthropomorphisierenden Imagination ausmalt.

Also bleibt mir in solchen Fällen nur übrig, anhand der Geschichte des menschlichen Begrüßungsrituals nachzuweisen, dass Hunde ein solches nicht kennen können, da es dafür der Entwicklungsgeschichte des Menschen bedurfte:

Wie das Leben so spielt, kommt mir in diesem Jahr für eine solche Erklärung ein Ereignis am 21. November zu Hilfe. Dann ist nämlich der „Welt-Hallo-Tag“. Die Erfinder verfolgen damit die Absicht, die Kommunikation und den Frieden zwischen den Völkern zu fördern. Im Rahmen dessen erklären sie die vielen unterschiedlichen Begrüßungsrituale, die es weltweit gibt. Angefangen beim vorwiegend in westlichen Ländern üblichen Händeschütteln, welches in asiatischen Ländern eher als unhöflich gilt, über den Handkuss oder dem sogenannten Proseccoküsschen des angedeuteten Wangenkusses links und rechts am Ohr seines Gegenüber vorbei; das Händeklatschen über die Freude eines ankommenden Gastes, bis hin zum asiatischen Verbeugen ohne dem Gegenüber in die Augen zu schauen, denn das wäre wiederum unhöflich; oder dem traditionellen Gruß der Maori, dem Hongi, bei dem sich beide mit der Stirn und Nase berühren, um ihren Atem auszutauschen; oder dem in vielen Volksgruppen üblichen Umarmen. Und nicht zu vergessen, die früher übliche Pflicht, heute aber nur noch selten zu sehen, zum Lüften des Hutes auf der dem Gegenüber abgewandten Seite, um wie zu Zeiten der Ritter seinen Helm abzunehmen und damit sein Gesicht zu zeigen und seine friedliche Absicht zu signalisieren. Kurzum, dem Menschen ist es halt eigen, einem Neuankömmling mit einem freundlich gesinnten Begrüßungsritual zu begegnen.

In unserem hiesigen Kontext ist aber die Geschichte dahinter und insbesondere der Wandel dieses Rituals von Interesse. Denn der Ursprung des Grüßens, wie auch die unterschiedlichen Grußrituale, werden hergeleitet aus den nicht sehr friedlichen Epochen des menschlichen Daseins. So sollten in einer von Konflikten geprägten Zeit unnötige Streitereien schlichtweg vermieden werden, indem die sich Begegnenden einander durch eine Grußgebärde ihrer friedlichen Absicht versicherten. So entstand das Reichen der rechten Hand als diejenige, die ansonsten die Waffen trug.

Allerdings hat sich durch den Wandel des Zusammenlebens hin zu einem überwiegend friedlichen dieses Begrüßungsritual ebenso gewandelt zu einer oftmals reinen Geste der Höflichkeit, welches nicht selten gepaart ist mit dem Gefühl und dem Ausdruck von Freude über den Neuankömmling. Die prähistorisch notwendig gewesene Absicht des Schlichtens oder Vermeidens von Konflikten war somit nicht mehr gegeben, auch wenn die Vorstellung von einer überwiegend friedlichen Welt in heutiger Zeit, die von vielen Konflikten und Kriegen geprägt ist, schwerfällt. Trotzdem, insgesamt ist die menschliche Welt nun einmal tatsächlich friedlicher geworden.

Und damit sind wir bei unserem „Problem“:

Der Hund kennt ein sich so gewandeltes Begrüßungsritual nicht. Ihm haftet immer noch der Urinstinkt seines Urvaters, des Wolfes an, der sich in den mehr als 30.000 Jahren seiner Domestikation eher noch verstärkt hat als abgeschwächt, geschweige denn gewandelt. Denn nicht nur die ersten Wölfe, die in menschlicher Gemeinschaft lebten, hatten die Aufgabe, unliebsame Gesellen fernzuhalten. Viele spätere Zuchtlinien von Hunden selektierten und verstärkten gerade diese Anlagen. Somit hat sich das dem Hund von seinem wölfischen Urvater vererbte Verhalten beim Begegnen mit seinesgleichen oder anderen Mitglieder der Faune weitestgehend erhalten. Selbst bei Mitgliedern des eigenen Rudels einer Wolfsfamilie, die sich doch eigentlich recht gut kennen sollten, werden sogar Wiederankömmlinge, die von einem Jagdausflug zum Rudel heimkehren, von einer Abordnung weit vor der Unterkunft aufklärerisch „begrüßt“, indem ihre sich eventuell inzwischen geänderten Absichten eruiert werden. Und zum Zeichen der eigenen friedlichen Gestimmtheit werden sich gegenseitig die Lefzen geleckt und unterwürfige Signale ausgesandt.

Mit anderen Worten, das vermeintliche Begrüßungsritual des Hundes einem Neuankömmling oder Heimkehrenden gegenüber ist nichts anderes als seine Aufklärungsabsicht, was dieser wohl im Schilde führt. Selbst – und das ist für so manch eine meiner Kundinnen eine schwer zu „verdauende Kröte“ – wenn Frauchen am Abend von der Arbeit heimkommt, ist das, was ihr Hund dann zelebriert, nichts anderes als das Resultat seiner Neugierde, wissen zu wollen, ob Frauchen auch jetzt noch so friedlich gestimmt ist wie sie es war, als sie ihn morgens verließ. Und das wilde Rutenwedeln ist mitnichten, wie oftmals vermutet, ein Ausdruck von Freude, sondern ein zweifelsfreies Indiz für seine Unsicherheit bezüglich der folgenden Geschehnisse. Diese Unsicherheit muss nicht negativ belegt sein. Man kann sie auch als Neugierde bezeichnen oder Interesse daran, wie sich die Situation weiter entwickeln mag.

Dass ein solches Ritual durchaus mit dem Gefühl von Freude korrelieren kann, steht außer Frage. Aber es ist falsch, anzunehmen, dass das Wedeln mit der Rute durch das Gefühl von Freude ausgelöst werde. Das Rutenwedeln ist ausschließlich durch seine Unsicherheit ob der weiteren Entwicklung der Situation determiniert. Denn warum sollte ihm urplötzlich seine Freude abhandenkommen, sowie Frauchen ein eindeutiges Signal ihrer friedlichen Gestimmtheit aussendet.

Und damit kommen wir zu dem, was sich aus diesen Erkenntnissen für die Hundeerziehung ableitet:

Wenn ein Hund einem Neuankömmling gegenüber ein solches „Interesse“ zeigt wie der Terrier in dem eingangs geschilderten Fall mir gegenüber, ist es nichts anderes als die Manifestation einer dem Hund von Frauchen übertragenen Verantwortung. Diese beinhaltet in der Regel, für die eigene Sicherheit selbst sorgen zu müssen oder auch für die von Frauchen oder irgendeiner Ressource wie beispielsweise Haus und Hof.

Und wenn dann sein Verhalten, was objektiv betrachtet nichts anderes ist, als das Wahrnehmen dieser ihm übertragenen Verantwortung – also ein absolut natürliches – als auffällig oder störend interpretiert wird, ist es für mich wiederum ein Indiz dafür, dass ihm diese Verantwortung nicht bewusst oder willentlich übertragen wurde, sondern eher unbewusst oder unwillentlich. Denn ansonsten wäre Frauchen ja bewusst, dass sein Verhalten völlig normal ist und seinem natürlichen agonistischen Verhaltensrepertoire zugerechnet werden muss.

Insofern besteht auch hier der „Therapieansatz“ darin, wenn ein solches „Begrüßungsritual“ als störend empfunden wird – was nicht zwangsläufig der Fall sein muss, wenn wir an Wach- und Schutzhunde denken – den Hund von seiner Verantwortung zu entbinden. Und man wird sehen, wenn er keine Verantwortung mehr trägt, wird er auch keinerlei Interesse mehr an einem Neuankömmling demonstrieren. Denn er weiß ja, dass Frauchen dieser Aufklärungspflicht nachkommt.

Aber bitte geraten Sie jetzt nicht gleich in Panik, wenn Ihr Hund einem Neuankömmling gegenüber Interesse zeigt. Solange er ihm nicht in den Arm beißt, oder es niemanden stört, ist die Welt ja in Ordnung. Sie sollten aber wissen, wenn er ihm entgegenläuft und nicht Sie als erstes den Gast begrüßen, sondern er, dass dies ein Indiz für seine ihm von Ihnen übertragene Verantwortung ist.

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57. „HUND BEISST BABY FAST ZU TODE

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oder
eine Horrormeldung mit sehr unterschiedlichen Reaktionen!

Obwohl es – zugegeben etwas zugespitzt ausgedrückt – beinahe mein „Täglich Brot“ ist, nach solchen oder ähnlichen Vorfällen entweder vom Amtstierarzt oder von den HundebesitzerInnen selbst um Hilfe gebeten zu werden, ist und bleibt es trotzdem für mich jedes Mal ein grässlicher und völlig unnötiger Anlass der „Hilfeleistung“, weil er in beinahe allen Fällen, in denen ich gerufen werde – mit wenigen  pathologisch bedingten Ausnahmen – zu verhindern wäre.

Der oben genannte Vorfall ging am 17. Mai 2018 durch die Medien und erschütterte die Öffentlichkeit – zu Recht.

Aber ich möchte diesen Vorfall zum Anlass nehmen, die Sache einmal kontrovers darzustellen mit der Hoffnung, dass sich auch diesmal wieder viele provoziert fühlen und an der Diskussion beteiligen. Denn meine Beiträge sind nicht gedacht – wie mir oftmals unterstellt wird – mein Wissen als allein richtiges darzustellen, sondern lediglich zum Nachdenken anzuregen und eine Diskussion zu initiieren, um das Thema Hundeerziehung (nicht Ausbildung) weiter zu entwickeln.

Jedes Mal, wenn eine Meldung wie jene am 17.05.2018 in den Medien auftaucht, reagiert die Öffentlichkeit verständlicherweise geradezu empört und verlangt nicht selten für den Delinquenten inquisitorisch die „Todesstrafe“.

Aber eine ähnliche – nur eben anders begründete – scharfe Reaktion erfahre ich, wenn ich eine der wichtigsten Erziehungsmaßnahmen – nämlich die Bestrafung – versuche zu legitimieren. Ein regelrechter Shitstorm schießt wie eine Lawine über mich hinweg und Begriffe wie Tierquäler oder ähnliche sind noch jene harmlosen.

Gestatten sie mir, einen Vorfall zu schildern, der sich in meinem unmittelbaren Umfeld ereignete:

Ein kleiner Junge, zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt, besuchte wie so oft seine Großeltern und spielte unter Aufsicht in deren Swimmingpool. Und wie für einen sechsjährigen nicht unüblich, verursachte dieses Spiel natürlich Geräusche. Diese provozierten offensichtlich die Aufmerksamkeit des Nachbars Rottweiler. Für die Besitzer des Hundes angeblich ohne Vorwarnung und ohne dass sie hätten reagieren können, überwand dieser, ihren Schilderungen nach, urplötzlich den Elektrozaun nebst Hecke, sprang zu dem Kind in den Pool und attackierte dessen Schwimmhilfe. Der kleine Junge schrie verständlicherweise „wie am Spieß“ – glücklicherweise nur vor Schreck, denn der Hund erwischte „nur“ das Gummitier. Der Opa, der sich – auch glücklicherweise – nur wenige Schritte neben dem Pool befand, reagierte geistesgegenwärtig und entwickelte offensichtlich eine Kraft und Entschlossenheit, die wohl nur ein Opa entwickelt, der das Wohlbefinden seines Enkelkindes bedroht sieht. Er konnte den Hund Sekunden später im Genick ergreifen und aus dem Pool “befördern”.

Was er dann mit diesem Hund anstellte, möchte ich an dieser Stelle nicht schildern. Aber seinen Schilderungen zufolge habe er den Hund drakonisch bestraft. Und nur seine instinktive Achtung vor der Kreatur Hund, der seinen Worten nach der einzige gewesen sei, der eigentlich gar nichts für diesen Vorfall könne, habe ihn davon abgehalten, ihn todzuschlagen oder, wenn er ihn nicht sofort aus dem Pool gekriegt hätte, zu ersäufen.

Die entscheidende Frage im Kontext meines hiesigen Beitrages lautet nun:

„War des Opa’s ‚Strafmaßnahme‘ gerechtfertigt?“

Ich mache keinen Hehl aus meiner Antwort:

„Na selbstverständlich! Sie war sogar alternativlos und die einzig richtige!“

Nach meinen langjährigen Erfahrungen in der Erziehung von auffällig gewordenen Hunden, insbesondere intraspezifisch und interspezifisch sehr aggressiven, bieten sich nur zwei wirkungsvolle und nachhaltige Erziehungsmittel:

1. Die Demonstration: Da bis auf die Jagdaggression und pathologisch bedingte alle anderen Aggressionen in der Selbstverteidigungsabsicht des Hundes begründet sind, muss das Ziel einer intraspezifischen und interspezifischen Sozialisation – also Erziehung – darin bestehen, den Hund demonstrativ von seiner ihm angeborenen Verantwortung für seine eigene Sicherheit bzw. die Sicherheit von Frauchen oder einer Ressource, die ihm eventuell anvertraut wurde, entbunden werden; die effizienteste Methode, dies zu erreichen, ist, ihm in allen Lebenslagen demonstrativ Schutz zu bieten.

2. Die Korrektur: Der Hund wird konsequent unmittelbar nach jedem sozialen Fehlverhalten korrigiert und in Abhängigkeit des Grades des Fehlverhaltens bestraft. Eine nicht erfolgte Korrektur oder Bestrafung wäre nämlich gleichbedeutend mit einer Duldung seines Verhaltens.

Allerdings: Beide Mittel müssen zwingend simultan angewendet werden, weil ansonsten die Korrektur bzw. Bestrafung für den Hund keinen Sinn ergibt und er in Konflikte gerät. Denn solange der Hund nicht von seiner Verantwortung für seine Sicherheit entbunden wurde – er also immer noch selbst für seine Unversehrtheit zu sorgen hat – wäre eine Bestrafung seines Verhaltens, was ja eine Selbstverteidigung darstellt, für ihn nicht nachvollziehbar.

Und übrigens: Sollte ein Hund auch nur das geringste Anzeichen eines aggressiven Verhaltens gegenüber Kindern zeigen – und sei es nur ein Knurren – muss der Hund mit aller Härte korrigiert, also bestraft werden. Nur so kann dem Hund demonstriert werden, dass Kinder ein absolutes „No-Go“ sind und unter dem besonderen Schutz des Menschen stehen.

Und für alle, die jetzt „tief Luft holen“, sei, bevor sie loslegen, folgendes gesagt:

1. Gehen Sie nicht dem Anthropomorphismus auf den Leim und interpretieren die Bestrafung eines Hundes mit gleichen menschlichen moralischen und ethischen Maßstäben. Ein Hund wird eine Bestrafung nicht mit sentimentalen Reaktionen wie einem Beleidigt-Sein quittieren. Für ihn ist eine Bestrafung nichts anderes als eine vermittelte und erkannte Grenze, die er nicht überschreiten soll. Denn nichts anderes haben schon seine Eltern mit ihm praktiziert, wenn sie ihm die Regeln des hündischen Zusammenlebens erklärt haben. Beispielsweise – und aus eigener Praxis bestätigt – wird ein Hund, der in einer Familie lebt und für das Anknurren des kleinen Kindes energisch bestraft wurde, sich nicht schmollend in eine Ecke verkriechen, sondern sogar instinktiv den Schutz dieses Kindes übernehmen, weil ihm demonstriert wurde, dass dieses Familienmitglied einen besonderen Schutz genießt.

2. Ich spreche hier nicht von der Ausbildung des Hundes. Sondern ich spreche ausschließlich von seiner Erziehung, also seiner intraspezifischen und interspezifischen Sozialisierung. Dies hat nichts, aber auch gar nichts mit seiner Ausbildung zu tun. Für letztere können selbstverständlich auch Methoden der Belohnung bzw. Konditionierung angewendet werden und Bestrafungen sind hier gar nicht notwendig. Aber dies steht hier nicht zur Diskussion.

Und ich möchte auch all jenen, die Kritik an der Erziehung durch Bestrafung bzw. Korrektur üben und vehement gegen eine solche sich äußern, ans Herz legen, sich nur einmal für einen kurzen Moment in die Situation zu versetzen, wie sie sich wohl fühlen mögen, wenn sie sich gegenüber einer jungen Familie, deren kleines Kind von einem nicht erzogenen Hund lebensgefährlich entstellt wurde, rechtfertigen müssten. Wenn dann der vom Amtstierarzt beauftragte Hundetrainer bestätigen würde, dass dieser Vorfall hätte verhindert werden können, wenn der Hund konsequent erzogen worden wäre, indem er in ähnlichen Situationen konsequent bestraft worden wäre; ob jene dann immer noch den Mut hätten, sich in Anwesenheit dieser jungen Familie sinngemäß zu äußern, sie würden die Bestrafung in der Erziehung des Hundes konsequent ablehnen? Ich kann all jenen versichern, dass sie sich in solchen Momenten wahrscheinlich vor Scham wünschten, im Erdboden verschwinden zu können.

Ich vermute aber, dass all jene, die die Bestrafung als Erziehungsmethode ablehnen, sich noch nicht wirklich den Unterschied zwischen Ausbildung und Erziehung vergegenwärtigt haben.

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56. IST DER HUND EIN RUDELTIER?

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oder
Seien Sie lieb zu Ihrem Hund und meiden Sie Hundetreffen!

Um die Frage nach dem Rudeltier schon mal vorab zu beantworten:

Nein, der Hund ist kein Rudeltier (mehr).

Ich habe mich zwar auch schon gelegentlich dazu hinreißen lassen, unter anderem in meinem Buch, dem Hund das Wesen eines Rudeltieres zuzuschreiben. Aber meine Intension bestand ausschließlich darin, mit dieser Metapher die Beziehung zwischen Frauchen und Hund ähnlich verstanden zu wissen, wie in einem Rudel das Verhältnis zwischen den Leittieren – in der Regel sind das die Eltern – und deren Nachkommen. Und ebenso, wie beispielsweise in einem Wolfsrudel auch – obwohl falsche Mythen das Gegenteil immer wieder behaupten – finden zwischen Mensch und Hund auch keine Machtkämpfe statt. Kein Hund will die Führungsrolle von Frauchen in Frage stellen. Im Gegenteil, sein Wohlbefinden setzt quasi voraus, dass er sich zuverlässig an ihr orientieren kann. Probleme entstehen immer dann, wenn Frauchen die Verantwortung und die sich daraus ergebenden Aufgaben, wie beispielsweise die Gewährleistung seiner Sicherheit, nicht wahrnimmt.

Der Hund ist aber kein Rudeltier mehr so wie sein Vorfahre, weil er die Vorteile, die diese soziale Form des Zusammenlebens im Überlebenskampf bot, nicht mehr benötigt. Für ihn ist an diese Stelle die Beziehung zum Menschen getreten. Darüber dürfen auch nicht solche Geschichten wie die der „Pizzahunde“ von Günther Bloch, die als verwilderte Hunde in einer Art „Rudel“ zusammenleben, hinwegtäuschen. Weder diese noch die Vorstellung an irgendeine andere Art des Rudellebens sollten als Maßstab gelten, wenn man daran die typischen Bedürfnisse eines Haushundes festmachen wollte. Ansonsten könnte man daraus falsche und nicht ganz “ungefährliche” Schlüsse für Bellos Wohlbefinden ziehen.

Denn Hand aufs Herz, wer kommt beim Gedanken an ein Rudel nicht schon mal auf die Idee, seinem vierbeinigen Liebling etwas ganz besonders Gutes angedeihen zu lassen und sich und ihn zum nächsten Hundetreffen anzumelden. Eine ähnlich schlechte Idee ist es, mit dem Hund auf eine Hundespielwiese – wie sie übrigens zynischer kaum betitelt werden kann – gehen zu wollen und ihn dort losgeleint seiner vermeintlichen Spielfreude mit seinesgleichen nachgehen zu lassen. Wenn man einen solchen Ort, an dem sich unzählige Hunde losgeleint tummeln, als das bezeichnen wollte, was es wirklich ist, sollte man sich zuvor in die mentale Welt seines Lieblings versetzen und sich vorstellen, was in ihm tatsächlich vorgehen mag, wenn man ihn losgeleint, also ohne Schutz, der dort lauernden Meute überlässt. Dann sollte man diesen Ort nämlich als Kriegsschauplatz beschreiben. Und man sollte zutiefst dankbar sein, wenn Bello aus diesem Scharmützel ohne seelischen und physischen Schaden wieder herauskommt. Denn alle Vierbeiner, die dort herumlungern, sind seine potentiellen Konkurrenten, Rivalen oder sogar Gegner und Feinde. Nicht ein einziger Freund ist darunter.

Wenn Sie allerdings diese Wiese für sich allein haben, dann spricht überhaupt nichts dagegen, hier mit Ihrem Liebling stundenlang Frisbeescheiben-Zurückholen zu spielen.

Ein weiteres Beispiel, bei dem wahrscheinlich auch die falsche Vorstellung, der Hund sei ein Rudeltier, der Auslöser war, durfte ich zu meinem Bedauern auf Initiative eines meiner Kunden selbst mit ansehen:

Ein Kunde hatte mich gebeten, ihn zu einer ihm bekannten Hundeschule zu begleiten, um mir mit eigenen Augen ein Bild von der dort gängigen Praxis zu machen; quasi als Beweis seiner Schilderungen, denn ich wollte ihm nicht recht glauben. Aber tatsächlich geschah dort etwas für mich Unfassbares:

Der Hundetrainer gab wider jeglicher Vernunft zum Ende seiner Trainingseinheit allen teilnehmenden Herrschaften mehr oder weniger die Weisung, ihre Hunde – sozusagen zur Belohnung und Entspannung, wie er es begründete – von der Leine zu lassen, um sie zum Abschluss dieses anstrengenden Trainings noch einmal ausgiebig miteinander spielen zu lassen. Auch die Begriffe „Spielen“ und „Entspannung“ waren von ihm ernst gemeint. Und nicht, dass Sie denken, die zuvor absolvierte Trainingseinheit hätte die Erziehung der Hunde zum Inhalt gehabt. Denn dann hätte man ja noch mit sehr viel gutem Willen und der festen Annahme, dass die Erziehung auch bei ausnahmslos allen Teilnehmern von Erfolg gekrönt war, unterstellen können, die Überprüfung des Trainingsziels sei der Zweck dieser wahnwitzigen Handlung gewesen. Aber nein, ausschließlich die Ausbildung der Hunde war zuvor Inhalt des Trainings. Mir rutschte, bevor ich eingreifen konnte, reflexartig heraus: “Um Gottes Willen!“

In solchen Situationen wird offensichtlich selbst der eingefleischteste Atheist zum Theisten. Makabererweise hätte man vermuten können, des Hundetrainers bester Freund sei Veterinär und er selbst an dessen Gewinn beteiligt.

Ich vermute, dass solche Irrungen unter anderem in der falschen Vorstellung begründet sind, der Hund fühle sich in einer Ansammlung seinesgleichen wohl. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Kein Hund würde jemals den Wunsch äußern, so er es könnte, sich freiwillig mit einer Meute fremder Hunde zu raufen.

Leider täuscht auch die Tatsache, dass oftmals mehrere Hunde in einem Haushalt gemeinsam in friedlicher Koexistenz miteinander leben, deren Wunsch vor, sie würden sich geradezu danach sehnen, mit anderen ihrer Artgenossen zusammenleben zu wollen, denn sie kommen durchaus miteinander klar.

Wenn man Hunde aber fragen könnte und sie in der Lage wären, uns zu antworten, würden sie, vor die Wahl gestellt, mit oder ohne einen Artgenossen in unserer Gemeinschaft leben zu wollen, mit Sicherheit antworten:

„Lieber mit euch allein!“

Ähnlich würde Bellos Antwort ausfallen, wenn man ihn fragen und er antworten könnte, ob er denn mit uns an einem gemeinsamen Waldspaziergang mit vielen FreundInnen teilnehmen möchte. Seine Antwort würde höchst wahrscheinlich lauten:

„Unter einer Bedingung: Wenn alle FreundInnen ihre Hunde zu Hause lassen!“

Auch eine andere typische Situation wird – bedauerlicherweise sogar von ausgebildeten Hundetrainern – völlig fehlinterpretiert:

Wenn sich zwei Hunde begegnen und schwanzwedelnd aufeinander zustreben, dann hat dies nämlich absolut nichts mit einer unterstellten und angeblichen Kommunikationsabsicht oder gar Freude dieser zwei Protagonisten zu tun. Es ist nichts anderes als das beabsichtigte gegenseitige Aufklären der Absichten des jeweils anderen. Ein Gefühl von Freude ist bei den Protagonisten in solchen Situationen nicht nur abwesend, sondern u.U. sogar Gefühlen wie Angst oder Stress gewichen. Ersparen Sie Ihrem Hund solche Begegnungen, indem Sie ihn erziehen und ihn somit von seiner Verantwortung für die eigene Sicherheit entbinden; damit er sich nicht mehr gezwungen sieht, zu klären, ob der andere böse oder gute Absichten hegt. Und Sie werden sehen, unmittelbar danach scheint die angebliche Freude und sein Drang nach Begegnungen mit anderen Hunden wie ausgelöscht. Von jetzt an wird für Bello ein zutiefst entspanntes Hundeleben beginnen, denn er kann von nun an davon ausgehen, dass Sie die Aufklärungsarbeit leisten.

Von einem noch weitaus schlimmeren Irrtum zeugt ein praktizierter Irrsinn – wie mir kürzlich wiederholt eine Kundin berichtete – eines vermeintlichen Hundeexperten. Dieser schicke angeblich besonders aggressive Hunde – ausgestattet mit einem Maulkorb, damit sie keinen Schaden anrichten können – zum Zwecke ihrer „Sozialisierung“ losgeleint in ein „Rudel“ fremder Hunde mit dem Argument, diese würden das „Problem schon untereinander klären“. Anschließend käme dann der Protagonist aus dieser „Rudel-Erziehungsmaßnahme“ sozialisiert wieder heraus.

Allein der Gedanke daran ist schon gruselig. Denn das, was dort passiert, ist genau das Gegenteil von dem, was eine Sozialisierung bezweckt. Nämlich das Ziel zu verfolgen, dass der zu sozialisierende Hund im Ergebnis dessen sich sozial verträglich gegenüber seinesgleichen verhält, sprich, seine Aggressionen sein lässt. Dieses Ziel ist dann erreicht, wenn er in anderen Hunden keine Konkurrenten, Rivalen oder gar Feinde mehr sieht. Denn letzteres ist der Grund für seine Aggressionen. Ergo, sein Grundbedürfnis nach Sicherheit muss befriedigt und er selbst darf nicht mehr für seine eigene Sicherheit verantwortlich sein. Von dieser Selbstverantwortung für seine Sicherheit muss er aber demonstrativ entbunden werden, denn von Natur aus – das hat man ihm in über 30.000 Jahren angezüchtet – kommt er erst einmal selbst dieser Verantwortung nach. Wenn man ihn also sozialisieren will, muss Frauchen ihm demonstrativ zeigen, dass ab sofort nicht mehr er selbst sondern sie dieser Verantwortung nachkommt und er sich ab sofort nicht mehr darum zu kümmern hat. Frauchen hält ihm sozusagen von nun an alle Feinde vom Halse.

Selbst wenn er physisch unbeschadet aus dem oben beschriebenen Scharmützel herauskommt – was sogar anzunehmen ist, denn wie seine Aggressivität belegt, war er bisher selbst für seine Sicherheit verantwortlich und hat dies ganz gut überstanden – verlässt er diese sogenannte Erziehungsmaßnahme mit einer sehr folgenschweren Botschaft. Indem man ihn jetzt nämlich sogar demonstrativ losgeleint und allein in eine Meute fremder Hunde schickt, die übrigens mitnichten ein Rudel sind, gibt man ihm ein genau diametral entgegengesetztes Signal zu dem, was ich gerade als notwendiges Signal bezüglich einer Sozialisierung beschrieben habe:

„Sorge selbst für deine Sicherheit, ich bin zu feige“ – Absender: Dein Frauchen bzw. Herrchen.

Er wird also noch einmal auf eine besonders intensive und einprägsame Weise in seiner bisherigen Überzeugung bestärkt, selbst für seine Unversehrtheit verantwortlich zu sein. Und die besondere Perversität in der oben beschriebenen Praxis besteht darin, ihn sogar bewusst wehrlos in die Auseinandersetzung zu schicken, indem man ihm einen Maulkorb umbindet. Sein Vertrauen in Frauchen erhält einen argen Dämpfer.

Alle solche Fehleinschätzungen, gegen die schon der gesunde Menschenverstand rebelliert, sind offensichtlich u.a. in der Vorstellung begründet, der Hund sei ein Rudeltier und die Erziehung übernehme das Rudel. Aber er ist keines.

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55. DIE SACHE MIT DER BEZIEHUNG

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oder
Warum läuft der Hund uns hinterher?

Eine Kundin berichtete mir von Ihrer argen Enttäuschung nach einem erfolglosen Versuch, ihren vierbeinigen Liebling in einer Hundeschule von seinen Aggressionen befreien zu lassen und der abschließend resignierenden Bemerkung der Hundetrainerin, mit der diese sie verabschiedete: Sie solle ihrem Hund gegenüber viel Geduld aufbringen und den Mut nicht verlieren. Vielleicht helfe die Intensivierung ihrer Beziehung durch viel Zuwendung, Beschäftigung, Lob und Anerkennung.

Abgesehen davon, dass wir den Hund relativ schnell von seinen Ängsten haben befreien können – denn das ist kein Hexenwerk – und er quasi noch am selben Tag völlig entspannt an Frauchens Seite lief, ist es natürlich für eine Hundeschule kein Ruhmesblatt, dieser Dame mit ihrem Hund, der nur von seiner ihm übertragenen Verantwortung entbunden werden musste, nicht helfen zu können.

Den wesentlichen Grund sehe ich im Unvermögen solcher Hundeschulen, den Grund für des Hundes Aggressionen überhaupt zu erkennen, geschweige denn das „Problem“ als ein Erziehungsproblem und nicht als Ausbildungsproblem zu identifizieren. Und wenn schon die Diagnose schief geht, wie soll dann erst die Therapie gelingen?

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass das Thema Aggressionen für viele Hundeschulen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln zu sein scheint. Dabei ist es tatsächlich eines der am besten untersuchten und auch in einer Reihe von Dissertationsarbeiten gut dokumentierten Probleme; denn neben nur sehr seltenen pathologisch begründeten Fällen ist jede Aggression – mit einer einzigen Ausnahme, die im Alltag der Hundeerziehung aber kaum eine Rolle spielt – in der Selbstverteidigung des Hundes begründet. Also bräuchte eine Trainerin doch nur eruieren, worin des Hundes Verteidigungsstreben begründet liegt. Eine gut ausgebildete Hundetrainerin sollte dies relativ schnell erkennen.

Aber der eigentliche Grund für den hiesigen Beitrag findet sich in dem Begriff Beziehung – oder manchmal auch als Bindung beschrieben.

Ich komme auch aufgrund eines Kommentars zu einem meiner letzten Beiträge darauf zu sprechen, in dem die Kommentatorin schrieb:

„Ein Hund lässt sich ohne Beziehung wohl einschüchtern, aber nicht erziehen … Das setzt einen sozialen Austausch voraus, ansonsten ist es wertlos, wie …“ (den Rest, der leider wie so oft recht vulgär ausfällt, lasse ich mal weg – der Autor).

Aussagen wie diese zeugen von einer Unkenntnis der theoretischen Zusammenhänge, in diesem Fall derer der Beziehung bzw. Bindung zwischen Mensch und Hund und ihren Auslösern. Es ist schlichtweg falsch und auch durch die Ethologie ausreichend widerlegt, dass das Entstehen einer engen Bindung zwischen Mensch und Hund ein mehr oder weniger langwieriger Prozess sei, der viel Zuwendungen, Beschäftigung usw. bedürfe.

Im Gegenteil.

Ich bin auf dieses Thema auch ausführlich in meinem Buch „Problemhunde und ihre Therapie“ eingegangen.

Daraus ergibt sich nämlich eine interessante Fragestellung im Kontext der Hundeerziehung:

Ist es für den Erfolg einer Erziehung von Bedeutung, wie intensiv die Beziehung oder Bindungzwischen Mensch und Hund ist?

Meine Antwort lautet Nein.

Denn die Erziehung eines Hundes ist sogar während der ersten Begegnung zwischen Mensch und Hund möglich und sogar sinnvoll. Wenn nicht, hätte kein Hundetrainer dieser Welt die Chance, einen Hund zu erziehen. Ich könnte quasi meinen Job aufgeben. Zumindest spielt die Intensität einer Beziehung für die Erziehung keine solche Rolle wie viele Veröffentlichungen im Netz es den Laien glauben machen wollen.

Ich lese immer wieder – auch in Darstellungen von Hundeschulen oder HundetrainerInnen – wie wichtig es sei, dass Frauchen oder Herrchen zunächst eine enge und intensive Bindung zum Hund aufbauen, und dass ohne eine solche, eine erfolgreiche Erziehung des Hundes kaum möglich sei; und was sie für eine solche Beziehung alles tun können. Die Liste ist lang. Obenan stehen natürlich solche Empfehlungen wie viel Beschäftigung mit dem Hund, viel Lob und Anerkennung und auf keinen Fall Bestrafung, um das Vertrauen nicht zu zerstören usw. usw.

Solche und viele andere Irrtümer sind in erster Linie begründet im Anthropomorphismus – also der Vermenschlichung des Hundes, insbesondere seiner Bedürfnisse – der wiederum seine Ursache hat in der kognitiv begründeten Neigung des Menschen, das vermeintlich komplex begründete Verhalten eines Caniden auf vereinfachende – aber eben leider falsche – Art verstehen zu wollen? Vielleicht steckt dahinter aber auch die Absicht, vertuschen zu wollen, warum man nicht sofort zum Erfolg gelangt oder warum Frauchen eine Zehnerkarte, am besten sogar eine Jahreskarte, kaufen soll.

Zum besseren Verständnis ist es sinnvoll, sich die Genese einer Bindung des Hundes zu einem Menschen vor Augen zu führen. Am besten anhand der Domestikation:

Ganz einig ist sich die Forschung zwar noch nicht, aber mindestens 30.000 Jahre soll es her sein, als es die ersten mutigen Wölfe in die Nähe des Menschen zog. Warum? Sie konnten daraus einen Überlebensvorteil generieren. Ebenso die Menschen. Beide konnten durch diese Art der Symbiose ihre Grundbedürfnisse auf gegenseitig vorteilhafte Weise befriedigen. Und das war der Startschuss einer evolutionsbiologischen Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. Kein anderes Tier hat derart erfolgreich die Nähe zum Menschen gesucht und gefunden und daraus einen derartigen Vorteil im Überlebenskampf gezogen.

Und genau darin findet sich auch die sehr ernüchternde Begründung, warum es nicht viel braucht, damit Bello und Co. nicht nur eine sehr enge Bindung zu Frauchen oder Herrchen entwickeln, sondern das Ganze auch sehr schnell passiert. Es bedarf nämlich lediglich der Befriedigung mindestens eines ihrer Grundbedürfnisse durch den Menschen.

Dieser Schritt – und oftmals auch der einzige – ist nämlich schon getan, wenn der Mensch des Hundes Bedürfnis nach Gewährleistung seines Stoffwechsels – sprich Nahrung – befriedigt. Die Bedeutung dessen stellt alle anderen in den Schatten. Es gibt Fälle, in denen dem Hund nur regelmäßig und in zuverlässiger Gleichmäßigkeit Nahrung geboten wurde, aber ansonsten weder Zuwendung, Beschäftigung oder sonstige Liebesbeweise; im Gegenteil, oftmals nur Prügel und Strafe. Trotzdem trachtete dieser Hund nicht danach abzuhauen. Allein die Befriedigung dieses Grundbedürfnisses motiviert den Hund dazu, sogar eine Beschützerrolle gegenüber dem Menschen einzunehmen. Dieses Verhalten begründet wahrscheinlich auch das Tolerieren des Wolfes Anwesenheit durch den Menschen in seiner Nähe zu Beginn der Domestikation. Der Wolf half ihm wahrscheinlich nicht nur bei der Jagd, sondern hielt ihm auch allerhand unliebsame Gesellen vom Hals.

Die nächste Stufe der Beziehung – oder wenn man so will, nächste Qualität – ist erreicht, sowie der Mensch auch das zweitwichtigste Grundbedürfnis des Hundes befriedigt, nämlich das nach Sicherheit.

Allerdings muss man deren Bedeutung differenziert bewerten zwischen einem Hund, dessen Zuchthistorie darin begründet ist, Veranlagungen wie das Hüten und Beschützen zu entwickeln oder einem Hund, dem im Rahmen der Zuchtlinie diese Veranlagungen nicht ins Genom „geschrieben“ wurden. Für letzteren hat die Gewährleistung seines Schutzbedürfnisses durch den Menschen eine herausragende Bedeutung und stellt für ihn das Schlüsselerlebnis dar für sein Wohlbefinden und damit für sein Bindungsgefühl. Darin ist auch begründet, warum die Erziehung eines Hundes bereits während der ersten Begegnung zwischen Hund und Frauchen möglich ist. Denn beides ist identisch: Die Erziehungund die Gewährleistung der Sicherheit bzw. die Entbindung von der Verantwortung für die Sicherheit.

Für den „Hüte- und Schutzhund“ ist es in diesem Zusammenhang von Bedeutung, ob ihm gleichzeitig auch der entsprechende Entscheidungsspielraum zugestanden wird, wenn er hüten und beschützen soll. Ein Hund, dessen Veranlagungen dazu geeignet sind, Haus, Hof, Kind und Kegel zu beschützen, fühlt sich durchaus wohl und baut zum Menschen eine sehr intensive Beziehung auf, wenn man ihn diesen Job auch machen lässt.

Ich habe den Mut zu behaupten, dass damit gleichsam die höchste Qualitätsstufe in der Beziehungoder Bindung zwischen Mensch und Hund erreicht ist und keiner Steigerung bedarf. Auch nicht mit allerhand Liebesbeweisen, Beschäftigungsorgien oder sonstigem Firlefanz.

Allerdings heißt das nicht, dass das Beschäftigen mit dem Hund oder sonstige Zuwendungen überflüssig wären. Im Gegenteil, sie dienen unzweifelhaft dem Wohlbefinden des Hundes. Insbesondere wenn, wie bei vielen Hunden, ihnen ein besonders ausgeprägtes Bewegungsstreben ins Genom geschrieben wurde, gewehrleisten und steigern Aktivitäten ihre mentale Ausgeglichenheit. In solchen Fällen kann Frauchen natürlich nichts Besseres tun, als mit ihrem Liebling ununterbrochen Frisbeescheiben- oder Stöckchen-Wiederholen spielen. Beispielsweise kann man einem Siberian Husky keine größere Freude bereiten, als sich von ihm auf einem vollgepackten Schlitten, der das Mehrfache seines Körpergewichts beträgt, quer durch Sibirien zerren zu lassen. Aber es ändert oder verbessert nicht wesentlich die Beziehung des Hundes zum Menschen. Zumindest nicht in dem Maße, dass diese – wie behauptet – die ultimative Voraussetzung für den Erfolg der Erziehung wäre. Auf deren Qualität hat nur der Grad der Befriedigung der hündischen Grundbedürfnisse Einfluss.

Und wenn der Mensch die beiden Grundbedürfnisse nach Nahrung und Sicherheit gewährleistet, wozu auch gehört, dass er dem Hund stets ein zuverlässig berechenbarer Partner ist, an dem er sich sicher orientieren kann, wird der Hund eine Bindung entwickeln, die u.U. bis zu seiner Selbstopferung reicht.

Insofern wird aus dem Gegenteil des oben Behaupteten ein “Schuh”: Erst durch eine erfolgreiche Erziehung entsteht eine enge Beziehung bzw. Bindung. Denn im Rahmen der Erziehung – wie ich es bereits in vielen Beiträgen erläutert habe – erfolgt (außer bei Wach- und Schutzhunden)die Entbindung des Hundes von seiner Verantwortung und dadurch von allerlei Ängsten, in vielen Fällen sogar von purem Stress. Erst das erlaubt es ihm, zu Frauchen ein uneingeschränktes Vertrauen aufzubauen. Und Vertrauen und Bindung sind Substitutive.

Wie einfach und schnell die Genese einer engen Bindung zwischen Hund und Mensch vonstattengeht, beweist das Leben:

Mir wurde kürzlich erzählt von Praktiken in der Polizeihundeausbildung, bei denen auf sehr einfache und effiziente Art bereits die kleinen Welpen motiviert werden, ihren Herrchen bedingungslos zu folgen und ihnen zu vertrauen. Der „Trick“ besteht darin, ihnen das zweitwichtigste Grundbedürfnis auf einprägsame Weise zu befriedigen:

Man stellt den kleinen Vierbeiner auf eine wacklige und rutschige Unterlage, auf der er sich sehr unsicher fühlt. Dann nimmt das künftige Herrchen diesen kleinen „Angsthasen“ in die Arme und bietet ihm Sicherheit. Mehr braucht es nicht!

Ähnliches praktiziere ich in meinen Therapien, indem ich den Delinquenten von seinen Ängsten befreie. Dazu muss Frauchen ihm unter meiner Anleitung nur demonstrieren, dass sie ihren aggressiven, zerrenden oder kläffenden „Helden“ mit sofortiger Wirkung von seiner ihm bisher übertragenen Verantwortung für seine eigene Sicherheit und die für Frauchen oder irgendeine Ressource entbindet.

Jedenfalls bedarf es dazu keiner vorherigen großartigen Beziehungsentwicklung. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Hund zu Ihnen eine ausreichend intensive Beziehung oder Bindung entwickelt hat, sowie Sie Ihm seine wichtigsten Grundbedürfnisse befriedigen. Denn das liegt bereits in seinem Genom verankert und wurde durch über 30.000 Jahre Domestikation und Zuchthistorie derart manifestiert, dass es keiner zeitraubenden Zuwendungen oder sonstiger Liebesbeweise bedarf.

Und damit sei gesagt, dass eine angeblich eingeschränkte Erziehungsmöglichkeit in einer mangelhaften Beziehung oder Bindung begründet sei, die Erfindung oder das Resultat des Anthropomorphismus ist.

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54. WELCHER HUND MUSS ERZOGEN WERDEN?

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oder
Dialog mit meinem Urgroßvater

Aus Erzählungen meines Opas weiß ich, dass sein Vater – also mein Urgroßvater – wie er selbst, auf seinem Hof stets mehrere verschiedenrassige Hunde gehalten hatte. Dabei kam jedem von ihnen eine bestimmte Rolle oder Aufgabe zu:

Zur Bewachung von Haus und Hof patroullierte ein Hovawart übers Gelände, der – wie schon sein Name aus dem Mittelhochdeutschen verrät: hova für Hof und wart für Wächter – ein perfekter Beschützer war. Und damit hinterher niemand auf die dumme Idee käme, sich zu beschweren, warnte an der Pforte ein kleines Schild mit der Aufschrift: „Vorsicht, bissiger Hund!“

Für das Behüten der Tiere auf der Weide bevorzugte man jedoch einen Schäferhund, der zu der Zeit noch eine sehr junge Rasse war aber genau für diese Aufgabe gezüchtet wurde.

Aber auf die Jagd – mein Urgroßvater war Forstmeister und passionierter Jäger – ging man mit einem Münsterländer, bei dem man im Rahmen seiner Zucht großen Wert auf diejenigen Veranlagungen legte und selektierte, die ihm für diesen „Job“ die perfekten Instinkte verlieh.

Und hätte ich meinen Urgroßvater fragen können, ob er denn seinen Münsterländer so ohne weiteres vom Züchter habe bekommen können, hätte er wahrscheinlich geantwortet:

– „Natürlich nicht. Ich musste dem Züchter versichern, dass ich ein sehr erfahrener Jäger bin und den Hund auch tatsächlich für diese Aufgabe benötige und nutzen werde.“

Meine Genugtuung hätte er mir sicherlich angesehen, denn heute, so scheint es, kann jeder ohne weiteres den Hund erwerben, den er gerade schick findet oder für sein eigenes Ego benötigt, egal ob er dessen Veranlagungen überhaupt nutzen oder seine Bedürfnisse entsprechend dieser Veranlagungen auch nur annähernd befriedigen kann, oder auch nicht. Die Beweise laufen quasi zuhauf auf der Straße:

Oma Hedwig lässt sich mit ihrem Rollator von einem Siberian Husky begleiten, die junge vierköpfige Großstadtfamilie teilt sich ihre kleine Plattenbauwohnung mit einem American Staffordshire Terrier oder eine Hausfrau geht regelmäßig mit einem Barsoi in Berlin über den Ku-damm spazieren.

Deshalb hätte ich meinem Urgroßvater zu gern noch ein paar weitere Fragen gestellt. Unter anderem, ob es zu seiner Zeit auch so viele Hundeschulen gegeben habe wie heute?

Seine Antwort wäre vermutlich – obwohl er ein sehr intelligenter und wortgewandter Herr gewesen sein soll – sehr zögerlich gekommen, weil er sie wahrscheinlich inhaltlich gar nicht verstanden hätte. Und sie wäre sicherlich als Gegenfrage ausgefallen:

– „Was ist denn das?“

Mit anderen Worten: Hundeschulen gab es nicht. Wozu auch?

Meine nächste sich daraus ergebende Frage wäre nämlich gewesen, ob und wie er denn seine Hunde erzogen habe? Vorausgesetzt er hätte auch diese Frage inhaltlich wirklich verstanden, könnte ich mir vorstellen, dass seine Antwort gelautet hätte:

– „Gar nicht. Meine Hunde haben doch genau das getan, wozu man sie auch gezüchtet hatte. Ich wollte ja nicht mit ihnen an einem Hunde-Treffen-Waldspaziergang teilnehmen. Warum sollte ich sie dann erziehen?“

Und da er ein sehr gebildeter Mann war, hätte er mich sicherlich darüber aufklären wollen, was denn eine Erziehung überhaupt sei; und damit den Gedanken an eine Hundeschule ad absurdum geführt:

– Der „Prozess der Veränderung im Dispositionsgefüge von Educanden (Schülern – der Autor)“.

Zugegeben, diese Definition hätte er so noch gar nicht kennen können, denn die hat erst viele Jahre später der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka formuliert; aber sinngemäß hätte er sich sicherlich so oder ähnlich geäußert. Das heißt also, wenn das Dispositionsgefüge eines Hundes in Gestalt seiner Veranlagungen, mit deren Ausleben er die Bedürfnisse des Menschen ebenso befriedigt wie seine eigenen, quasi wie eine Blaupause mit den zu befriedigenden Interessen des Menschen übereinstimmen, gibt es keinen Grund, an diesem Dispositionsgefüge durch Erziehung etwas ändern zu wollen.

Folglich ist die Erziehung eines Hundes erst dann relevant, wenn beides nicht übereinstimmt; wenn der Hund also aufgrund seiner angezüchteten Veranlagungen ein anderes natürliches Verhalten zur Befriedigung seiner Bedürfnisse an den Tag legt oder legen will, als es im Interesse von Frauchen oder Herrchen liegt.

Ein Beispiel: Frauchen „verliebt“ sich in einen Australian Shepherd und „überredet“ den Züchter zum Verkauf, ohne den Hund anschließend und sofort im Rahmen einer Erziehung von seiner Verantwortung, der er natürlicherweise gerecht werden will, zu entbinden. In diesem Falle natürlich unbewusst, denn sie hatte keine Ahnung, dass dieser Hund speziell als lauffreudiger Hütehund gezüchtet wurde, der also am liebsten Tiere oder Kinder hütet oder das Haus bewacht. Ihre Verzweiflung ist dann riesig, wenn ihr Liebling nicht macht, was er soll. Denn sie wollte eigentlich nur mit ihm spazieren gehen und gerne an Hundetreffen ihrer Freundinnen teilnehmen.

Da aber mein Urgroßvater seine Hunde mit ihren jeweiligen Veranlagungen stets danach auswählte, wozu er sie benötigte, musste er auch nichts an ihnen herumerziehen. Sie machten natürlicherweise und instinktiv immer genau das, was sie auch sollten.

Aber eine Frage hätte mich dann doch noch interessiert, auch wenn es offensichtlich keine Erziehungsnotwendigkeit gegeben hat:

„Haben die Hunde denn auch mal was Böses angestellt?“

– „Na klar!“

„Und was hast du dann gemacht? Hast du sie dann positiv bestärkt, damit sie nie wieder was Böses machen?“

– „Wenn du so willst, ja. Ich habe ihnen ordentlich den Hintern versohlt! Denn das haben schon ihre Hundeeltern mit Erfolg gemacht, wenn sie ihnen auf der Nase herumgetanzt haben.“

„Dann hast du sie auch sicherlich nicht in eine Welpenspielgruppe geschickt, oder?“ Ich hätte mir selbst wahrscheinlich schon, bevor ich die Frage zu Ende gesprochen hätte, das laute Lachen nicht verkneifen können, aber seine Antwort wäre es mir wert gewesen. Natürlich müsste ich ihm zuvor erklären, was denn eine Welpenspielgruppe überhaupt ist. Und wahrscheinlich wäre mir bei seiner Antwort dann das Lachen doch vergangen:

– „Wozu denn dieser Unsinn? Ihr seid offensichtlich in eurer modernen Welt der Profitgier völlig verrückt geworden und denkt euch die irrwitzigsten Dinge aus, nur um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der kleine Hund und sein Schicksal scheinen euch dabei völlig unwichtig zu sein. Habt ihr überhaupt eine Vorstellung, was eine Meute Welpen mit einem kleinen Fremden anstellt? Mobbing ist noch die harmloseste Variante. Selbst wenn alle im gleichen Alter sein sollten. Welchen Sinn sollte das haben? Kommt mir ja nicht mit dem Unsinn Sozialisation. Kein Hund benötigt zur Entwicklung seiner sozialen Kompetenz ein vermeintliches “soziales Training” mit seinesgleichen. Alles was er braucht, ist der Schutz durch sein Frauchen oder Herrchen!”

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53. „BEZIEHUNG STATT ERZIEHUNG“

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und
Die Macht einer falschen Botschaft

In meinem vorletzten Beitrag bin ich auf den notwendig gewordenen Wandel des Hundetrainings eingegangen, der sich aus den Veränderungen in der Mensch-Hund-Beziehung, insbesondere in den letzten 50 Jahren, ergeben hat. Das heißt, die Bedeutung der Erziehung hat der Ausbildung insofern den Rang abgelaufen, als die Erziehung heute notwendiger ist als zu der Zeit, da der Hund noch überwiegend Wach- und Schutzaufgaben hatte und deshalb seinerzeit gar nicht von seiner Verantwortung für die eigene Sicherheit entbunden werden musste – was das Wesen einer Erziehung ist. Das ist mittlerweile deshalb anders geworden, weil er meistens nur noch als „sozialer Begleiter“ und weniger als „Beschützer“ fungieren soll.

Aber die Veränderungen haben neben den beschriebenen Aspekten noch eine weitere Auswirkung: Im Ergebnis seiner neuen Rolle als sozialer Partner im Zusammenleben mit dem Menschen hat auch die Anzahl der Hunde eine noch nie dagewesene Größenordnung angenommen. So ist die Zahl der Hunde allein in Deutschland in den letzten 12 Jahren von 5 Mio. auf 7,6 Mio. gestiegen. Und damit einhergehend ist der Hund zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor geworden. Die Folge: Hundeschulen und HundetrainerInnen sind quasi wie Pilze aus dem Boden geschossen. Allerdings sind die fachlichen und behördlichen Hürden zur Ausübung einer solchen Tätigkeit relativ niedrig. Hinzu kommt der Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck.

In letzterem liegt begründet die notwendige Werbung, die jeder für sich machen muss, um aus der grauen Masse herauszuragen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn eine Hundeschule aus diesem Grunde mittels eines kernigen Slogans auf sich aufmerksam machen will, um in knapper und prägnanter Form ihr Unterscheidungsmerkmal zu anderen deutlich zu machen, was durchaus legitim ist. Aber man sollte eine solche Kurzform, hinter der sich – wie der Altmeister der Kommunikation Paul Watzlawick schon 1969 in seinem 2. Kommunikationsaxiom beschreibt – neben der sachlichen Nachricht auch immer eine Botschaft verbirgt, sehr kritisch und wohl überlegt auswählen. Denn diese Botschaft kann im schlechtesten Fall verheerende Auswirkungen haben.

Deshalb seien mir ein paar kritische Bemerkungen gestattet zu einem Slogan, den ich kürzlich im Netz entdeckte, mit dem eine Hundeschule auf sich aufmerksam macht:

„Beziehung statt Erziehung“

Vornehmlich vor dem Hintergrund des sich in den letzten fünfzig Jahren notwendigerweise ergebenden fundamentalen Wandels im Hundetraining zugunsten der Notwendigkeit der Erziehung des Hundes, sind die Botschaften, die sich hinter diesem Slogan verbergen natürlich katastrophal.

Jeder Sprach- oder Kommunikationswissenschaftler wird bestätigen, dass die Semantik dieses Slogans zwei Botschaften – und ich behaupte, zwei gefährliche Botschaften – enthält:

1. Die Erziehung des Hundes wird – fatalerweise – mit einem negativen Sinn belegt und
2. die Erziehung des Hundes sei gar nicht notwendig, wenn Frauchen oder Herrchen stattdessen eine vernünftige Beziehung zum Hund aufbauen.

Dazu gebe ich zu bedenken: Wenn man einen Hund, der aufgrund seiner Rasse und Zuchthistorie ein relativ hohes Aggressionspotential besitzt, nicht erzieht – ihm also die ihm angeborene Eigenverantwortung für die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse überlässt, wozu insbesondere sein Bedürfnis nach Sicherheit zählt – wird dieser Hund mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein gesamtes agonistisches Verhaltensrepertoire einschließlich aller Arten von Aggressionen zur Befriedigung dieses Grundbedürfnisses auch ausnutzen. In dem Falle darf man ihn aber nicht als intraspezifisch und interspezifisch sozialisiert betrachten. Er ist dann quasi als „Kuscheltier“ ungeeignet.

Anders ausgedrückt:

Ein Hund, der nicht bewusst und willentlich als Wach- oder Schutzhund eingesetzt werden soll, dazu aber die genetischen Veranlagungen besitzt – und dazu zählen nicht nur die sogenannten Listenhunde – muss zwingend erzogen werden, weil er sich ansonsten naturgemäß wie ein Wach- oder Schutzhund verhält.

Das Nichtbeachten dieses Grundsatzes führt in der Regel dazu, dass dieser Hund wegen seines natürlichen agonistischen Verhaltens – bedauerlicherweise nicht nur vom Laien – fälschlicherweise als verhaltensauffällig eingeschätzt wird und dann fatalerweise für dieses Verhalten reglementiert wird bzw. Sanktionen ertragen muss. Und schon ist der sogenannte Problemhund „geboren“, denn er kommt jetzt in Konflikte.

Wenn diese Besitzerin sich jetzt an diese Hundeschule wendet, mit der Bitte, ihren Hund von diesen „Macken“ zu befreien und die Hundeschule, die offensichtlich eine Erziehung ablehnt, stattdessen den Hund über eine „gute Beziehung“ von seinem ungewollten agonistischen Verhalten abbringen will, kommt nicht nur der Hund in einen völlig unnötigen Stress, sondern der erwartete Erfolg muss ganz einfach ausbleiben. Denn diesen Hund in seinem Verhalten ändern zu wollen, hieße, ihn von seiner Verantwortung für seine eigene Sicherheit zu entbinden. Und da dies nur über den Weg der Erziehung gelingt, denn beides ist miteinander identisch, muss quasi diese Hundeschule an der Lösung des Problems scheitern.

Ich verstehe ja, dass die Verfasser solcher Slogan geschickt die momentane Stimmung pro Tierliebe und contra Tierquälerei ausnutzen und der Hundeliebhaber für solche Botschaften empfänglich ist. Aber ich kann nur dringend davor warnen, die Erziehung des Hundes in diesem Kontext als etwas Negatives zu verdammen oder vielleicht als überflüssig darzustellen, weil es angebliche andere Wege gäbe. Im Gegenteil, ausschließlich die Erziehung ist in der Lage, den Hund von seiner Verantwortung für die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse zu entbinden und damit vor völlig unnötigem Stress zu bewahren oder ihn davon zu befreien.

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52. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN ERZIEHUNG UND AUSBILDUNG

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oder
Die Sache mit dem Hammer und dem Nagel

Die rege Diskussion über meinen letzten Beitrag veranlasst mich doch noch einmal, den Unterschied zwischen der Erziehung des Hundes und seiner Ausbildung zu thematisieren, auch wenn ich‘s bereits mehrmals getan habe. Denn ich bin mir relativ sicher, dass im Unverständig darüber die Quelle des Missverständnisses zu finden ist und sich der Streit eigentlich wie in Luft auflösen müsste, wenn jedem dieser Unterschied wirklich bewusst wäre. Ich vermute nämlich, dass meine KritikerInnen ausschließlich die Ausbildung vor Augen haben und nicht konsequent zwischen dieser und der Erziehung des Hundes unterscheiden.

Denn meine Beurteilung solcher Trainingsmethoden wie die der positiven Bestärkung oder sonstiger Motivationen als ungeeignet – worüber der Streit entfacht ist – betrifft ja nicht ihre Legitimität als Mittel der Ausbildung. Im Gegenteil, hier sind sie als Mittel der Konditionierung quasi der Königsweg und durchaus sinnvoll. Jeder Dompteur und Dresseur im Zirkus bedient sich erfolgreich dieser Methoden. Mittels einer in Aussicht gestellten Belohnung kriegen sie sogar einen Löwen zum Tanzen motiviert oder Sie Ihren Hund zum Slalom Laufen durch Ihre Beine. Allerdings, und nur darauf hat sich meine ablehnende Beurteilung bezogen, ist das Tanzen oder Slalom Laufen dann nicht Gegenstand und Ergebnis einer Erziehung, sondern einer Ausbildung. Für die Erziehung eines Hundes sind solche Mittel absolut ungeeignet.

Und da mich überwiegend KundInnen kontaktieren, die eine mangelhafte Erziehung ihres Hundes beklagen, und nicht etwa ihre mangelhafte Ausbildung, und in den Hundeschulen keine Hilfe bekommen haben, beziehen sich meine Artikel, in denen ich als Ursache dafür die ungeeigneten Trainingsmethoden anprangere, auch nur auf ihre Ungeeignetheit als Mittel der Erziehung.

Aber worin besteht nun der Unterschied?

Die Erziehung des Hundes ist die Einschränkung seines Entscheidungsspielraumes zur Nutzung seines agonistischen Verhaltensrepertoires in Abhängigkeit der ihm übertragenen Verantwortung.

Will heißen, ob ein Hund überhaupt, und wenn ja mit welchen Konsequenzen, erzogen werden muss, hängt einerseits von der ihm gewollt übertragenen Verantwortung ab, der er gerecht werden soll, und andererseits von der Ausprägung seiner agonistischen Veranlagungen, die er in Abhängigkeit seiner Rasse und seiner Zuchthistorie besitzt.

Wird beispielsweise einem Schäferhund, dem aufgrund seiner Rasse und Zuchthistorie ein relativ ausgeprägtes agonistisches Verhaltensrepertoire eigen ist, wozu auch ein relativ hohes Aggressionspotential gehört, gewollt die Verantwortung für die Sicherheit von Haus und Hof übertragen, ist seine Erziehung diesbezüglich quasi nicht nur unnötig, sondern wäre sogar kontraproduktiv. Denn ihm muss ein relativ großer Entscheidungsspielraum zugestanden und dieser nicht etwa eingeschränkt werden, damit er die ihm übertragene Verantwortung für die Sicherheit von Haus und Hof überhaupt wahrnehmen kann. Soll er diese Verantwortung jedoch nicht übernehmen, also intraspezifisch und interspezifisch sozialisiert quasi in friedlicher Koexistenz mit Mensch und Tier harmonisch zusammenleben, ist seine Erziehung, also Entbindung von jeglicher Verantwortung einschließlich Einschränkung seines Entscheidungsspielraumes, unabdingbar und zwingend notwendig. Ansonsten wird er aufgrund seiner Veranlagungen sein agonistisches Repertoire naturgemäß ausschöpfen, denn dazu wurde er gezüchtet.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass einem Schäferhund aufgrund seiner Veranlagungen die Verantwortung für seine Sicherheit gar nicht erst übertragen werden muss. Diese wird er, so man sie ihm nicht nimmt, schon naturgemäß selbst übernehmen.

Das alles hat aber mit der Ausbildung des Hundes überhaupt nichts zu tun.

Die Ausbildung des Hundes betrifft das Aktivieren seiner potentiell und latent vorhandenen Fähigkeiten zur Erfüllung irgendwelcher Aufgaben oder Kommandos, die er zuverlässig ausführen oder befolgen soll, aber naturgemäß ohne Ausbildung nicht ausführen oder befolgen würde.

Dazu gehören solche wie „Sitz“, „Platz“, „Komm‘ her“, „Bei Fuß“, „Fass“, „Hole die Zeitung“, „mache zehn Purzelbäume“ usw. bis hin zu Kommandos, die ein Hund im Rahmen seiner Spezialhundeausbildung wie Suchen und Retten oder Begleiten und Führen usw. lernen und beherrschen muss. Wenn eine Hundeschule Ihnen erklärt und gezeigt hat, wie Sie Ihren Hund dazu bringen, Ihnen beim Gehen Slalom durch Ihre Beine zu laufen, haben Sie die Hundeschule für das Erklären und Demonstrieren einer erfolgreichen Ausbildung Ihres Hundes bezahlt, aber nicht für eine erfolgreiche Erziehung.

Mit anderen Worten: Die Ausbildung des Hundes hat so wenig mit seiner Erziehung zu tun, wie ein Kind, welches die drei thermodynamischen Hauptsätze auswendig herbeten kann, gut ausgebildet wäre aber noch lange nicht gut erzogen, wenn es jeden Tag auf dem Schulhof ein paar Klassenkameraden verprügelt.

Bleibt die Frage nach den jeweiligen und geeigneten Trainingsmethoden, mit denen einerseits die Erziehung und andererseits die Ausbildung effizient und effektiv praktiziert werden kann.

Für letztere habe ich die Antwort soeben gegeben. Hier sind alle Varianten der belohnenden Motivation durchaus geeignet. Ihre Wirkmechanismen hat schon der Russische Mediziner und Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow, Mitbegründer der behavioristischen Lerntheorie und Vater der „klassischen Konditionierung“, eindrucksvoll vor hundert Jahren belegt und beschrieben. Insofern ist es auch anmaßend zu behaupten, dabei handle es sich um „moderne“ Trainingsmethoden. Im Gegenteil, sie sind so alt wie die Geschichte der Domestikation.

Bei der Erziehung des Hundes sind diese Mittel aber völlig fehl am Platz. Denn mittels einer Belohnung ist es unmöglich, den Entscheidungsspielraum eines Hundes nachhaltig einschränken zu wollen. Wenn – um beim vorherigen Beispiel zu bleiben – ein Schäferhund die Verantwortung für die Sicherheit eines Grundstücks oder die Sicherheit von Frauchen ausdrücklich gewollt nicht übernehmen soll, wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, ihn von seinen natürlichen und in seinem Genom hinterlegten Veranlagungen, sein agonistisches Verhaltensrepertoire auszuschöpfen, abhalten zu wollen.

Ebenso wenig wie man den Schulhofrüpel mit einem Leckerli davon überzeugen kann, dass es sich nicht gehört, Schulkameraden zu verprügeln. Eventuell kann man ihn damit temporär ablenken, aber nachhaltig von seinem Fehlverhalten zu überzeugen, ist sehr unwahrscheinlich und widerspräche allen einschlägigen Erkenntnissen der Pädagogik und Erziehungswissenschaften. Dies funktioniert nur mittels Demonstration und Korrektur.

Wer diese beiden Wirkmechanismen der Erziehung kennenlernen will, dem empfehle ich einen Tierparkbesuch oder, einem Hundezüchter einmal über die Schultern zu schauen und zu beobachten wie Tiermutter und Tiervater ihren Zöglingen auf effiziente und effektive Art und Weise die Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens beibringen, die sie beherrschen müssen, um konfliktfrei ihr aufregendes Leben zu meistern. Da werden keine Leckerli gereicht, sondern es wird vorgemacht oder reglementiert. Und die Tierkinder machen dann, was sie am besten können: Nachmachen.

Gestatten Sie mir eine Metapher:

Mit der Hunde-Ausbildung und der Hunde-Erziehung ist es wie mit den Nägeln und den Schrauben. Die Neurowissenschaften haben es eindrucksvoll belegt, dass der Mensch, wenn er in seinem “Werkzeugkasten” nur einen “Hammer” hat, er fatalerweise dazu neigt, in jedem “Problem” einen “Nagel” zu sehen, selbst wenn es sich eindeutig als “Schraube” zu erkennen gibt. Und diese “Fehlleistung” des Gehirns ist dann um so wahrscheinlicher und ausgeprägter, je mehr Aufwand, Mühe oder Kosten er aufgewendet hat, sich den “Hammer” anzuschaffen oder anzueignen. Ähnlich sieht es aus mit dem Wissen eines Hundetrainers. Wenn er sich mühsam und kostenintensiv bedauerlicherweise nur das Wissen über “Hammer” und “Nagel” angeeignet hat, dann steht er nämlich vor einem Problem, wenn selbiges eine “Schraube” ist.

Deshalb sollte sich in jeder „Werkzeugkiste“ einer guten Hundeschule nicht nur ein „Hammer“ befinden, sondern auch ein guter „Schraubendreher“.

Wenn ich allerdings den vielen enttäuschten Schilderungen meiner KundInnen Glauben schenken darf, die teilweise ganze „Orgien“ an erfolglosen Hundeschulbesuchen hinter sich haben, ohne dass ihr Erziehungsproblem auch nur im Ansatz gelöst wurde, und ich mir schildern lasse, was diese Hundeschulen denn als „Werkzeug“ eingesetzt haben, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass selbst namhafte Hundeschulen und auch sehr populäre Fernsehhundetrainer nicht einmal zu wissen scheinen, dass es überhaupt „Schrauben“ gibt, geschweige denn das notwendige „Werkzeug“ besitzen. Wer beispielsweise nicht erkennt, dass das Zerren an der Leine ein Erziehungsproblem und keines der Ausbildung ist, wird mit traumwandlerischer Sicherheit nach dem falschen „Werkzeug“ greifen.

Oder wenn beispielsweise eine Hundetrainerin es dem staunenden Publikum als Erfolg einer professionellen Erziehung „verkaufen“ will, wenn der Hund mit ständigem Blick zu ihr brav bei Fuß läuft, sie aber vor der Brust in ihrer Faust ein Leckerli versteckt, hat sie nicht etwa die „Schraube“ professionell ins „Holz geschraubt“, sondern versucht, selbige mit dem „Hammer hineinzuschlagen“.

Ob das hält?

Aufgrund der Häufung von Fällen, bei denen mir KundInnen berichten, dass sie von einem Hundeschulbesuch enttäuscht wurden, lässt mich mittlerweile daran zweifeln, ob diese Hundeschulen oder HundetrainerInnen überhaupt in der Lage sind, zu erkennen, ob es sich um ein Ausbildungsproblem oder vielleicht doch um ein Erziehungsproblem handelt. Denn wenn schon die Diagnose nicht gelingt, wie soll dann erst die Therapie gelingen.

Ich werde deshalb in einem der nächsten Beiträge einmal einen konkreten Fall schildern, der nahezu an einen Skandal grenzt, insbesondere weil dieser sich mir eindeutig als ein relativ einfaches Erziehungsproblem dargestellt hat. Jedoch der – übrigens sehr bekannte – Hundetrainer, der sich trotzdem sehr gut hat bezahlen lassen, der Hundebesitzerin resignierend geraten hat, über eine Einschläferung ihres Hundes nachzudenken. Und die Erziehung dieses angeblich aussichtslosen Problemfalles war übrigens in einer einzigen Trainingseinheit aus der Welt geschaffen und Hund und Frauchen laufen heute völlig entspannt durch ihr “neues Leben”.

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51. DER FOLGENSCHWERE ROLLENTAUSCH

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und
Die Konsequenzen für die Hundeerziehung

Neulich kam ich mit einem Kinder- und Jugendpsychologen ins Plaudern und er fragte mich, ob auch bei meiner Klientel, so wie es ihm bei seiner besonders in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren auffalle, Veränderungen festzustellen seien. Ich sah mich veranlasst, ihm spontan zuzustimmen, denn tatsächlich nehme auch ich solche Veränderungen wahr.

Dann schilderte er sehr eindrucksvoll seine Wahrnehmungen:

Er würde beispielsweise bei den Kindern und Jugendlichen, die aus unterschiedlichsten Gründen zu ihm in die Praxis kommen, einen dramatischen Verlust ihrer sozialen Kompetenz registrieren. Insbesondere fehle ihnen heute auffallend häufig die Fähigkeit zur Selbstreflexion, was es in dieser Form und in diesem Ausmaß in den Anfängen seiner Praxis nicht gegeben habe. Das heißt, sie seien kaum noch in der Lage, sich selbst realistisch einzuschätzen. Und dann schilderte er mir mehrere Fälle von 15- bis 18-Jährigen, bei denen neben ihrer psychischen Auffälligkeit auch die schulischen Leistungen nicht einmal für einen Hauptschulabschluss gereicht hätten, aber auf seine Frage nach den Berufswünschen sie voller Selbstbewusstsein solche wie Pilot, Chirurg oder Meeresforscher nannten. Auf seinen Einwand, dass sie dafür doch mindestens das Abitur benötigen würden, polterten sie empört heraus, dass sie das doch machen würden.

Nun gibt es bei meiner Klientel keine Veränderungen mit derart dramatischen Folgen. Und deren Veränderungen sind völlig anderer Natur. Aber auch ich konnte ihm bestätigen, dass sich meine Klientel und ihre Probleme, mit denen sie zu mir kommen, verändert hätten.
Und dann philosophierten wir lange darüber, worin die Ursachen wohl lägen und ob vielleicht die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sich derart dramatisch verändert hätten.

Auch ich konnte dies, so wie er, eindeutig bejahen:

In den Anfängen meiner Trainertätigkeit hatte ich es überwiegend mit aggressiven Hunden zu tun, die durch den Amtstierarzt zu mir beordert wurden, weil sie andere Hunde und Menschen ernsthaft gefährdet hatten. Diese gibt es zwar heute ebenso noch, sogar in gleicher Häufigkeit, aber der Anteil einer anderen Gruppe ist interessanterweise wesentlich größer geworden. Nämlich die Gruppe derer, die als verhaltensauffällig eingeschätzt werden und bereits mehrfach erfolglose Hundetrainings mit sogar verschiedenen HundetrainerInnen hinter sich haben, ohne dass das „Problem“ beseitigt wurde. Ich kann sogar sagen, dass mich in den letzten beiden Jahren beinahe ausschließlich HundebesitzerInnen kontaktiert haben, die eine regelrechte Leidensgeschichte an erfolglosen Hundeschulbesuchen hinter sich haben.

Woran mag das liegen?

Meine Antwort mag vielleicht verblüffen, aber ich sehe darin den Hauptgrund, warum es heute einerseits so viele vermeintlich verhaltensauffällige Hunde gibt und andererseits die tatsächlichen Ursachen des hündischen Verhaltens nicht beseitigt werden, weil man sie offensichtlich gar nicht erkennt:

Die Rolle des Hundes in der zivilen Gesellschaft – insbesondere in der westlichen Wohlstandsgesellschaft – hat sich grundlegend verändert.
Wenn der Hund noch zu Beginn seiner Domestikation bis weit in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein beinahe ausschließlich dazu diente, Aufgaben wie das Bewachen und Beschützen von Haus, Hof und Tier zu übernehmen oder sogar – wenn ich an den englischen Bullterrier denke – von Kindern, deren Eltern tagsüber in den Industriehallen schufteten, so hat der überwiegende Teil der Hunde in der heutigen Zivilisation so etwas wie eine Begleitfunktion oder teilweise sogar die Funktion des sozialen Partners oder vielleicht sogar Ersatzes für mangelnde soziale Kontakte. Kurzum, seine aufgabenbezogene Rolle ist immer mehr in den Hintergrund getreten und seine soziale Begleitfunktion in den Vordergrund.

Damit einhergehend hat sich die Sichtweise der Menschen auf den Hund grundlegend gewandelt. Sie sehen den Hund heute als etwas völlig anderes an als das, wozu er durch seine Domestikation eigentlich geworden ist bzw. gemacht wurde. Und je mehr der Hund zum beinahe gleichberechtigten Mitglied der menschlichen Familie geworden ist, umso mehr schätzen die Menschen sogar seine Bedürfniswelt ähnlich ein wie ihre eigene. Das Resultat nennt sich „Anthropomorphisierung“, worauf ich bereits ausführlich in meinem Buch „Problemhunde und ihre Therapie“ eingegangen bin.

Aber im Ergebnis dessen hat sich auch die Anforderung an das Hundetraining grundlegend gewandelt. Bis weit in die Mitte des vorigen Jahrhunderts spielte die Erziehung des Hundes aufgrund seiner damaligen Rolle als Beschützer und Bewacher nämlich so gut wie keine Rolle, weil sie gar nicht notwendig war. Denn seine Rolle und die sich daraus für ihn ergebenden Aufgaben deckten sich 1:1 mit seinen Grundbedürfnissen, insbesondere mit dem nach Sicherheit, und seinem ureigenen Interesse, dieses Grundbedürfnis eigenverantwortlich zu befriedigen. Der Mensch nutzte quasi den Instinkt des Hundes zur Selbstverteidigung geschickt aus, um auch sich selbst und sein Hab und Gut von ihm beschützen zu lassen.

Da die Erziehung nichts anderes ist, als die Entbindung des Hundes von dieser Verantwortung, war sie quasi gar nicht notwendig.

Wenn er also selbst für seine Sicherheit sorgte, indem er Haus, Hof, Kind und Kegel bis aufs Blut verteidigte, sah jeder es als völlig normal an und kam nicht im Traum auf die Idee, er sei verhaltensauffällig, wenn er diese seine Aufgabe ernst nahm.

Deshalb hat man sich im Rahmen eines – wenn überhaupt notwendigen – Hundetrainings ausschließlich mit seiner Ausbildung – was neben der Erziehung die zweite Säule eines Hundetrainings darstellt – befasst und ihm die unmöglichsten Kunststücke beigebracht. Der typische Fall ist seine Dressur mittels unterschiedlichster Stimuli, meistens in Form irgendeiner Art der Belohnung, wovon noch heute das Leckerli übriggeblieben ist. Modernere Varianten verbrämen das schnöde Locken mit Leckerli heute allerdings mit solch wunderschön klingenden Formulierungen wie „positive Bestärkung“ oder ähnlich. Neulich hörte ich in einem Videobeitrag im Netz sogar eine noch weitaus tollere Formulierungskunst: Die sich darin präsentierende „Hundeexpertin“ kündigte einen folgenden Videobeitrag an, in dem sie sogleich demonstrieren werde, wie sie mittels eines von ihr speziell entwickelten „Doppelten Rückrufs unter Verwendung eines im zweiten Rückruf enthaltenen Ankereffektes“ (Welch eine beeindruckende Wortschöpfung!?) ihren Hund erfolgreich und zuverlässig zurückrufen könne, der offensichtlich mehr Gefallen an einem Mauseloch gefunden hatte, als an Frauchens “erstem Rückruf”. Aber meine Neugierde war trotzdem geweckt, was sich dahinter wohl für eine revolutionäre Neuigkeit verberge? Allerdings war meine Enttäuschung wie so oft groß, denn der „Ankereffekt“ entpuppte sich als nichts anderes als ein Leckerli, das dem Hund gezeigt wurde.

Kurzum, es gab somit auch notwendigerweise nur wenige Hundetrainer und kaum jemanden, der sich mit der Erziehung eines Hundes befasste oder befassen musste.

Das sieht heute jedoch völlig anders aus. Abgesehen vom Training einiger Spezialhunde, bei denen die Ausbildung natürlich nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, rückt die Erziehung des Hundes aufgrund seiner veränderten Rolle in der zivilen Gesellschaft in den Vordergrund. Die Ausbildung ist damit zwar nicht überflüssig, aber sie spielt bei der Beseitigung von heute unerwünschten Verhaltensweisen keine Rolle, weil sie es gar nicht kann, denn dafür fehlen ihr ganz einfach die geeigneten Mittel.

Mittels Ausbildungsmethoden kann man keinen Hund erziehen.

Und man muss es auch gar nicht, weil dafür der Erziehung viel effektivere und vor allem effizientere Mittel zur Verfügung stehen.

Heute soll der Hund die ihm klassischerweise zustehende Aufgabe als Beschützer und Bewacher gar nicht mehr wahrnehmen. Er soll sich stattdessen sozial verträglich, also intraspezifisch und interspezifisch sozialisiert, harmonisch in die menschliche Gemeinschaft integrieren. Er soll heute nicht mehr das zu verteidigende Revier nach Feinden aufklären und mögliche Gefahren erkennen und abwehren. Als ihm diese Aufgabe noch zukam, blieb ihm zum Beispiel nichts anderes übrig als schnüffelnd alle Geruchsinformationen am Boden zu sammeln, einschließlich der Hinterlassenschaften seiner Konkurrenten und Feinde, weil darin viele wichtige Informationen enthalten waren, angefangen von ihren Absichten bis hin zu ihren möglichen Krankheiten. Und wenn Bauer Kurt mit ihm den Hof verließ, musste er vorneweg laufend das Revier erkunden, um seinen Chef vor Gefahren zu bewahren.

All das soll er heute in der Regel aber nicht mehr.

Und wenn ein Hund diese urtypischen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen soll, ist es zwingend und ultimativ notwendig, ihn im Rahmen seiner Erziehung von dieser Verantwortung zu entbinden und ihn damit von seinem ihm ureigenen instinktiven Streben nach Befriedigung seines Grundbedürfnisses nach Sicherheit zu befreien. Allerdings wird dem Hund dies nur dann verständlich sein, wenn ihm von Frauchen oder Herrchen auch demonstrativ gezeigt wird, dass es für ihn gar keine Notwendigkeit mehr gibt, beide zu beschützen, weil nämlich sie dies statt seiner tun. Eine notwendige Geste, um dem Hund zweifelsfrei zu demonstrieren, dass Frauchen ab sofort seinen Schutz übernimmt und auch willens ist, beider Sicherheit zu gewähren, wäre ihr demonstratives Stellen vor den Hund, also zwischen Hund und vermeintlicher Bedrohung, sowie der Alltag solche Situation bietet.

Wenn es aber Frauchen oder Herrchen nicht gelingt, ihm verständlich zu machen, dass er keine Verantwortung mehr trägt, wird er weiterhin seinem Urinstinkt folgen und sich und seine ihm anvertrauten Ressourcen verteidigen. Typische Indizien, dass es nicht gelungen ist, sind jegliche Arten von Aggressionen, das Zerren an der Leine, das Weglaufen ohne oder nur schwer wieder abrufbar zu sein, das An- und Verbellen jeglicher Personen und Tiere usw. Dazu gehört auch das Aufklären des Reviers nach Konkurrenten und Feinden, indem der Boden schnüffelnd regelrecht inhaliert wird. Der Laie verwechselt dann aber dieses eigentlich völlig natürliche Verhalten des Hundes fälschlicherweise mit einer angeblichen Verhaltensauffälligkeit, was nicht nur eine falsche Diagnose darstellt, sondern die Grundlage ist für einen verheerend falschen Therapieansatz. Erstaunlicherweise sogar nicht wenige Hundeschulen meinen nun, den Lösungsansatz darin zu sehen, den Hund mittels Leckerli von diesen angeblichen Verhaltensauffälligkeiten durch den Trick der Ablenkung befreien zu können. Sie meinen, wenn Frauchen dies nur oft genug tue und immer wieder wiederhole, würde der Hund irgendwann von seinem Verhalten – was in Wirklichkeit nichts anderes ist als die Verteidigung seiner eigenen Sicherheit und die von Frauchen – ablassen. Was für eine verheerende Fehleinschätzung.
Jeglicher Versuch, das unerwünschte Verhalten eines Hundes, welches in seiner nicht erfolgten Entbindung von seiner Verantwortung begründet ist, mittels der Verwendung irgendwelcher Stimuli wie Leckerli o.ä. nachhaltig unterdrücken bzw. beseitigen zu wollen, ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

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50. „MIT IMAGINÄRER ENERGIE DEN HUND ERZIEHEN“

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oder
Verwenden Sie doch einfach einen Zauberstab

Ich hatte mich dieses Themas zwar schon einmal angenommen, aber aus aktuellem Anlass drängt es mich, es noch einmal zu tun. Denn in letzter Zeit habe ich mehrmals eine sinngemäß gleichlautende Aussage nicht nur von sich im Netz präsentierenden HundetrainerInnen vernehmen müssen, sondern insbesondere auch von sogenannten FernsehhundetrainerInnen oder zu Talkshows eingeladenen vermeintlichen HundeexpertInnen. Mir kam es vor, sie hätten sich mit Cesar Millan abgesprochen, der ähnlichen Spaß von sich gibt.

Es ging immer um die Antwort auf die Frage, wie man einen verhaltensauffälligen Hund, sei er nun aggressiv oder sonst wie ungehorsam, von diesem ungewollten Verhalten abbringen könne. Oder anders ausgedrückt: Wie kann man einen unerzogenen Hund erziehen? Und nicht selten stellten die JournalistInnen sogar eine sehr konkrete Frage, was man denn als HundebesitzerIn konkret in einem solchen Falle tun könne, wenn der Hund wie verrückt an der Leine zerre oder wie von allen guten Geistern verlassen, jeden anderen Hund oder Menschen ankläffe, als wolle er ihn auffressen?

Auf solche konkreten Fragen hätten die „ExpertInnen“ eigentlich klipp und klar antworten können. Vorausgesetz natürlich, sie hätten klipp und klare Antworten.

Aber entweder sie wollten ihr „Fachwissen“ geheim halten oder – wie ich eher vermute – sie hatten wahrscheinlich gar keines. Zumindest keines, mit dem sie auf diese konkreten Fragen hätten konkret antworten können.

Stattdessen bauten sie verbal voluminös einen regelrechten schleiernen Mythos um sich selbst herum auf und antworteten geradezu salomonisch, dass selbst Sokrates seine wahre Freude gehabt hätte:

Sinngemäß laberten sie alle etwas von einer bestimmten oder gewissen Energie, die der Hundebesitzer ausstrahlen solle. Oder Frauchen bzw. Herrchen sollen durch ihr Selbstbewusstsein ihre Energie auf den Hund übertragen.

Es hätte nur noch gefehlt, sie hätten einen Zauberstab herausgeholt. Das habe ich schon als Kind bewundert, dass der Zauberer mit diesem Stab Energie in einen Hut übertragen kann. Und schwuppdiwup sitzt ein Kaninchen drin.

Das einzig Verwertbare an diesem ausweichenden Rumgelabere, dem man noch einen gewissen Sinn abgewinnen könnte, ist der Begriff „Selbstbewusstsein“. Denn die Sensorik eines Hundes ist durchaus in der Lage, ihn einschätzen zu lassen, ob Frauchen selbstbewusst ist oder nicht. Aber ob Frauchen dieses Selbstbewusstsein auch mit der Übernahme ihrer Führungsrolle bzw. Beschützerrolle gegenüber dem Hund in Übereinstimmung bringt, ist damit noch lange nicht gesagt. Es gibt nämlich durchaus HundehalterInnen, die trotz ihres sehr ausgeprägten Selbstbewusstseins ihren Hund nicht im Griff haben, weil sie es einfach versäumten, ihn zu erziehen. Anders ausgedrückt: Mit Selbstbewusstsein allein erzieht man noch lange keinen Hund. Es ist nur eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Erziehung, wenn der Hund versteht, dass Frauchen ausreichend selbstbewusst ist, um die Verantwortung für sie beide zu übernehmen.

Bleibt also noch offen, was diese angeblichen Experten mit der „bestimmten“ oder „gewissen Energie“ meinen?

Es gibt in der Psychotherapie einen Diagnose- und Therapieansatz der Energie-Psychologie. Das ist einer derer, die eine Verbindung zwischen Energie und Psychologie herstellen. Aber der ist in unserem Falle sicherlich nicht gemeint.

Ich habe eher den Eindruck, dass in den oben genannten Beispielen mangelndes Fachwissen verschleiert werden soll durch einen verbal aufgebauschten Mythos des nur ihnen als Experten zugänglichen Fachwissens oder der nur ihnen zugänglichen Fähigkeiten, um nicht konkret antworten zu müssen oder den Zuhörer als Dummchen dastehen zu lassen nach dem Motto: „Das begreifen Sie sowieso nicht … mit dem Problem müssen Sie zu mir kommen!“ Und schon ist der mediale Experte geboren, den es anzustaunen gilt und dem das Geld in den Rachen geworfen werden soll.

Damit im Zusammenhang steht die Absicht dieser „Experten“, beim Laien die Einsicht zu projizieren, die Hundeerziehung sei ein sehr komplexer und komplizierter Prozess. Denn dann erscheint es auch sofort einleuchtend, dass die Antwort ja gar nicht so einfach und konkret ausfallen könne. Und ehrfurchtsvoll verneigt sich der Laie vor dem gottgleichen „Experten“ und gibt sich (leider) gutgläubig und staunend mit einer solchen Antwort der „imaginären Energie“ zufrieden.

Bedauerlicherweise ist der Mensch für solch eine Expertenvergötterung anfällig. Nicht zuletzt wegen seiner Gutgläubigkeit gegenüber angeblichem Expertenwissen. Jeder kennt das Prinzip des Placebo-Effekts, den auch Ärzte erfolgreich anwenden, indem dem Geist etwas vorgegaukelt wird, was sich dann tatsächlich in selbstheilenden Prozessen des Körpers transferieren lässt. Tatsächlich lässt sich aber Energie nicht auf andere Lebewesen übertragen.

Was allerdings schön wäre, nach dem Motto: Wir übertragen mal kurz die Energie eines Lebenden auf einen Toten, und schon hätten wir zwei halb lebende oder halb tote. Denn nach dem Energieerhaltungssatz kann Energie nicht erzeugt oder vernichtet werden, nur umgewandelt. Wenn ich dem einen also Energie entziehe und dem anderen übertrage, fehlt zumindest dieser Teil dem einen.

Die Wahrheit ist in Wirklichkeit aber eine sehr einfache: Die Hundeerziehung ist nämlich gar keine so komplexe und komplizierte, wie die vermeintlichen HundeexpertInnen es glauben machen wollen. Auf die ihnen konkret gestellte Frage nach der Lösung für einen an der Leine zerrenden oder kläffenden Hund hätten die „Energie-Experten“, wenn sie tatsächlich Ahnung hätten, kurz und knackig antworten können:
Einem solchen Hund wurde offensichtlich – wie am Zerren und Kläffen zu erkennen –die Verantwortung für die eigene Sicherheit und die von Frauchen übertragen, von der er nur entbunden werden muss.

Und wie ein Hund von seiner Verantwortung entbunden werden kann, das sollte zum Einmaleins einer jeden Hundetrainerin oder eines jeden Hundetrainers gehören.

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